Idealismus
Der Begriff Idealismus (abgeleitet von Idee) bezeichnet
- in der Philosophie eine monistische Anschauung, die die Welt und das Sein als Idee, Geist, Vernunft oder Bewusstsein und die Materie nur als deren Erscheinungsform versteht (und hiervon abgeleitet),
- ein (mit Selbstaufopferung verbundenes, altruistisches) Streben nach Verwirklichung von Idealen; eine durch Ideale (oder Utopien) bestimmte Weltanschauung bzw. Lebenseinstellung - im Gegensatz zu Egoismus bzw. Pragmatismus.
- in der Kunst eine religiös-überirdische Erhöhung der Wirklichkeit ("Statuierung einer Sphäre jenseits der Widersprüche") - z. B. Darstellung der Leiden Christi -> Erhöhung der Wirklichkeit
Idealismus als philosophische Anschauung
In der philosophischen Terminologie lassen sich trotz aller vieldeutigen Verwendung des Terminus zwei wesentlich unterschiedene Begriffe des Idealismus festhalten: Idealismus wird hiernach zum einen als erkenntnistheoretischer, zum anderen als ontologischer Begriff verstanden.
So ist der Idealismus im Gegensatz zum Realismus zunächst eine Erkenntnistheorie, die eine äußere, vom Bewusstsein unabhängige Realität für unerkennbar hält. Dieser Idealismus wird zumeist als subjektiver Idealismus bezeichnet, da alle Erkenntnis als abhängig vom Subjekt konzipiert ist und es keine subjektunabhängige Perspektive auf die Realität gibt. (So wird etwa die Kantische Philosophie oftmals als subjektiver Idealismus bezeichnet, auch wenn dies keine Bezeichnung von Kant selbst für seine Position ist). Eine Erkenntnis der wahren Welt an sich hinter der Erscheinung für das Bewusstsein wird als nicht möglich angesehen. Verwandte Auffassungen finden sich im in der neueren Philosophie im Konstruktivismus
Zweitens wird der Terminus Idealismus ontologisch als Gegensatz zum Materialismus (und anderen Sichtweisen) verstanden. Demnach ist der Idealismus eine Weltsicht, in der dem materiellen Sein ein geistiges Sein zugrundeliegt. Im Abgrenzung zur ersten Position wird vom objektiven oder absoluten Idealismus gesprochen, da nicht die Abhängigkeit der Realität vom subjektiven Bewußtsein, sondern von einer als objektiv wirklich verstandenen Form des Geistig-Ideellen zum Ausdruck gebracht werden soll. In dieser Position wird von einer Möglichkeit der Erfassung der Wirklichkeit durch das denkende Bewusstsein ausgegangen. Für diese Variante des Idealismus stehen exemplarisch die Philosophie Platons und Hegels, sowie des deutschen Idealismus insgesamt. Eine verwandte Auffassung ist der Spiritualismus.
Wichtige Philosophen des deutschen Idealismus in Nachfolge von Immanuel Kant sind hierbei Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling.
Literatur
- Vittorio Hösle: Philosophiegeschichte und objektiver Idealismus, München 1996
- Otto Willmann: Geschichte des Idealismus, Band I (1973), Band II (1975) und Band III (1979), Aalen
Siehe auch: Ideenlehre, Materialität der Seele
Kategorie:Philosophie
Kategorie:Erkenntnistheorie
