Jagdhunde (Sternbild)

Daten des Sternbildes Jagdhunde
Deutscher Name Jagdhunde
Lateinischer Name Canis Venatici
Lateinische Abkürzung CVn
Lage auf Himmelsäquator
Rektaszension 12h 06m bis 14h 08m
Deklination +52° 25´ bis -+27° 50´
Fläche 465 Quadratgrad
Rang
Sichtbar auf Breitengraden 90° n. Br. bis 38° s. Br.
Beobachtungszeitraum
für Deutschland
Frühjahr
Anzahl der Sterne mit
Größe < 3m
1
Hellster Stern,
Größe
Cor Caroli (Chara)
(α Canum Venaticorum),
2,8m
Meteorströme
Nachbarsternbilder
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Großer Bär

Haar der Berenike
Bootes

300px|Karte des Sternbildes Jagdhunde
thumb|none|300px|Stich des Sternbildes Jagdhunde

Die Jagdhunde (Canis Venatici) sind ein wenig ausgedehntes Sternbild des Frühjahrshimmels.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Jagdhunde liegen unterhalb der Deichsel des Großen Bären. Sie werden durch die Sterne α (Cor Caroli) und β Canum Venaticorum gebildet. Cor Caroli ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 2,8m auffallend hell.

In den Jagdhunden befinden sich mehrere Galaxien und ein Kugelsternhaufen, die in den Messierkatalog aufgenommen wurden.

Geschichte

Die Jagdhunde waren in der Antike kein eigenes Sternbild, sondern wurden dem Großen Bären zugerechnet. Auf alten Abbildungen werden die Sterne α und β als die Jagdhunde Chara (Freude) und Asterion (der Sternreiche) des Bärenhüters dargestellt.

Als eigenständiges Sternbild wurden die Jagdhunde erst ab 1690 durch den Himmelsatlas von Johannes Hevelius eingeführt.

Himmelsobjekte

Benannte Sterne

Stern Namen Größe
α CVn Cor Caroli (Chara) 2,8m
β CVn Asterion 4,3m

α Canum Venaticorum ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 2,8m der hellste Stern in den Jagdhunden. Er trägt neben dem Namen Chara noch die Bezeichnung Cor Caroli (lat. Herz des Karl) zum Gedenken an den englischen König Karl I., der im Jahre 1649 hingerichtet wurde. Als sein Sohn Karl II. 1660 den Thron bestieg und damit die Dynastie der Stuarts fortsetzte, soll der Stern besonders hell geleuchtet haben. Der englische Kartograph Francis Lamb stellte den Stern 1673 auf einer Sternkarte als gekröntes Herz dar und nannte ihn Cor Caroli Regis Martyris. α CVn ist 120 Lichtjahre entfernt und gehört der Spektralklasse A1 an. Er ist darüber hinaus ein Doppelstern (s.u.).

β Canum Venaticorum besitzt eine scheinbare Helligkeit von 4,3m. Er ist nur 30 Lichtjahre entfernt und gehört der Spektralklasse G0 an.

Doppelsterne

Objekt Größen Abstand
α CVn 2,9m/5,6m 19,4"
17 CVn 5,9m/6,2m/6,3m 79/278"
25 CVn 5,0m/6,9m 1,8"

α Canum Venaticorum ist ein optischer Doppelstern, d.h., hier sind zwei Sterne nicht durch die Schwerkraft miteinander verbunden, sondern stehen lediglich von der Erde aus gesehen nah beieinander. Der hellere Stern α1 CVn ist 120 Lichtjahre von der Erde entfernt, besitzt eine scheinbare Helligkeit von 2,9m und gehört der Spektralklassen A0 an. Er ist darüber hinaus ein veränderlicher Stern (s.u.).

Der weiter entferntere Stern α2 CVn besitzt eine Helligkeit von 5,5m und gehört zur Spektralklasse F0 an. α2 CVn ist ein spektroskopischer Doppelstern, d.h., er wird von einem Begleiter in einem so engen Abstand umkreist, dass die Sterne optisch nicht aufgelöst werden können und die Anwesenheit des Begleitsterns lediglich durch Verschiebungen des Spektrums festgestellt werden kann.

17 CVn ist ein Dreifachsystem in 400 Lichtjahren Entfernung. Es besteht aus etwa drei gleichgroßen Sternen mit den Helligkeiten 5,9 und 6,2 und 6,3 die den Spektralklassen F0, B9 und B7 angehören. Das System kann bereits mit einem kleinerem Teleskop in Einzelsterne aufgelöst werden.

25 CVn ist 200 Lichtjahre entfernt. Die beiden Komponenten sind 5,0 und 6,9 m hell und gehören den Spektralklassen A7 bzw. F0 an.

Veränderliche Sterne

Objekt Größe Periode Typ
α1 CVn 2,84m bis 2,94m 5,5 Tage Veränderlicher Stern
Y CVn 5,5m bis 6,0m ca. 157 Tage halbregelmäßig Veränderlicher

α1 CVn ist ein veränderlicher Stern, dessen Helligkeit mit einer Periode von rund fünfeinhalb Tagen zwischen 2,84m und 2,94m schwankt. Er ist der Prototyp der Canum-Venaticorum-Veränderlichen, Sterne, deren charakteristisches Merkmal starke Magnetfeldschwankungen sind.

