Innerdeutsche Grenze
[[Bild:Moedlareuth DDR-Grenzpfosten.jpg|thumb|200px|DDR-Grenzpfosten in ]] Als innerdeutsche Grenze oder deutsch-deutsche Grenze oder auch Zonengrenze wurde die 1378 km lange Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Der Grenzverlauf zwischen den drei westlichen Besatzungszonen und der Sowjetischen Besatzungszone wurde von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs festgesetzt und bestand mit der Gründung der beiden deutschen Staaten nach 1949 fort.
Die DDR bezeichnete die deutsch-deutsche Grenze im offiziellen Sprachgebrauch als „Staatsgrenze der DDR zur Bundesrepublik Deutschland und zu Westberlin“. Der Begriff „Zonengrenze“ war eher in der Bundesrepublik gebräuchlich.
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Geschichte der innerdeutschen Grenze
thumb|250px|Ehemaliger Wachturm der DDR-Grenztruppen an der innerdeutschen Grenze [[Bild:Postenweg.jpg|thumb|250px|Der ehemalige Postenweg entlang der innerdeutschen Grenze in der Nähe des Brockens]] [[Bild:Moedlareuth_Museum_2002.jpg|thumb|250px|Freilichtmuseum in ]] Schon ab 1952 wurde die Demarkationslinie zwischen der Bundesrepublik und der DDR verstärkt abgeriegelt. Dieser Prozess wurde dann am 18. Juni 1954 mit der Anordnung über die Neuregelung der Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und Westdeutschland formell geregelt.
Die DDR schuf auf ihrem Gebiet eine fünf Kilometer breite ‚Sperrzone‘, einen 500 Meter breiten mit Stacheldraht gesicherten ‚Schutzstreifen‘ und einen zehn Meter breiten ‚Kontrollstreifen‘ (Grenztruppenjargon: Handlungsstreifen). Die Bewohner der Sperrzone mussten sich registrieren lassen und durften Besucher nur mit Wochen vorher zu beantragender Genehmigung empfangen. "Unzuverlässige" Bürger wurden 1952 in der "Aktion Ungeziefer" beziehungsweise 1961 im Zuge der "Aktion Kornblume" zwangsweise in das Hinterland umgesiedelt. Ab 1971 wurden diese Sperrzonen teilweise aufgelöst oder verkleinert. Zuerst wurde als Sichtschutz ein einfacher Holzlattenzaun aufgebaut, später ein schwerer überwindbarer doppelter Stacheldrahtzaun. Seit 1957 hieß die Demarkationslinie in der DDR offiziell „Staatsgrenze West“.
Seit den 1960er Jahren wurde die deutsch-deutsche Grenze durch die DDR immer stärker ausgebaut, um die Massenflucht in den Westen zu unterbinden. In der offiziellen Darstellung der DDR war es jedoch der antifaschistische Schutzwall, der die DDR vor Übergriffen aus dem Westen bewahren sollte. Neben den dort stationierten ca. 30.000 Grenzsoldaten der Grenztruppen, die den Befehl hatten, die Flucht mit Waffengewalt zu unterbinden, war die Grenze seit 1961 auf ostdeutscher Seite teilweise vermint und mit Signalzäunen sowie von 1970 bis 1983 mit Selbstschussanlagen ausgestattet, die auf den geräumten Grenzstreifen der DDR hin ausgerichtet waren.
In einem Zusatzprotokoll zum Grundlagenvertrag zwischen BRD und DDR wurde 1972 eine Überprüfung und eindeutige Markierung des Grenzverlaufes vereinbart.
Es existierten 870 km Grenzzaun, dazu auf 440 km Selbstschussanlagen SM-70, 230 km Minenfelder Typ 66, 602 km Kfz-Sperrgräben und 434 Beobachtungstürme. In der DDR wurden Flüchtlinge als „Republikflüchtlinge“ die „abgehauen“ sind diffamiert, deren zurück gelassene Familien Repressionen ausgesetzt waren.
Ein besonderer Abschnitt war die Berliner Mauer, die seit dem 13. August 1961 die drei Westsektoren Berlins von Ost-Berlin und der DDR abschnitt. Ähnliche Mauern aus Betonelementen wurden an der deutsch-deutschen Grenze auch dort errichtet, wo sich auf der DDR-Seite grenznahe Siedlungen befanden, zum Beispiel in Mödlareuth. Ansonsten bestand die innerdeutsche Grenze aus mehreren Metallgitterzäunen mit Signalanlagen, Gräben etc. Nachts wurde der unmittelbare Schutzstreifen beleuchtet.
1983 wurden auf Druck der Bundesregierung die Selbstschussanlagen abgebaut, Erdminen gesprengt (beides gab es nicht an der Berliner Mauer) und Hundelaufanlagen abgebaut, als Gegenleistung für von Franz Josef Strauß vermittelte Milliardenkredite. Auch danach wurden "verdächtige" Reisende oft schon in der bis zu 5 km tiefen Sperrzone und im Hinterland der Grenze von der Volkspolizei, dem zuständigen ABV, Stasi-IM und ca. 3.000 "freiwilligen Helfern der Grenztruppen" dem zuständigen Grenzkommando gemeldet und 90% aller "Grenzverletzer" schon weit vor dem letzten Grenzzaun I abgefangen. Der Zutritt war nur mit einem Passierschein möglich, der nur Anwohnern und in einzelnen Sonderfällen nach sorgfältiger Überprüfung erteilt wurde.
Mit der Öffnung der Grenze (Mauerfall) am 9. November 1989 unter dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz kam es zu einer Entwicklung, der letztlich zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 führte. Damit hörte die innerdeutsche Grenze auf zu bestehen.
