Iodmangel

Iodmangel entsteht, wenn der Körper über die Nahrung oder das Trinkwasser zu wenig des Spurenelements Iod aufnimmt. Iod wird nahezu ausschließlich zum Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt; ein Erwachsener benötigt täglich mindestens ca. 150 µg. Die Schilddrüse kann bei guter Versorgung 10 mg Iod bevorraten, das entspricht dem Iodbedarf für drei Monate. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zur Sicherheit höhere Tagesdosen (Stand: 2005):

Die Schilddrüse kann etwa 40 % des verzehrten Iods aus dem Blut aufnehmen und anreichern. Der Rest wird über die Nieren ausgeschieden. Die Iodmenge, die täglich über den Urin ausgeschieden wird, ist ein gutes Maß für die Iodversorgung des Organismus. Der Meßwert der täglichen Iodausscheidung wird auf Kreatinin bezogen, ein Stoffwechsel-Abfallprodukt, welches ebenfalls über den Urin ausgeschieden wird; so kann man einen altersunabhängigen Paramenter erhalten. Der Sollwert beträgt nach Empfehlung der DGE 150 µg/g Kreatinin.

Die WHO teilt den Iodmangel folgendermaßen ein:

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

In Mitteleuropa liegt fast immer ein sogenannter alimentärer Iodmangel vor, weil die landwirtschaftlich genützten Böden dort vergleichsweise wenig Iodid (Salzverbindungen des Iods) enthalten. Dies gilt besonders für die ehemaligen Gletscherregionen nahe der Alpen; doch sind selbst die Böden der Küstenebenen (Dänemark, Niederlande) iodarm. Die individuelle Versorgung hängt damit nur bedingt von den Ernährungsgewohnheiten der Menschen ab. Nur bei intensiver Nutzung von Meeresfrüchten, Meeresalgen und Fisch genügt der natürliche Iodgehalt. Beispielhaft enthalten 100 g verschiedener Nahrungsmittel ungefähr folgende Iodmengen: Schellfisch roh 240 µg, Schellfisch gekocht 70 µg, frischer Hering 60 µg, Bismarckhering 6 µg, Milch 7 µg, Fleisch 3 µg, Brot 6 µg, Kartoffeln 4 µg, Gemüse 10 µg.

Hierzu gibt es auch eine abweichende Auffassung: Warum sollte ausgerechnet Jod durch welche Ursache auch immer alleine ausgeschwemmt worden sein? Andere Elemente sind davon nicht betroffen, warum also gerade Jod? Sollte das dennoch der Fall sein: Kann ein Jodmangel durch eine heutige Ernährung noch entstehen? Unsere Nahrung kommt aus allen Teilen der Welt in die Lebensmittelläden und da soll der Jodmangel ja nicht oder nicht so schlimm sein.

Zur Empfehlung der intensiven Nutzung von Meeresfrüchten: Der Jodgehalt von Nori-Algen ist z.B. so hoch, dass auf der Packung steht, dass man nicht so viel davon essen soll. Diese Nori-Algen werden bei der Herstellung von Sushi verwendet (so genannte Maki oder auch "Röllchen"). Schon mancher hat sich nach einem abendlichen Sushi-Essen gewundert, warum man danach nicht einschlafen konnte.

Es gilt also auch hier, dass eine allgemein anerkannte Behauptung (hier der Jodmangel) nicht immer wahr sein muss. Prominentes Beispiel ist der Eisengehalt von Spinat, da hatte man sich einfach verrechnet und alle anderen haben das nur abgeschrieben. Bis es dann einmal nachgemessen wurde.

Symptome

Geringer Iodmangel verursacht zunächst keine Symptome. Der über Jahrzehnte beständige Wachstumsreiz auf das Schilddrüsengewebe kann einen Kropf verursachen, Schilddrüsenknoten oder krankhaft erhöhte Hormonproduktion. Ausgeprägter Iodmangel bedingt eine Unterproduktion von Schilddrüsenhormon (s. dort). Bei Schwangerschaften mangelversorgter Mütter drohen Fehlgeburten und kindliche Mißbildungen. Kleinkinder zeigen unbehandelt schwere bis schwerste Entwicklungsstörungen (Kretinismus).

Situation in Deutschland

Zahlreiche epidemiologische Arbeiten der letzten Jahrzehnte belegen den alimentären Iodmangel in Deutschland. Die größte Studie (ca. 6000 Personen) wurde von Hampel et al. 1993-1994 erhoben und 1995 vorgelegt. Die durchschnittliche Urin-Iodausscheidung betrug 72 µg Iod pro g Kreatinin. Nur 9 % der Probanden war ausreichend (> 150 µg/g) mit Iod versorgt. 17 % hatten einen Iodmangel Grad 0 (WHO), 25 % Grad I, 17 % Grad II und 2 % Grad III. Bewohner der Küstenregionen hatten keine höhere Iodausscheidung als die Einwohner der Mittelgebirge und des Voralpenlandes.

