Identität

Dieser Artikel behandelt die Identität als allgemeinen Begriff. Zum gleichnamigen Film siehe: Identität (Film).


Unter Identität (v. lat.: identitas = Wesenseinheit) eines Menschen (oder einer Sache) wird häufig die Summe der Merkmale verstanden, anhand derer wir uns (sie sich) von anderen unterscheiden. Diese Identität erlaubt eine eindeutige Identifizierung im physiologischen Sinne.

Inhaltsverzeichnis

Identität bei Lebewesen

Um zu berücksichtigen, dass bei Lebewesen eine Änderung von Merkmalen nicht notwendig eine Änderung der Identität bedeutet – der Kater "Eugen" bleibt beispielsweise "Eugen", auch nachdem ihm die Nachbarskatze ein Ohr abbeißt –, bietet sich folgende Definition der Identität an:

Identität besitzt ein Lebewesen,

(Veränderlichkeit gilt als Wesensmerkmal von Lebewesen.)

Identität bei Menschen

Die Identität eines Menschen besteht darin, dass - dieser Mensch von anderen Menschen unterscheidbar ist, und - dieser Mensch als derselbe/dieselbe identifizierbar bleibt, auch wenn er/sie sich verändert.


Da Identität auf Unterscheidung beruht und "Unterscheidung" ein Verfahren ist, das ein Ganzes untergliedert ("scheidet"), kann etwas nur als Teil eines Ganzen "Identität" erlangen. Daher wird verständlich, weshalb Menschen ihre "Identität" als bestimmte Menschen in einem Wechselspiel von "Dazugehören" und "Abgrenzen" entwickeln.

Psychische Identität

Die psychische Identität stellt keine wie auch immer geartete eindeutige Essenz oder ein unveränderliches Wesen dar. Im Gegenteil: Identität als psychologisches Konzept geht geradezu davon aus, dass sich ein Mensch mit etwas "identifiziert", also ein äußeres Merkmal einer bestehenden Gruppenidentität als sein eigenes Wesensmerkmal annimmt. In gewisser Hinsicht erscheint dies als notwendiger Prozess zur Heranbildung einer eigenen Persönlichkeit, aber es bleibt stets ein Element der Fremdbestimmung und Zuschreibung. So hat vielleicht jemand, der gerne homosexuellen Sex praktiziert, keine Lust, sich identitär als "lesbisch" oder "schwul" zu bezeichnen, wird jedoch dennoch von seiner Umgebung in diese Identität gedrängt.

Verlust der Identität
Für Menschen ist ein ungewollter Identitätsverlust psychisch ein großes Problem, denn sämtliche Gruppenzugehörigkeiten Familie, Volk, Kollegen ...) sind damit verloren. Die Person identifiziert sich nicht mehr mit diesen Gruppen und wird so physisch und psychisch isoliert.

Im Feminismus und anderen Strömungen wird der Ausbruch aus einer festgelegten Identität allerdings auch positiv bewertet: weibliche Identität wird nicht mehr als Ideal empfunden, sondern als fremdbestimmtes Set von Verhaltensmustern, Stereotypen und Erwartungen. Männlichkeit oder "nationale Identität" erscheinen ähnlich problematisch. Identität als Identifikation mit einer Gruppe ist eben oftmals auch eine Integration durch Zwang, der Ausbruch aus der identitären Festlegung ein Akt der Emanzipation. Ziel dieser Emanzipation ist nicht die Isolation, wohl aber die Sprengung von fremdbestimmten Identitäten - hier bewusst im Plural, denn ein Individuum verkörpert stets mehrere sich überschneidende Identitäten: als Mann, als Europäer, als Intellektueller... etc.

Allgemein verliert ein Mensch dann ihre/seine Identität, wenn - sie/er sich so verändert, dass wesentliche Kriterien entfallen, anhand derer sie/er identifiziert wird, oder - wesentliche Instanzen, welche die Identifizierung vornehmen, entfallen oder wesentliche Kriterien der Identifizierung geändert werden.
Die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu identifizieren, nennt man Identitätsbewusstsein.

