Intension

Intension (lat. intensio = Spannung) bezeichnet die Betrachtungsweise, die auf den Inhalt, den Sinn eines Gedankens, zum Beispiel eines Begriffes oder eines Urteils beziehungsweise einer Definition, einer Aussage, einer Eigenschaft oder Beziehung gerichtet ist.

In der analytischen Philosophie ist Intension definiert als die Menge aller Eigenschaften die einen Begriff auszeichnen, also die Menge aller Merkmale, die ein Objekt aufweisen muss, damit ihm der entsprechende Begriff zugeordnet wird. Gelegentlich wird der Begriff Designat synonym zu Intension verwendet.

Rudolf Carnap definierte die Intension als eine Funktion I: W \rightarrow E, wobei W die Menge der möglichen Welten und E die Menge der Extensionen ist.

Inhaltsverzeichnis

Zum Verhältnis Umfang, Bedeutung, Extension und Intension beim Begriff

Während man bei formal-logischen Untersuchungen oft vom Inhalt oder Sinn eines Begriffes abstrahiert und sich auf die Betrachtung von dessen Umfang, Bedeutung oder Extension beschränkt, ist für ein allseitiges Verständnis auch die Intension unerlässlich.

Umfang und Inhalt, Extension und Intension bilden eine untrennbare Einheit. Beispielsweise sind die Begriffe gleichseitiges Dreieck und gleichwinkliges Dreieck umfangsgleich, und es ist für die Wahrheit oder Falschheit eines Gedankens oder einer Aussage ohne Belang, ob man darin den einen oder den anderen Begriff verwendet; beide Begriffe können in logischer Hinsicht, wenn es nur um die Wahrheit oder Falschheit von Gedanken oder Aussagen geht, nach Belieben gegeneinander ausgetauscht werden.

Zu den besonderen Bedingungen der Umfangsgleichheit

Für das richtige Verständnis eines Gedankens oder eine Aussage ist es dagegen oft sehr wichtig, ob man die Gleichseitigkeit oder die Gleichwinkligkeit besonders hervorhebt. Auch muss unbedingt beachtet werden, dass die Feststellung einer Umfangsgleichheit oft tiefergehende Erkenntnisse aus dem jeweiligen Wissensgebiet voraussetzt, im betrachteten Beispiel die Kenntnis des Satzes der Elementargeometrie "ein beliebiges Dreieck ist genau dann gleichseitig, wenn es gleichwinklig ist" (Einschränkung für "beliebig": diese Beziehung gilt nur in der Geometrie der euklidischen Ebene) und nur die Person, die über das entsprechende Wissen verfügt, kann und darf die entsprechende Ersetzung überhaupt vornehmen.

Insbesondere bei Sprachübersetzungen kommt es darauf an, die Intension eines zu übersetzenden Textes richtig zu erfassen. Eine sprachlich freie, aber intensional einwandfreie Übersetzung ist stets besser als eine "Wort-für-Wort-Übersetzung", die zwar dem Umfang nach korrekt ist, aber den Inhalt inkorrekt darstellt. Die hierbei bestehenden Probleme werden klar, wenn man einmal in einem Lexikon die für jedes einzelne Wort vorhandene Breite von Gegenwörtern in einer beliebigen anderen Sprache betrachtet.

Zu den Schranken der Intensionalität bei Sprachtransformationenn

Die Texte aus Spezialgebieten können in der Regel nur von Fachkräften intensional korrekt übersetzt werden, und auch in der Belletristik sind qualitativ hochwertige Übersetzungen oft echte schöpferische Leistungen. Die präzise Wiedergabe des Sinnes, der Intension eines Textes ist bislang noch immer die Hauptschranke bei der umfassenden Verwendung von Computerprogrammen bei der Sprachübersetzung natürlicher Umgangssprachen außerhalb sehr eng begrenzter Fachgebiete mit einer standardisierten Terminologie.

Der unterschiedliche Sinn, der einen Begriff oft unterlegt werden kann, ist letztlich Ausdruck für eine gewisse Unschärfe oder Verschwommenheit der Begriffe beziehungsweise der Vorstellungen, die der Einzelne mit einem Begriff verbindet. So kann man zum Beispiel mit dem Begriff Dreieck, wie es zunächst der Name ausdrückt, die Vorstellung von drei nicht auf einer Geraden gelegenen Punkten A,B,C verbinden.

Zur Intensionalität: das Beispiel im Begriff "Dreieck"

Wer sich aber auch nur ein wenig mit Geometrie beschäftigt hat, wird mit diesem Begriff zugleich auch die Vorstellung von drei Seiten, drei Winkeln, vielleicht drei Höhen, drei Winkelhalbierenden, drei Seitenhalbierenden, von der Dreiecksfläche, dem Inhalt dieser Fläche und vieles andere mehr verbinden.

Für viele Bereiche des täglichen Lebens ist diese Vielfalt der Auffassungen ohne Belang, aber natürlich gibt es auch Fälle, in denen eine genaue Abgrenzung des Begriffes Dreieck erforderlich ist.

Wenn beispielsweise ein Lehrer seine Schüler beauftragt, ein Dreieck zu zeichnen, so muss er ihnen entweder genaue Angaben geben, was er erwartet, oder er muss zulassen, dass ihm ein Teil der Schüler drei Punkte, ein anderer Teil wechselseitig durch Strecken verbundene Punkte, ein weiterer Teil eine farbig ausgemalte Dreiecksfläche präsentiert und vielleicht einige Schüler sogar behaupten, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen (ein Fall von unvollständiger Auffassung mangels hinreichender Assoziation von intensionalen Begriffsinhalten und daraus folgenden funktionalen Handlungsmöglichkeiten).

Zur technischen Anwendung unscharfer Bestimmungen: die Fuzzy-Logik

Es gibt in letzter Zeit eine ganze Reihe von unterschiedlichen Versuchen, mit Hilfsmitteln der mathematischen Logik auch das Operieren mit intensionalen und unscharfen Aussagen, Eigenschaften und Relationen zu beschreiben (siehe Fuzzy-Logik).

Es gibt auch Vorstellungen über Anwendungen einer intensionalen Logik der Probleme der Analyse und Synthese von Schaltungen aus Schaltelementen, die mit einer gewissen Unbestimmtheit arbeiten, insbesondere im Hinblick auf das Problem, aus unscharf arbeitenden Schaltelementen exakt arbeitende Schaltungen zu erzeugen.

siehe auch: Begriffsinhalt, Begriffsumfang, Begriffsbestimmung, Fehler in der Begriffsbestimmung, Regeln zur Begiffsbestimmung, Einteilung des Begriffsumfang, Extensionalitätsprinzip, Paradoxien der Namentheorie

See also: Intension, Analytische Philosophie, Begriff, Begriffsbestimmung, Begriffsinhalt, Begriffsumfang, Designat, Eigenschaft, Extension, Extensionalitätsprinzip