Interdependenz
Bei zwischenmenschlichen Beziehungen
nach Paul Watzlawick
Von Interdependenz in einer Beziehungsform redet man dann, wenn das Verhalten eines Partners das des anderen bedingt und umgekehrt.
„Jedermann weiß, was es bedeutet, wenn ein Ding, von einem anderen abhängt. Wenn aber dieses andere, zweite Ding im selben Maße vom ersten abhängt, so nennt man diese Beziehungsform interdependent.“
In seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ versucht Paul Watzlawick seine Definition durch das Gefangenendilemma zu verdeutlichen.
Menschliche Situationen, die die Struktur des Gefangenendilemmas aufweisen, treten überall dort auf, wo Menschen sich in einem Zustand der Desinformation befinden, aber eine gemeinsame Entscheidung treffen müssen, wobei ihnen die Möglichkeit zur direkten Kommunikation fehlt.
Es gibt zwei Gründe dafür:
- Mangel an gegenseitigem Vertrauen
- physische Unmöglichkeit zu kommunizieren
In wirklichen Lebenslagen reicht das Fehlen einer dieser Faktoren, um dieses Dilemma herbeizuführen.
Interdependente Entscheidungen haben nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie auf der Basis einer von beiden Partnern geteilten Wirklichkeitsauffassung beruhen, deren minimale Übereinkunft darin besteht, die Wirklichkeit nicht in einer zeitlich-kausalen Weise zu sehen. Das ist nur in raum- und zeitbegrenzten Abläufen möglich.
In der Politik
Die Interdependenztheorie spielt in der Politikwissenschaft eine große Rolle.
Jeden Tag verlässt man sich auf viele Menschen, die rund um den Globus verteilt sind. Obwohl unbekannt, beliefern sie uns mit allen wünschenswerten Gütern. Dieses Zusammenspiel ist nur möglich, weil alle miteinander in einer Handlungsbeziehung stehen, die man als Interdependenz bezeichnet. Die Waren- oder Dienstleistungsversorger werden weder von einer Regierung dazu veranlasst, noch sind sie großzügige Spender. Sie handeln nur so weil sie dafür etwas bekommen. Es bedarf eines Koordinationssystems der wirtschaftlichen Prozesse, das dies aufeinander abstimmt.