Noch heute wird allerdings gerne die "Mauer in den Köpfen" angeführt, wenn es um anhaltende Auseinandersetzungen zwischen Ost- und Westdeutschen geht.
Von der DDR in die Bundesrepublik flüchteten seit 1949 etwa 2 Millionen Menschen, von der Bundesrepublik in die DDR etwa 200.000.
Kosten
Der Bau, ständige Ausbau und die jahrzehntelange Unterhaltung der schwer bewachten Grenze war ein große wirtschaftliche Belastung für die DDR. Baumaterial und etwa 40.000 Mann Grenztruppen – Arbeitskräfte, die keine volkswirtschaftlich produktive Arbeit leisten konnten – wurden dafür gebunden. Von 1961 bis 1964 kostete der Aufbau und Betrieb der Grenze insgesamt 1822 Millionen Mark der DDR, davon entfielen 400 Millionen Mark auf die Berliner Mauer. Die laufenden Kosten wurden insgesamt auf jährlich etwa 500 Millionen Mark geschätzt. Dazu kamen die Passkontrolleinheiten (PKE) des MfS mit etwa 38 Millionen Mark jährlich.
Grenztote
Die deutsch-deutsche Grenze forderte Todesopfer auf beiden Seiten.
| Opfer-Bilanz | |||
|---|---|---|---|
| vor dem 13. August 1961 | seit dem 13. August 1961 | insg. bis 1989 | |
| Berliner Grenze/Mauer | 16 | 239 | 255 |
| innderdeutsche Landesgrenze | 100 | 271 | 371 |
| Ostsee | 15 | 174 | 189 |
| Grenzen v. Bulgarien, CSSR, Polen, Ungarn (nur DDR-Bürger) | 3 | 41 | 44 |
| Sonstige Fluchtwege (Flugzeugentführung, Warenexport, Transitwege) | 0 | 7 | 7 |
| Angehörige des DDR-Grenzdienstes im Einsatz | 11 | 16 | 27 |
| Sowjetische Fahnenflüchtige | 1 | 5 | 6 |
| Flugzeugabschüsse im Grenzgebiet | 14 | 3 | 17 |
| Total: | 160 | 756 | 916 |
Quelle: Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter.
Getötete Flüchtlinge aus der DDR
Einige hundert Menschen starben bei Fluchtversuchen aus der DDR, wobei es sich in den meisten Fällen um Zivilisten handelte. Die genaue Zahl der Opfer ist schwer zu bestimmen. Während die Berliner Staatsanwaltschaft von 270 nachweislichen Todesfällen an der innerdeutschen Grenze einschließlich Berlins infolge eines Gewaltakts der Grenzsicherungskräfte inkl. Minentote und Selbstschussanlagen spricht, hat die Zentrale Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) 421 Verdachtsfälle auf Tötungen durch die bewaffneten Kräfte der DDR registriert. Die Arbeitsgemeinschaft "13. August" veröffentlichte am 12. August 2003 eine Zahl von 1.008 Opfern des DDR-Grenzregimes von 1949 bis 1989, geht dabei aber von einem relativ weiten Opferbegriff aus. In dieser Zahl enthalten sind zum Beispiel auch in der Ostsee ertrunkene Flüchtlinge, Opfer von Unfällen während der Flucht, Selbstmorde nach entdeckter Flucht und auch durch Flüchtlinge erschossene Grenzsoldaten sowie Todesfälle deutscher Flüchtlinge an anderen Grenzen (CSSR, Jugoslawien etc.).
Bekannte Fälle (unvollständig): Peter Fechter, Chris Gueffroy, Günter Litfin
Getötete Westdeutsche
Bekannte Fälle: Michael Gartenschläger
Getötete DDR-Grenzer
Seit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1949 bis bis zu ihrem Ende 1990 fanden insgesamt 28 DDR-Grenzpolizisten und DDR-Grenzsoldaten den Tod (Angaben nach Unterlagen der DDR). Fast alle dieser Grenzer kamen an der deutsch-deutschen Grenze ums Leben, lediglich einer kam an der Grenze zur CSSR um. Der erste „Grenzschützer“ wurde noch vor Gründung der DDR erschossen. Von diesen 29 Toten starben acht an der Berliner Mauer. Die meisten aufgeführten DDR-Grenzer waren Angehörige der Volkspolizei und der Grenztruppen der DDR. Die mutmaßlichen Täter waren, neben aus der DDR fliehenden Zivilisten, auch Westberliner, Westdeutsche sowie US-Soldaten und etwa zur Hälfte desertierende DDR-Grenzer, NVA-Soldaten (z.B. Werner Weinhold) sowie ein Sowjet-Soldat. In der DDR wurden einige der „gefallenen“ DDR-Grenzer zu Helden stilisiert und beispielsweise Straßen, Pionierlager, Kasernen und Schulen nach ihnen benannt. Aus heutiger Sicht ist umstritten, wie sich einige Fälle tatsächlich zugetragen haben oder ob es sich teilweise um Propaganda handelt. Unklar ist ferner, in wie vielen Fällen Notwehr oder sogar "Friendly Fire" vorlag. Eine vollständige Liste ist unter Todesfälle DDR-Grenzer aufgeführt.
Siehe auch
Berliner Grenzübergänge Grünes Band Deutschland
Weblinks
- Aufarbeitungs-Initiative Deutschland: Dokument zu allen bekannten Todesfällen
- Bericht von einer Wanderung im Sommer 2003 entlang der ehemaligen Grenze, mit Bildern
- Dokumentation zu einigen Grenzanlagen und über die Passkontrolle der DDR
- Innerdeutsche Grenze über Schienen
- Beschreibung und Fotos der Grenzanlagen
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