Isländische Literatur des Mittelalters
In der mittelalterlichen Literatur Europas nimmt Island eine herausragende Stellung ein und dies ist auch mit der Grund, wieso sich die isländische Kultur immer wieder über die Literatur definiert hat.
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Die Anfänge
Auch in Island hatte allerdings zunächst die mündliche Überlieferung der alten Götter- und Heldensagen Vorrang. Doch nach der allgemeinen - wenn auch nicht ganz freiwilligen - Übernahme des Christentums um das Jahr 1000 begannen Isländer selbst Bücher zu verfassen. Kirchliche Institutionen, vor allem die Bischofssitze in Skálholt und Hólar sowie die Klosterschulen wurden wie im übrigen Europa auch zu Zentren der Bildung. Zunächst schrieb man allerdings noch in lateinischer Sprache. So hat der Gelehrte Saemundur Sigfusson eine Geschichte der norwegischen Könige auf Latein verfasst.
Als erstes bekanntes isländisches Schriftzeugnis gilt die Gesetzessammlung Grágas aus dem Jahre 1118. Der bekannteste Schriftsteller dieser Zeit war Ari Thorgilsson (1067-1148). Er verfasste eine Geschichte der Isländer von der Landnahme bis in seine Zeit, das Íslendingabók. Besondere Berühmtheit erlangte allerdings das Landnámabók . In ihm werden die Geschichte der Landnahme und die Verwandtschaftsbeziehungen von über 400 beteiligten Personen dargestellt. Der Autor oder die Autoren sind uns nicht überliefert. Die drei erhaltenen Fassungen stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Sagas und Skaldik
"Saga" im Isländischen bedeutet "Geschichte" - nicht etwa "Sage". Die Sagas sind ein Vorläufer der heutigen Literaturgattung "Roman". Es gibt zwei Hauptgruppen dieser isländischen Sagas: Die Königssagas und die Isländersagas.
Die Königssagas
In den Königssagas wird vor allem das Leben der norwegischen Könige beschrieben. Der berühmteste dieser Texte, die Heimskringla, stammt von dem herausragenden Autor Snorri Sturluson (1178-1241), der sie zu Beginn des 13. Jahrhunderts verfasste. Der Name ist aus den ersten Worten der Saga "Kringla heimsins ..." (= der Erdkreis) gebildet.
Die älteste Königssaga ist Ágrip aus dem Ende des 12. Jh. Außerdem gibt es die anonyme Fagrskinna und die Morkinskinna, die aber späteren Datums sind. Die ältere Morkinskinna setzt erst mit dem Jahr 1035 ein, während die Heimskringla bei den alten Uppsalakönigen, nahe der Zeit um Christi Geburt beginnt und bei der Schlacht von Re (1177) endet. Zum Quellenwert siehe Sagakritik.
Die Isländersagas
Die Isländersagas sind Geschichten, die zwischen 1200 und 1350 entstanden. Ihre Autoren bleiben anonym.
Sie handeln von Männern und Frauen der wohlhabenden Oberschicht des frisch besiedelten Islands zwischen ca. 930 - 1030 und erzählen u.a. von Fehden um Ehre und Land. Der Stil bemüht sich um sachliche Darstellung weitgehend ohne fantastische Elemente, an Höhepunkten sind Dialoge eingebaut.
Das umfangreichste dieser Werke ist die Brennu Njáls saga um den klugen Njáll und seinem Freund Gunnar von Hlídarendi. In der Laxdaela-Saga steht eine Frau, Guðrún Ósvífursdóttir, zwischen zwei Männern, Kjartan und seinem Freund Bolli. Manche Sagas stellen Geächtete in den Mittelpunkt, so die Grettis-Saga. Der Held der Egils-Saga, die bezeichnenderweise vermutlich von Snorri Sturluson verfasst wurde, ist wie dieser eine Mischung aus Dichter und Machtpolitiker.
Die Edda
Der Begriff ist doppeldeutig, denn er bezieht sich einerseits auf die sog. Lieder-Edda (auch ältere Edda), eine Sammlung von Götter- und Heldensagen in Form von Epen, darunter die der schönen Brunhild, die später im Nibelungenlied auftaucht.
Andererseits ist damit auch die Prosa-Edda (auch jüngere Edda) des Snorri Sturluson gemeint. Dieses Epos hat drei Teile: eine Einführung in die germanische Götterwelt sowie zwei poetologische Teile, in denen die Dichtkunst der Skaldik erklärt wird. Die Skalden waren umherziehende Dichter, die in kunstvoller Form mit Reimen und standardisierten Metaphern, Heldenlieder vortrugen.
Literatur
Nachschlagewerke
- Jan de Vries: Altnordisches etymologisches Wörterbuch" Leiden, Brill, Reprint 1977 (1. Aufl. 1957/60)
- Simek, Rudolf / Pálsson, Hermann: Lexikon der altnordischen Litheratur Stuttgart, Alfred Körner Verlag, 1987, ISBN 3520490013
- Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie Stuttgart, Alfred Körner Verlag, 1984, ISBN 3520368013
Saga-Ausgaben
Die Reihe: Saga, Bibliothek der altnordischen Literatur, herausgegeben von Kurt Schier, München, Diederichs Verlag Diese Reihe umfaßt 8 Bände:
- Isländische Antikensagas, Bd. 1, München, Diederichs, 1996 ISBN 3424012610
- Isländische Vorzeitsagas, Bd. 1, München, Diederichs, 1997 ISBN 3424013757
- Isländische Märchensagas, Bd. 1, München, Diederichs, 1998 ISBN 3424013595
- Egils Saga, München, Diederichs, 1996, ISBN 3424012629
- Laxdaela Saga, Die Saga von den Leuten aus dem Laxardal, München, Diederichs, 1997, ISBN 3424012645
- Grettis Saga, München, Diederichs, 1998 ISBN 3424014257
- Die Saga von den Leuten auf Eyr (Eyrbyggja Saga), München, Diederichs, 1999 ISBN 342401480X
- Sagas aus Ostisland, Kreuzlingen/München, Hugendubel (Diederichs), 1999 ISBN 3424015024
Siehe auch
Weblinks
!Isländische Literatur des Mittelalters
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