Identität in der Mathematik

"Gleichungen zwischen arithmetischen Ausdrücken"

Sind A1 und A2 arithmetische Ausdrücke, so heißt die Zeichenreihe A1= A2 eine Gleichung. Eine Gleichung A1= A2 heißt allgemeingültig oder auch Identität genau dann, wenn für jede Belegung φ gilt:

   Wert(A1,φ) \in R,  
    Wert(A2,φ) \inR und 
       Wert(A1,φ)= Wert(A2,φ). 
 
 

Anmerkung : Das Zeichen = tritt in dieser Definition in zwei unterschiedlichen Bedeutungen auf, und zwar einmal als syntaktisches Zeichen zwischen den Ausdrücken A1 und A2 und zum andern als Bezeichnung der Gleichheit in R.

Wir beschränken uns bei dieser Bemerkung zur Identität auf eine Interpretation arithmetischer Ausdrücke über dem Körper der reellen Zahlen R. Die Interpretation der arithmetischen Ausdrücke erfolgt durch eine eindeutige Abbildung, «Wert», die in Abhängigkeit von einer Belegung φ gewisse arithmetische Ausdrücke in die Menge R der reellen Zahlen abbildet. Das Bild eines solchen Ausdrucks A (also die ihm zugeordnete Zahl) heißt Wert von A bei der Belegung φ, bezeichnet mit Wert(A,φ) \in R.

Beispiel: (x+a)^2 \equiv x^2 + 2ax + a^2

Identitäten werden oft notiert mit einem Gleichheitszeichen, das nicht aus zwei, sondern drei Strichen besteht (\equiv).

Stichworte sind: Unterschied von (semantischer) Gleichheit und (syntaktischer) Identität logischer Formeln; Gleichheit; Identische Funktion.

siehe auch Philosophie: Identitätssatz, Satz vom ausgeschlossenen Dritten Tertium _non_datur (zur Motivation des Mengenbegriffs beispielsweise R).

Identität im Recht

Im Kontext des Rechts bezeichnet Identität die Übereinstimmung der personenbezogenen Daten mit einer natürlichen Person. Diese Identität kann formal durch deine rechtsverbindliche Identitätsfeststellung bestimmt werden. Der rechtswidrige Missbrauch der persönlichen Daten einer natürlichen Person wird als Identitätsdiebstahl bezeichnet.

Siehe auch: Identitätsfeststellung (Recht)

Identität von Begriffen

Der Ausdruck identische Begriffe bezeichnet Begriffe, die ein und denselben Begriffsumfang besitzen. Dies kann so interpretiert werden, dass sie denselben Gegenstand widerspiegeln.

In diesem Zusammenhang bezeichnet ( lat.) identitatis notionum die Beziehung der Identität zwischen Begriffen.

Philosophische Probleme der Identität

Der Begriff der „Identität“ ist Gegenstand einiger Fragen und Auseinandersetzungen in der Philosophie.

Bedeutsam ist die Frage, wie weit man bei Dingen überhaupt von „Identität“ sprechen kann: welche Dinge sind identisch, welche nicht? Hier kommt es zu Problemen, wenn man den alltäglichen Sprachgebrauch ungeprüft in eine formale Sprache bringen will. So wird man im Alltag kaum behaupten: „Dieser Baum dort ist nicht mehr derselbe Baum wie eben“, nur weil er einige Blätter verloren hat; oder „Diese Person ist nicht mehr dieselbe“, nur weil ihre Haare geschnitten wurden. Wann man vom Gleichbleiben eines Dinges, von der Veränderung eines Dinges oder sogar dem Entstehen eines neuen Dinges redet, ist in der Umgangssprache nicht festgelegt; die Grenzen sind fließend.

