Hyperinflation
Hyperinflation ist eine Form der Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, aber eine verbreitete Daumenregel spricht von einer Hyperinflation ab einer monatlichen Inflationsrate von 50%. Einfach gesagt ist eine Hyperinflation eine unkontrollierbare Inflation mit extrem hoher monatlicher Rate.
Vor dem 20. Jahrhundert waren Hyperinflationen selten, da von einem gewissen Inflationsniveau an die Ökonomien zu ungeprägten Edelmetallen als Geldersatz oder zu Naturaltausch übergegangen sind. Die immer weitere Verbreitung von ungedecktem Geld (Fiat money) ermöglichte Hyperinflationen. Regierungen werden als Ursache für Hyperinflationen beschuldigt, da sie zur Deckung ihrer Ausgaben einfach größere Geldmengen druckten und in den Verkehr brachten.
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Erklärung
Eine solche Ausweitung der Geldmenge ist einer der wichtigsten Faktoren, die zu einer Hyperinflation führen können. Eine allgemeinere Erklärung für Hyperinflationen bietet die Quantitätsformel von Irving Fisher:
Diese Formel lässt sich umstellen zu:
Das Preisniveau steigt also z.B.:
- wenn die Geldmenge ansteigt bei gleichbleibender Umlaufgeschwindigkeit und gleichbleibender Transaktionsanzahl (z.B. bei "Geld drucken")
- wenn die Umlaufgeschwindigkeit ansteigt bei gleichbleibender Geldmenge und gleichbleibender Transaktionsanzahl
- wenn die Transaktionsanzahl abnimmt bei gleichbleibender Geldmenge und gleichbleibender Umlaufgeschwindigkeit (z.B. bei Störung des Wirtschaftskreislaufs durch Katastrophen, wenn also plötzlich die Lieferbarkeit wegbricht, aber die Nachfrage bleibt)
Währungsreform
Viele Hyperinflationen enden in einer Währungsreform.
Chronologie
Es gibt verschiedene geschichtliche Episoden von Hyperinflationen mit monatlichen Inflationsraten von über 50%. Beispiele sind
- die frühen zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland (s. Artikel Deutsche Inflation 1914 bis 1923), mit einer maximalen monatlichen Inflationsrate von 32 400%
- 1921..1923 in Österreich (uni-passau.de)
- 1921..1924 in Ungarn (uni-passau.de)
- 1921..1924 in Polen (uni-passau.de)
- Griechenland 1943/44 mit einer maximalen monatlichen Rate von 8,55 Milliarden Prozent
- Ungarn 1945/46 mit einer maximalen monatlichen Rate von 41,9 Billiarden Prozent (4,19 * 1016%) (siehe auch Pengő)
- 1949/1950 in der Volksrepublik China (libertyhaven.com)
- 1985 in Bolivien (Zeit.de)
- 1988 in Nicaragua (homepagemodules.de)
- 1989 in Polen (gym-hartberg.ac.at, Quelle, sz.gov.pl)
- 1989/1990 in Brasilien (emkweltmission.de, Quelle)
- 1989/1990 in Argentinien (kas.de, inwent.org)
- 1990 in Peru (clevelandfed.org)
- Bosnien und Herzegowina und Jugoslawien anfangs der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts (Quelle)
- 1990..1994 in Zaire (tomchao.com, Quelle, Quelle)
- 1992 in Russland (bpb.de)
- 1992..1994 in Georgien (Quelle)
- 1994,1996/1997 in Angola (Quelle, metro-press.com)
Auch vor dem 20. Jahrhundert fanden gab es schwere Inflationen, die möglicherweise sogar den Charakter von Hyperinflationen hatten:
- 276 bis 334 im Weströmischen Reich (ddc.net)
- 1166 im Kaiserreich China (ex.ac.uk)
- 1719..1720 in Frankreich (atimes.com)
- 1789..1796 in Frankreich (nber.org)
- 1861..1865 in den Vereinigten Staaten von Amerika (vor allem Südstaaten)
Schwere Inflationen, die jedoch nach dem verbreiteten 50% Kriterium nicht als Hyperinflation zu werten sind, gab es:
- 1990..1997 in Rumänien (karpatenwilli.com, geographie-diplom.de)
- 1994..1996 in Zaire (neue Währung wurde wieder inflationiert) (tomchao.com, 129.194.252.80)
- 1994..1995 in der Türkei (Quelle)
- 1995..1996 in Ghana (bog.gov.gh)
- 1996..1997 in Bulgarien (bulgarien-web.de)
- 2000..2003 in Ecuador (salzb.org, ila-bonn, KPMG.at)
- 2002 in Usbekistan (State.gov)
- 2004..andauernd in Simbabwe (welt-in-zahlen.de)
- 2004..andauernd in Somalia (welt-in-zahlen.de)
- 2004..andauernd in Afghanistan (welt-in-zahlen.de)
- 2004..andauernd in Burma (welt-in-zahlen.de)
Kommentar
Wie an den Listen zu erkennen ist, sind schwere Inflationen häufig mit schwerwiegenden Krisen- und Umbruchssituationen verbunden, die nicht allein ökonomischer Natur sind. Das gilt u.a. für die Inflationen in den Transformationsländern und Staaten, die von den Folgen von Krieg und Bürgerkrieg gezeichnet waren oder sind, wie z.B. Griechenland, Ungarn, China, Nicaragua, Angola, Somalia (kein funktionierendes Staatswesen), Kongo und Afghanistan.