Y CVn (auch als La Superba bezeichnet) ist ein halbregelmäßig veränderlicher Stern, dessen Helligkeit sich mit einer Periode von etwa 157 Tagen zwischen 5,5m und 6,0m ändert. Er gehört der Spektralklasse C6 an und ist ein rötlicher Stern mit einem hohen Gehalt an Kohlenstoff in der äußeren Hülle.

Messier- und NGC-Objekte

Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name
3 5272 6,5m Kugelsternhaufen
51 5194 8,5m Galaxie Whirlpool-Galaxie
63 5055 9,0m Galaxie
94 4736 8,5m Galaxie
106 4258 8,5m Galaxie
4244 10,5m Galaxie
4449 9,5m Galaxie
4490 10m Galaxie
4631 9m Galaxie Heringsnebel
4656/4657 10,5m Galaxien
5195 10m Galaxie

In den Jagdhunden befindet sich eine Reihe von interessanten nebligen Objekten. Ein Kugelsternhaufen und vier Galaxien, nahm der französische Astronom und Kometenjäger Charles Messier in seinen Katalog nebliger Objekte (Messierkatalog) auf.

M3 ist ein Kugelsternhaufen in etwa 30.000 Lichtjahren Entfernung, der aus mehr als 100.00 Sternen besteht. Im Fernglas erscheint er als runder nebliger Fleck. Der Sternhaufen ist ziemlich kompakt und kann erst in einem größeren Teleskop Einzelsterne aufgelöst werden

Unterhalb des ersten Deichselsternes des Großen Bären findet man M51, eine Spiralgalaxie in etwa 30 Mio. Lichtjahren Entfernung, die auch den Namen Whirlpool-Galaxie oder Strudel-Galaxie trägt. Der Name rührt daher, dass man in größeren Teleskopen oder auf langbelichteten Fotografien wunderbare Spiralstrukturen erkennen kann, die an einen Strudel erinnern. In einem Fernglas oder kleineren Teleskop sind die Strukturen allerdings nicht erkennbar; die Galaxie erscheint als nebliger Fleck. Unmittelbar in der Umgebung von M 51 findet man NGC 5195, eine kleinere Begleitgalaxie (s.u.).

M63 ist eine Spiralgalaxie in 30 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im Fernglas oder mittlerem Teleskop sind keine Spiralstrukturen erkennbar.

M94 ist eine Spiralgalaxie in 20 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im kleinern Teleskop erscheint sie als runder Fleck. Im größeren Teleskop ist ein sehr helles Zentrum sichtbar.

M106 ist eine Spiralgalaxie in 30 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im Fernglas und im kleinern Teleskop erscheint sie als länglicher Fleck. Im größeren Teleskop werden Ansätze von Spiralarmen und Staubwolken erkennbar. M106 wurde übrigens nicht von Charles Messier beobachtet, sondern erst nachträglich in den Katalog aufgenommen.

NGC 4244 ist eine relativ lichtschwache Galaxie in 20 Mio. Lichtjahren Entfernung.

NGC 4449 ist eine unregelmäßig geformte, irreguläre Galaxie in 16 Mio. Lichtjahren Entfernung. Sie sieht im Teleskop fast rechteckig aus. Im größeren Teleskop werden Staubstrukturen sichtbar.

NGC 4490 ist eine Spiralgalaxie in 40 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im Teleskop erscheint sie länglich ausgedehnt. In Bogenminuten Abstand steht die kleinere Begleitgalaxie NGC 4485. Die beiden Galaxien sind durch Gravitationskräfte aneinander gebunden und durch eine Materiebrücke verbunden; diese ist allerdings nur auf langbelichteten Aufnahmen zu sehen.

NGC 4631 ist eine längliche Spiralgalaxie in 35 Mio. Lichtjahren Entfernung, die wegen ihrer Form auch Heringsnebel genannt wird. In größeren Teleskopen sind helle Strukturen zu erkennen.

NGC 4656 und NGC 4657 ist ein Paar von Galaxien in 35 Mio. Lichtjahren Entfernung, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Die Galaxien sind allerdings ziemlich lichtschwach und erst in mittleren Teleskopen zu erkennen. Die beiden Galaxien sind wiederum gravitativ an NGC 4631 gebinden.

NGC 5195 ist die kleinere Begleitgalaxie von M51. Beide Galaxien sind durch eine Materiebrücke miteinander verbunden. Durch die Gravitationswirkung der großen Galaxie ist NGC 5195 irregulär verformt worden. Im Teleskop erscheint diese Galaxie als Anhängsel von M51.

See also: Jagdhunde (Sternbild), 1649, 1660, 1690, Antike, Asterion, Astronom, Bootes (Sternbild), Breitengrad, Charles Messier