Irnerius

Irnerius (* um 1050; † um 1130) war Begründer der berühmten Glossatorenschule in Bologna, die einen wesentlichen Teil zur Bewahrung römischer Rechtstexte und insbesondere zur wissenschaftlichen Bearbeitung des römischen Rechts beitrug.

Mit der Wiederentdeckung der sog. Littera Florentina, die der Legende zufolge durch die Pisaner bei der Plünderung von Amalfi gestohlen und später von den Florentinern abgejagt wurde, war es den Gelehrten der Zeit möglich, Einblicke in Methode und Rechtspraxis des klassischen römischen Rechts zu nehmen. Die Littera Florentina stellt einen Teil des Corpus iuris civilis dar, die Digesten, und wurde unter Auslassung sämtlicher älterer Kommentierungen/ Legaturen erneut abgeschrieben (littera vulgata/bologniensis).

Irnerius war der erste, der diese mit eigenen Kommentierungen (Glossen) in großem Umfang versah. Er lehrte an der Universität von Bologna als magister artium. Irnerius und seine Schüler versuchten, den gewaltigen Rechtsstoff des Corpus iuris civilis mit den Methoden der Bibelexegese und der scholastischen Philosophie zu erschließen. Zur ersten Generation von Schülern des Irnerius gehören die vier dottores Bulgarus, Martinus, Jacobus und Hugo, die Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Reichstag in Roncallia berieten (siehe auch Rezeption des römischen Rechts). Weitere bedeutende Glossatoren waren Azo und Accursius (glossa ordinaria od. Accursische Glosse 1250). Ihnen folgten die Postglossatoren (consiliatores), unter ihnen Baldus de Ubaldis und Bartolus de Saxoferrato.

siehe auch: Rechtsgeschichte

Personendaten
Irnerius
Begründer der berühmten Glossatorenschule in Bologna
um 1050
um 1130

See also: Irnerius, Accursius, Amalfi, Baldus de Ubaldis, Bartolus de Saxoferrato, Bologna, Corpus iuris civilis, Friedrich I. (HRR), Glossator