Isokrates

Isokrates (* 436 v. Chr. in Athen; † 338 v. Chr.) war antiker Rhetoriker und Schriftsteller.

Isokrates genoss den Unterricht der angesehensten Sophisten jener Zeit, wie Gorgias, Prodikos u.a., und stand auch mit Sokrates in Verkehr, ohne jedoch zu seinen eigentlichen Schülern zu gehören. Sein Vater, der früher wohlhabende Besitzer einer Flötenfabrik war, verlor währenddessen sein ganzes Vermögen.

Schwache Stimme und Schüchternheit hinderten Isokrates am öffentlichen Auftreten. Daher beschäftigte er sich nach dem Sturz der dreißig Tyrannen anfangs als Logograph mit dem Abfassen gerichtlicher Reden für andere.

Um 392 v. Chr. eröffnete er in Athen eine Rhetorikschule, die ihm bedeutende Reichtümer einbrachte. Zu seinen Schülern, deren Zahl auf 100 angegeben wird, gehörten die Redner Isaios, Hypereides und Lykurg sowie die Geschichtschreiber Theopompos und Ephoros.

Vom politischen Leben hielt er sich fern; doch suchte er auf die politischen Verhältnisse Athens wie ganz Griechenlands durch eine Reihe von Kunstreden, die nur zur Lektüre bestimmt waren, einzuwirken. So zuerst in dem hochgefeierten Panegyrikos, einer Art Festrede, die er 380 v. Chr. nach 10-15jähriger Arbeit veröffentlichte; sie sollte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Kampfes aller Griechen gegen die Perser unter Athens Hegemonie zeigen.

Im Areopagitikos (355 v. Chr.) empfahl er seinen Mitbürgern die Wiederherstellung der Solonischen Verfassung zum Zweck einer Wiedergeburt Athens. Weitere Reden sind Peri Eirenes (355 v. Chr.), Archidamos (366 v. Chr.) und Peri Antidoseos (353 v. Chr.).

Noch im 98. Lebensjahr vollendete er den Panathenaikos, eine Lobrede auf Athen, nicht lange bevor er sein Leben wenige Tage nach der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. durch freiwilligen Hungertod beendete, angeblich aus Schmerz über den Sturz der griechischen Freiheit.

Das Altertum kannte unter seinem Namen 60 Reden, von denen jedoch nur die kleinere Hälfte für echt galt. Uns sind, außer zehn jedenfalls untergeschobenen Briefen, 21 Reden erhalten, bis auf sechs für andere geschriebene Gerichtsreden gehören alle der epideiktischen Gattung (bei festlichen Anlässen gehaltene Reden) an.

Isokrates erscheint in den Reden als vollendeter Rhetoriker. Er ist weniger durch Tiefe der Gedanken ausgezeichnet als durch die sorgfältige Auswahl der im reinsten Attizismus gehaltenen Ausdrücke, die rhythmische Abrundung des Periodenbaues, die geschickte Anwendung der Figuren und aller Mittel, welche die Rede wohlklingend machen.

Literatur


90px Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Der Wissensstand von damals kann inzwischen überholt sein. Wenn du der Meinung bist, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, dann kann dieser Hinweis aus dem Artikel entfernt werden.
Personendaten
Isokrates
attischer Redner
436 v. Chr.
Athen
338 v. Chr.
Athen

See also: Isokrates, 338 v. Chr., 353 v. Chr., 355 v. Chr., 366 v. Chr., 380 v. Chr., 392 v. Chr., 436 v. Chr.