Irrealis
Irrealis ist ein Begriff aus der Grammatik, der ein Konditionalgefüge (Bedingungsgefüge) als unerfüllbar beschreibt. Entweder weil es der Sprecher bzw. Schreiber nicht für möglich hält (Irrealis der Gegenwart) oder das Ereignis in der Vergangenheit liegt und dementsprechend nicht mehr erfüllt werden kann (Irrealis der Vergangenheit).
Im Deutschen drückt man den Irrealis der Gegenwart mit dem Konjunktiv II aus und den der Vergangenheit mit dem Konjunktiv II des Perfekts bzw. Plusquamperfekts. Beispiele:
Wenn ich reich wäre, böten sich mir mehr Möglichkeiten. (Irrealis der Gegenwart)
Wenn ich zur Stelle gewesen wäre, hätte ich sie retten können. (Irrealis der Vergangenheit)
Irrealis der Gegenwart und Vergangenheit können sich in Haupt- und Nebensatz durchaus abwechseln:
Wenn ich gelernt hätte (Irrealis der Vergangenheit), säße ich nun nicht ahnungslos herum. (Irrealis der Gegenwart)
Ein scheinbar einzeln stehender Konditionalsatz kann ein wünschender Ausruf sein:
Oh, wenn meine Freundin doch hier wäre! (Irrealis der Gegenwart)
In anderen Sprachen drückt man den Irrealis manchmal wie im Deutschen aus - so zum Beispiel in der lateinischen (wenn man davon absieht, dass das Lateinische nicht zwischen Konjunktiv I und II unterscheidet, sondern einen Konjunktiv nahezu aller Tempora kennt). Das Englische hingegen kennt beispielsweise keinen richtigen Konjunktiv, weshalb man auf "conditional I" (would + Infinitiv) und "conditional II" (would have + past participle) zurückgreifen muss.
