Ippon
Ippon (一本) ist ein japanischer Ausdruck für 'Eins'. Es ist eine Besonderheit der japanischen Sprache, dass Zählworter mit einem Zählersuffix verändert werden können, das von der Form des gezählten Objekts abhängt. Hon/Bon/Pon ist ein Zählersuffix für längliche Dinge, zum Beispiel Flaschen, Finger oder Stifte. 一 (Ichi) und 本 (Hon) werden also zu 一本 (Ippon) zusammengezogen. Was nun genau mit Ippon gemeint ist, hängt vom Zusammenhang ab. Mögliche Bedeutungen sind:
- Ippon. (Judo, Karate und Kendō) Ein Punkt bzw. Treffer im Wettkampf. Trifft eine Technik im Wettkampf Ihr Ziel, wird im Karate zwischen einem Ippon - einem ganzen Punkt und einem Waza’ari (技有り), einem halben Punkt unterschieden. Ob eine Technik als Ippon oder Waza’ari gewertet wird, hängt in erster Linie von der Schlagkraft, der getroffenen Körperstelle und von der Reaktion des Gegners ab.
- Ippon-Nukite. (Karate) Ein-Finger-Stoß. Kommt in der Kata Unsu vor.
- Ippon-Kumite. (Karate) Kumite-Form, bestehend aus einem Angriff und einem Gegenangriff.
Der Wettkampf wurde in den 50er Jahren von Nakayama Masatoshi, einem Schüler Funakoshis, gegründet. Der traditionelle Wettkampf wird in der Philosophie des Shōbu-Ippon (勝負一本) ausgetragen und symbolisiert „Ikken-hissatsu“ (一拳必殺). Das bedeutet, den Gegner mit einem Schlag zu töten. Gemeint ist, dass derjenige gewinnt, der sozusagen die erste Technik „plaziert“. Die Technik muß also kurz vor der Trefferfläche „arretiert“, also abgestoppt werden. Das erfordert nicht nur ein gutes Auge! Bis in die 80er Jahre hinein war dies die verbreiteste Form des Freikampfes, ist jedoch anderen Systemen gewichen.
Eine Technik, die alle Wertungskriterien erfüllt, wird also mit einem Ippon, einem vollen Punkt, bewertet und der Kampf ist beendet, was schon nach einer Sekunde der Fall sein kann. Das ist die zentrale Philosophie des Budo und des Zen.