Auf die Widersprüche, die sich aus diesem unklaren Sprachgebrauch ergeben können, wies etwa Thomas Hobbes mit einem Beispiel hin. Er spricht über das Schiff des Theseus:

"Werden in diesem Schiff nach und nach alle Planken durch neue ersetzt, dann ist es numerisch dasselbe Schiff geblieben; hätte aber jemand die herausgenommenen alten Planken aufbewahrt und sie schließlich sämtlich in gleicher Richtung wieder zusammengefügt und aus ihnen ein Schiff gebaut, so wäre ohne Zweifel auch dieses Schiff numerisch dasselbe Schiff wie das ursprüngliche. Wir hätten dann zwei numerisch identische Schiffe, was absurd ist."
(in: T. Hobbes, Grundzüge der Philosophie. Erster Teil. Lehre vom Körper)

Dieses Paradox entsteht, wenn wir beim Austausch von nur einer einzigen Planke nicht annehmen, dass sich das Schiff wesentlich verändert hätte: es scheint uns immer noch dasselbe zu sein. Werden aber viele kleine Veränderungen nacheinander vorgenommen, die wir einzeln vernachlässigen, erscheint ein paradoxes Ergebnis. Dies zeigt, daß die alltägliche Sichtweise der Identität nicht ohne weiteres übernommen werden kann. Weitere Widersprüche ergeben sich etwa, wenn z.B. eine Raupe, die sich verpuppt und zum Schmetterling wird, die ganze Zeit als „dasselbe“ Wesen angesehen wird. Dies ist ein Widerspruch zu einer Definition der Identität, die völlige Gleichartigkeit der Eigenschaften verlangt.

Eine klassische Definition der Identität, die dieses vermeiden soll, gibt das Leibniz-Gesetz, das sich so formulieren läßt: „Zwei Dinge sind identisch, wenn alle ihre Eigenschaften identisch sind.“

Ein Hilfssatz, etwa von Sigwart formuliert, lautet nun: „am selben Ort des Raumes kann zu einer bestimmten Zeit nur ein Ding existieren.“

Diese Definition scheint einfach, sie wirft aber Probleme auf. Ein Problem ist, was unter „Eigenschaft“ verstanden wird. Wenn darunter auch die räumliche und zeitliche Bestimmtheit fallen, ergibt sich mittels des Hilfssatzes eine leichte Identifizierung: denn wenn man von zwei Dingen feststellt, dass sie in allen Eigenschaften übereinstimmen und sich insbesondere zur selben Zeit am selben Ort befinden, kann man schließen, dass sie identisch sind.

Jedoch ergibt sich ein weiteres, vielfach aufgeworfenes Problem, das etwa Ludwig Wittgenstein beschäftigte: wie kann ich überhaupt sagen, daß „zwei Dinge identisch sind“, wo doch „zwei Dinge“ naturgemäß nicht identisch (sondern eben „zwei“) sind und man bei völliger Identität nicht von „zwei Dingen“ sprechen kann? Ähnliche Kritik wurde von anderen Philosophen vorgebracht. Ein Ansatz zur Lösung geht davon aus, dass der Mensch die Identität von Dingen zunächst nicht erkenne und deswegen zunächst zwei verschiedene Dinge annimmt; wenn dann deren Identität bewiesen ist, ergibt sich, dass er von Anfang an nur ein Ding betrachtet hat, diesem aber zuvor irrtümlich unterschiedliche Bezeichnungen gegeben hat.

Gegen diesen Ansatz wurde wiederum eingewendet, dass etwa die Gleichung „2+2 = 4“ trotzdem fragwürdig sei: wenn „2+2“ exakt dasselbe sagt wie „4“, wäre es ja überflüssig, die Gleichung hinzuschreiben. Vertreter des genannten Ansatzes halten dies für ein Missverständnis: tatsächlich sei es ja überflüssig, die rein tautologische Gleichung hinzuschreiben.

Literatur

Belletristik

See also: Identität, Begriffsumfang, Bio-Macht, Definition, Dialektik der Aufklärung, Ding, Emanzipation, Essenz, Familie (Soziologie), Feminismus