Inselkeltische Sprachen
Als inselkeltische Sprachen werden in der Sprachwissenschaft sämtliche Sprachen zusammengefasst, die auf eine oder mehrere ursprünglich auf den britischen Inseln gesprochene keltische Sprachen zurückgehen. Diese Sprachgruppe wird in zwei Untergruppen eingeteilt:
- Britannische Sprachen
- Nordbritannisch
- Walisisch in Wales mit unter 200.000 Sprechern und zahlreichen Sprechern mit Walisisch als Zweitsprache
- Kumbrisch in Nordengland, im Laufe des Mittelalters ausgestorben, wenige Wörter erhalten (Zahlwörter, Rechtsbegriffe)
- Südbritannisch
- Kornisch in Cornwall, 1777 ausgestorben; schwach wiederbelebt (Neo-Kornisch)
- Bretonisch in der Bretagne, mit unter 100.000 Sprechern
- Nordbritannisch
- Goidelische Sprachen
- West-Goidelisch
- Irisch in Irland mit vielleicht 20.000 bis 50.000 Muttersprachlern und sehr vielen Personen mit Irisch als Zweitsprache
- Ost-Goidelisch
- Schottisch-Gälisch in Nordwest-Schottland mit vielleicht 20.000 Sprechern
- Manx auf der Isle of Man, 1974 ausgestorben; schwach wiederbelebt.
- West-Goidelisch
Die Bezeichnungen Nord- und Südbritannisch bzw. West- und Ost-Goidelisch werden selten verwendet. Ob das Piktische und das Shelta ebenfalls zu den inselkeltischen Sprachen gehören, ist strittig. Das Piktische ist zu schwach belegt, um genau klassifiziert zu werden (einige Punkte sprechen für eine Zugehörigkeit zum Britannischen), und Shelta ist eine Sprache mit Elementen diverser Herkunft.
Um die Zeitenwende wurden höchstwahrscheinlich auf dem gesamten Gebiet der britischen Inseln inselkeltische Sprachen gesprochen (sofern das Piktische dazuzählt). Heute sind alle noch gesprochenen inselkeltischen Sprachen vom Aussterben bedroht und existieren als Mutter- oder Erstsprache nur noch in Randgebieten.
Gemeinsam ist allen inselkeltischen Sprachen die Satzstellung VSO (Verb-Subjekt-Objekt), wobei im Bretonischen sehr häufig andere Satzglieder vorn stehen. Außerdem weisen alle diese Sprachen Anfangsmutationen auf, ein sprachliches Merkmal, das in den festlandkeltischen Sprachen kaum oder nicht systematisch auftritt.
Die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Hauptgruppen:
- In den goidelischen Sprachen herrscht ursprünglich Initialbetonung (auf der ersten Silbe) in allen Dialekten außer im Munster-Irischen bis heute.
- In den britannischen Sprachen herrscht Penultima-Betonung (vorletzte Silbe).
- Nur in den goidelischen Sprachen wird zwischen palatalen und nicht-palatalen Konsonanten unterschieden, diese bilden dort jeweils Phonempaare. Im Manx ist diese Unterscheidung weitgehend aufgehoben.
- Die Anfangsmutationen fallen in den Hauptgruppen (sowie in geringerem Maße in den Einzelsprachen) unterschiedlich aus.
