Hrodna
Hrodna (weißruss. Гродна/Hrodna oder Горадня/Horadnja, russ. Гродно/Grodno, poln. Grodno, litauisch Gardinas, deutsch Garten) ist eine Stadt in Weißrussland an der Memel, nahe der Grenze zu Polen und Litauen. Hrodna hat 313.700 Einwohner (2004), darunter eine große polnische Minderheit (vor dem Zweiten Weltkrieg polnische und jüdische Bevölkerungsmehrheit). Früher führte durch Hrodna eine der wichtigsten Eisenbahnverbindungen der Sowjetunion von Wilna nach Warschau. Bedingt durch die politische Situation in Weißrussland umgeht man aber inzwischen weißrussisches Gebiet. Hrodna ist Partnerstadt von Minden in Westfalen.
Geschichte
Hrodna wurde 1128 zum ersten Mal erwähnt. Die Stadtrechte erhielt es 1391 vom litauischen Fürst Vytautas. Der Fürst stiftete der Stadt die Pfarrkiche und ließ sich zwei von drei hier befindlichen Schlösser ausbauen. Nach der Schlacht von Grünwald (1410) erlebte die Stadt schnell eine Blütezeit, in der sie sich auch teritorial erweiterte. Hrodna wurde von zwei Bürgermeistern regiert, einem katholischen und einem orthodoxen. Ihre goldene Zeit erlebte die Stadt während der Herrschaft der Jagiellonen- und Vasa-Dynastie. Während der Zeit von Stefan Batory wurde Hrodna de facto zu Hauptstadt des polnisch-litauischen Reiches. Das alte Schloss wurde damals ausgebaut, es entstand auch eine bekannte Jesuiten-Schule. Schlechte Zeiten für Hrodna brachen mit der sog. „Schwedenflut“ an. Erst unter der Herrschaft von Stanisław August Poniatowski verbesserte sich die Lage Hrodnas wieder. Hier entstand das erste Schauspielhaus Litauens, der letzte polnische König gründete auch mehrere Schulen. Seit 1776 erschien die Wochenzeitung "Gazeta Grodzieńska" (Grodnoer Zeitung) und "Rocznik Gospodarczy" (Ökonomisches Jahrbuch).
Im Jahre 1793 fand in Hrodna der letzte polnische Sejm staat, auf dem die die zweite Teilung Polens ratifiziert wurde. Zwei Jahre später die Stadt kam unter russische Herrschaft und wurde 1802 zum Sitz eines russischen Gouverneurs. 1812 von napoleonischen Truppen besetzt, fiel sie einige Monate später wieder unter russische Kontrolle. Größeren Repressionen wurden die Bewohner der Stadt (mehrheitlich Polen und Juden) erst nach 1831 ausgesetzt. Der Zar ließ den griechisch-katholischen Ritus verbieten, römisch-katholische Klöster wurden Schritt für Schritt liquidiert. Die öffentliche Verwendung der polnischen Sprache wurde verboten.
1862 wurde eine Eisenbahnverbindung zwischen Warschau und Petersburg gebaut, die auch Hrodna berührte. 1863 nahm die Mehrheit der Bewohner am Aufstand gegen Zar Alexander II. teil.
Von 1915 bis 1919 war die Stadt von deutschen Truppen besetzt, im Frühling wurde sie dem neu entstandenen Polen angeschlossen und wurde zur Kreisstadt in der Woiwodschaft Białystok . Die Mehrheit der Stadtbevölkerung bildeten Polen und Juden, in der Umgebung wohnten Polen und Weißrussen.
In der Zwischenkriegszeit wurde die Stadt zur kulturellen Hauptstadt der Region: das Schauspielhaus, benannt nach Eliza Orzeszkowa, wurde eröffnet, es entstanden auch historische und geologische Museen und ein Zoo. Hrodna war Sitz einer großen Militärgarnison. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten aus jener Zeit wurden mittlerweile restauriert bzw. wiederaufgebaut.
Am 21. September 1939 fiel die Stadt dem sowjetischen Angriff auf Polen zum Opfer. Hrodna war die einzige Ortschaft im damaligen Ostpolen, die Widerstand gegen die Rote Armee leistete. Am 2. November wurde die Stadt an Weißrussland angeschlossen und wurde zur Rajonstadt in Oblast Białystok. Im Februar, April, Juni 1940 und Februar 1941 wurden viele Bewohner Hrodnas, die als Klassenfeinde eingestuft wurden, von der sowjetischen Besatzung nach Sibirien und Kasachstan verschleppt.
Seit Juni 1941 war die Stadt von der Deutschen Wehrmacht besetzt, ca. 50% der Stadtgebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht.
Im Vertrag von 16. August 1945 akzeptierte die polnische Regierung die neue Grenze entlang der Curzon-Linie (im Dezember 1943 in Teheran vorgeschlagen). Ein Teil der polnischen Bevölkerung von Hrodna wurde nach Westpolen ausgesiedelt, viele sind aber in Hrodna geblieben (heute bilden sie ca. 40% der Stadtbewohner). Nach 1945 siedelten sich viele Weißrussen aus der Umgebung in Hrodna an.
Seit 1991 ist die Stadt Teil des unabhängigen Weißrusslands und Verwaltungssitz der Woblast Hrodna. Hrodna gilt als Bollwerk der weißrussischen Opposition gegen den autoritären Präsidenten Lukaschenka. Die nationalen und konservativen Parteien genießen hier große Unterstützung.
Bekannte Persönlichkeiten, die aus Hrodna stammen
- Eliza Orzeszkowa, polnische Schrifstellerin aus dem 19. Jahrhundert
- Antoni Tyzenhaus, Gouverneur in der Zeit von Stanisław Poniatowski in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
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