Auch hier gibt es abweichende Meinungen. Zum Einstieg kann man u.a. die Literatur von Dr. Max Otto Bruker verwenden.

Die abweichende Meinung in diesem Artikel soll dazu beitragen, sich selbst ein Bild von dieser Sache zu machen. Auch eine Enzyklopädie ist nicht unfehlbar und Wissen entwickelt sich fort. Diese Forschung lohnt sich aber gerade für alle Patienten, bei denen Schilddrüsenprobleme vorliegen sollen.

Vorbeugung

Bereits im alten China empfahlen Ärzte den Verzehr von Meeresalgen und Schwämme. In Meersalz ist entgegen der geläufigen Vorstellung kaum Iod enthalten. Seit dem 19. Jahrhundert ist reines Iodid verfügbar. In Fleischereiwaren, Milchprodukten, Fertiggerichten, Kantinenessen und handelsüblichem Kochsalz wird es zur Verbesserung der Jodversorgung auf freiwilliger Basis zugesetzt. Iodsalz enthält in Deutschland 20 µg Iod pro g Salz in Form von Kaliumiodat; in der Schweiz liegt die Konzentration höher. Die haushaltsübliche Iodsalzmenge erhöht die Iodversorgung der Familienmitglieder um ca. 20 µg täglich, hinzu kommt das Iod in Fertignahrungsmitteln.

Eine gesetzlich vorgeschriebene Iodprophylaxe gibt es in der Schweiz, in Österreich, den USA sowie bis zur Wiedervereinigung in der DDR. Im vereinigten Deutschland setzt der Gesetzgeber auf Freiwilligkeit. Durch die Aufklärung der Bevölkerung und die zunehmende Verwendung von Iod-angereichertem Speisesalz in Haushalten (80 %), Großküchen und Nahrungsmittelindustrie (50 %) hat sich die Iodausscheidung nach neueren Studien deutlich verbessert, vor allem bei Kindern. Flächendeckende Daten liegen noch nicht vor, doch ist wegen der Freiwilligkeit dieser Maßnahmen mit hoher regionalen und individuellen Schwankungen zu rechnen. Auch die neuesten Studien zeigen immer noch einen hohen Prozentsatz von unterversorgten Personen. Die Messungen von Hampel et al. 2001 an 3000 Schulkindern aus 128 Städten in Deutschland ergaben z.B. eine mittlere Iodausscheidung von 148 µg/g, jedoch hatten 27 % noch immer einen Iodmangel Grad I oder schlechter.

In Gebieten, in denen einen Salzjodierung nicht möglich ist, kann im Ein- oder Zweijahresrythmus mit einer mit Iod angereicherte Ölkapsel supplementiert werden. Dies ist meist in Entlwicklungsländern der Fall, wenn die Salzversorgung dezentralisiert ist, oder die Salzgewinnung privat erfolgt

Nach Vorgabe der WHO sollten alle 3-5 Jahre flächendeckende Daten zur Iodversorgung der Schulkinder erhoben werden. Dies ist bislang in Deutschland kein einziges Mal erfolgt.

Probleme

Daten aus den Ländern mit gesetzlich erzwungener Salziodierung zeigen, dass es während der ersten Jahre nach der Einführung vermehrt zu bestimmten Schilddrüsenentzündungen und entzündungsbedingter Schilddüsenüberfunktion (Morbus Basedow) kommt. Nach ca. 20 Jahren normalisiert sich die Rate wieder. Eine optimale Prophylaxe sollte deshalb bedarfsgerecht, d.h. unter Vermeidung eines Überangebots, erfolgen und sorgfältig epidemiologisch überwacht werden. Patienten mit solchen Erkrankungen sollten frühzeitig identifiziert und behandelt werden.

Auch hier soll auf die abweichende Meinung in der Literatur, u.a. Dr. Max Otto Bruker, verwiesen werden. Eine Überversorgung der gesamten Bevölkerung mit Jod kann auch andere Folgen haben, als die weitläufig genannte Normalisierung nach 20 Jahren. Das betrifft dan zumeist Patienten, deren Probleme nicht durch die so genannten "anerkannten" Therapien gelöst werden. Das lässt leider auch Fragen offen, die man hier vielleicht beantwortet haben wollte. Man kann es aber auch so sehen, dass man sich dann einmal mit dem Thema und seiner Gesundheit beschäftigt.

Weblinks


Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

See also: Iodmangel, 1995, 2001, 2005, Algen, Alpen, Blut, China, Deutsche Demokratische Republik