Industrial
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Hintergrund
Eine wesentliche Komponente des Industrial war und ist die Provokation entlang der äußersten Ränder des Erträglichen. Die unverhüllte und unabgeschwächte Darstellung extremer Gewalt, Paraphilie, Krankheit und Tod mit musikalisch radikaler Diktion und moralisch uneindeutigem Gestus durch Mittel der Manipulation und Propaganda führte den Hörer durch kathartische Momente en masse und erforderte seine intellektuelle Mitarbeit.
Geschichte
1977 veröffentlichten Throbbing Gristle, hervorgegangen aus der Extremperformancegruppe Coum Transmissions, das musikalisch bahnbrechende Album „2nd Annual Report“. Parallel dazu realisierten sie im angesehenen Londoner ICA (Institute of Contemporary Arts) eine „Prostitution“ betitelte Ausstellung. Objekte wie gebrauchte Tampons und Abbildungen aus Pornomagazinen wurden gezeigt und Auftritte einer Stripperin, von Throbbing Gristle selbst und der Frauen-Punkband The Slits fanden statt. Die Ausstellung provozierte einen nationalen Skandal, mit dem sich selbst das britische Parlament befasste und machte zugleich London zum Zentrum der Bewegung. Quasi aus dem Publikum heraus gründeten sich weitere Bands und Gruppen und Künstler aus anderen Ländern zogen teils dorthin. So entstand schnell ein internationales Netzwerk aus Plattenlabels, Künstlern, Medien und Auftrittsorten, das auch befördert wurde durch die Interaktion mit dem zeitgleich entstehenden Punk-Phänomen.
Anfang bis Mitte der 80er Jahre verfiel der innovative Impuls zunehmend, durch den sich Industrial anfangs ausgezeichnet hatte und das ursprünglich komplexe Geflecht aus Medientheorie, Kunst und Provokation degenerierte zu einem Stereotyp. Die meisten Industrialbands lösten sich zu dieser Zeit entweder auf oder gingen komplett neue Wege.
Weiterentwicklung / Post-Industrial
Eine Fortentwicklung aus dem klassischen Industrial stellen seit den frühen 80er Jahren u.a. die neu entstandenen Stile Noise, Power Electronics, Death Industrial, Dark Ambient oder Rhythm & Noise dar. Dieser Abschnitt wird zumeist als Post-Industrial bezeichnet.
Über vielfache Kreuzungen mit anderen Stilen entstand in den USA und Kanada eine Generation des Industrial, die sich von ihren klassischen Urhebern bereits weit entfernt hatte. Spätestens ab Mitte der 90er Jahre kam diese Form von Industrial durch Musiker wie Nine Inch Nails oder Marilyn Manson dann auch im Mainstream an. Das starke emanzipatorische Potential des ursprünglichen Industrial wich dabei zunehmend einer reinen Schockästhetik und von den intellektuellen Fundamenten (Medientheorie, Wahrnehmungsforschung, „Wirtschaftsguerilla“) sind in aller Regel nur mehr Fragmente erhalten geblieben.
Dennoch gibt es bis heute einen sehr aktiven Untergrund, der weltweit miteinander vernetzt ist und über Websites und per E-Mail miteinander kommuniziert. Speziell die Subgenres Noise (begründet u.a. durch Merzbow) und Power Electronics (begründet durch den Come Org-Kreis um Whitehouse) erweisen sich als außergewöhnlich lebendig.
Seit der Entstehung von IDM, Drum & Bass, Glitch und Clicks & Cuts in den 1990er Jahren gab es zahlreiche Überschneidungen, die so zur Entstehung von Rhythm & Noise beitrugen. Mit dem klassischen Industrial verwandt sind die gitarrenorientierteren Varianten des Industrial Rock und des Industrial Metal. Als eine frühe tanzbare Form des Industrial in Zusammenspiel mit elektronischer Punkmusik (DAF, Die Krupps) gilt gleichermaßen die ursprünglich aus Belgien stammende Electronic Body Music, welche zahlreiche nachfolgende Musikstile beeinflusste.Bedeutende Künstler
| Klassischer Industrial | Power Electronics | Amerikanischer Industrial | Death Industrial | Rhythm & Noise |
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| Verwandte Stilrichtungen</small> |
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Dark Electro | Death Industrial | EBM | Electro | Electro-Industrial | Electro Wave | Hardcore Electro | Industrial | Minimal Electro | Noise | Power Electronics |
