James Abbe

James Abbe (* 1883 in Alfred, Bundesstaat Maine/USA, † 1973 in San Francisco) war ein US-amerikanischer Fotojournalist und Radiomoderator. Berühmtheit erlangte er dadurch, dass er in den 1930er Jahren praktisch alle damaligen Diktatoren - Hitler, Stalin, Franco, Mussolini - portraitierte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

James Abbe wurde in der amerikanischen Kleinstadt Alfred im Bundesstaat Maine geboren und wuchs in Virginia auf. Mit 15 Jahren begann er zu fotografieren; über seine Ausbildung ist aber wenig bekannt. 1910 erhielt er seine erste feste Anstellung als Bildberichterstatter bei der Washington Post. Abbe ging etwa 1918/19 in das Hollywood der Stummfilmära und später nach New York, wo er sich einen Namen als Fotograf machen wollte. Abbildungen berühmter Persönlichkeiten und Bildreportagen aus der Film- und Theaterwelt wurden seine Spezialität.

Schnell gelang es Abbe, zu den international bedeutendsten Fotojournalisten aufzusteigen. Damit bekam er auch Aufträge, die ihn von Bühne und Film weg und mehr zur Politik führten. Ab 1923 wurde er in Europa eingesetzt, weswegen er zuerst nach Paris und 1927 nach Berlin zog. Von diesen Fixpunkten aus war er als Fotograf und Reporter mit europäischem Wirkungskreis für diverse bekannte Zeitschriften tätig. Aufgrund seiner Bekanntheit war er wohl der einzige, der alle europäischen Diktatoren dieser Zeit "vor die Linse bekam" und den Zeitschriftenlesern in Amerika und Europa ein Bild von diesen wahrlich weltbewegenden Politikern vermittelte.

Sehr wahrscheinlich aufgrund der politischen Situation, im Alter von 53 Jahren, verließ Abbe 1936 Berlin, zog zurück nach Amerika und beendete 1937 seine anstrengende Karriere als Fotograf. Er blieb aber dem Journalismus treu und kommentierte als Radiomoderator und später als einer der ersten Fernseh-Moderatoren Amerikas das Weltgeschehen bis in die 60er Jahre. Im Alter von 80 Jahren schließlich setzte er sich zur Ruhe.

James Abbe war verheiratet und hatte drei Kinder. Er starb 1973 in San Francisco.

Werk

Abbes journalistisches Lebenswerk läßt sich in drei Phasen gliedern, deren erste zwei seine Bekanntheit als Fotograf begründen.

In der seiner ersten Schaffensphase in Amerika widmet Abbe sich auch fotografisch seiner Leidenschaft, dem Film, dem Theater und dem Tanz. In seinen ersten Reportagen zeigt er sowohl die großen Stars als auch die heute längst vergessenen Sternchen Hollywoods bei Filmaufnahmen und die Größen des Broadway in New York, auf oder - lieber und oft gelungener noch - hinter den Bühnen. Abbe soll attraktiv, kontaktfreudig und lebenslustig gewesen sein, was sicher dazu beitrug, dass seine Arbeit ihn ein Quentchen erfolgreicher machte als die Konkurrenz. Seine Bilder von Charlie Chaplin bei den Dreharbeiten zu The Kid, von Fred Astaire, Josephine Baker, Mae West und Rudolph Valentino werden so bekannt, dass sie zu Ikonen der modernen Bildwelt avancieren.

Es herrschen die sorglosen "goldenen" 20er Jahre, auflagenstarke Magazine wie Vogue, Harper's Bazaar und Vanity Fair können mit seiner Hilfe ihre bildbegeisterte Leserschaft bestens bedienen. Für einen exzellenten Fotojournalisten dieser Zeit wie Abbe gilt es, für seine Auftraggeber fremde Wirklichkeiten aufzusuchen und Exotisches für den Leser aufzuspüren. Daher werden führen ihn seine Aufträge geografisch bald über die USA und thematisch über die Atmosphäre des Glamour hinaus.

Auch als er später als politischer Journalist in Paris, Berlin oder Moskau tätig ist, verliert er das Interesse am Umfeld von Theater, Film und Kunst nie. So porträtiert er, als er nach Moskau geschickt wird, auch russische Künstler wie z.B. den Filmregisseur Sergej Eisenstein. In Paris zeigt er seinen Lesern, wie es vor und hinter den Kulissen der freizügigsten Revuetheater der damaligen Zeit, z.B. der bekannten Folies Bergères zugeht. In Deutschland fertigt er auch - weniger bekannte und erst in neuerer Zeit wieder für die Öffentlichkeit entdeckte und sehr bemerkenswerte - Porträts von Thomas Mann an, der eigentlich den Ruf hat, ein für jeden Fotografen schwer zugängliches, geradezu sperriges Modell zu sein.

Ab 1925 kann man Abbes zweite Schaffensphase als politischer Journalist ansetzen. Nach Reportagen in Kuba und Mexiko, wo er Bilder der Mexikanischen Revolution nach Hause bringt, geht er - bemerkenswerterweise zusammen mit seiner Familie - dauerhaft nach Europa und avanciert mit seinen Fotoreportagen zum Chronisten der dortigen politischen Umwälzungen. Überwiegend "bewaffnet" mit einer Kodak Faltkamera, dokumentiert er als "rasender Reporter" (ein damals geprägter Begriff) unter anderem die Schauplätze des Spanischen Bürgerkriegs, Aspekte des kulturellen Lebens der Sowjetunion, besonders das Moskau der Stalin-Ära und die letzten Jahre der Weimarer Republik. Abbe gilt in den 20er und 30er Jahren als einer der international bedeutendsten Fotografen und Fotojournalisten, der den Vergleich mit heutzutage bekannteren Größen wie Alfred Eisenstaedt, Erich Salomon, Umbo oder Felix H. Man nicht scheuen muß.

In seinen schwierigsten Aufträgen nähert sich James Abbe unbekümmert und besessen den Diktatoren Europas - Hitler, Mussolini, Franco; auch andere politische Größen wie Reichskanzler Franz von Papen und Hermann Göring als Reichsminister lichtet er ab.

Im Jahr 1932 bekommt James Abbe als einziger Amerikaner die exklusive Erlaubnis, Stalin im Kreml zu fotografieren, um der Welt dessen Wohlergehen glaubhaft vorzuführen. In der deutschen Presse wird kolportiert, Stalin sei krank und hätte gar von Geburt an eine gelähmte Hand. Dieses Gerücht kann glaubwürdig nur durch einen nicht von der Propaganda gesteuerten sowjetischen, also am besten durch einen amerikanischen Journalisten aus der Welt geräumt werden. Abbe, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist, bekommt den Auftrag. Er darf für 20 Minuten in das Allerheiligste des Kreml, Stalins Arbeitszimmer, dessen genaue Lage niemand wissen darf und meistert seine Aufgabe mit Bravour - im Sinne seiner Auftraggeber und wohl auch im Sinne Stalins.

Das weltberühmte Ergebnis, ein Porträt des gut aufgelegten, kraftvoll wirkenden Stalin unter dem Bildnis von Karl Marx kann man mit dem Abstand der heutigen historischen Sicht als gefällig und undistanziert kritiklos bewerten. Die Leistung, ein einmaliges Zeitdokument geschaffen haben, hebt Abbe von der Masse seiner Konkurrenten ab und in die Rolle des unvergessenen Chronisten.

Die Portraits von Stalin erscheinen auf der Titelseite der New York Times. Abbes Aufnahmen aus dieser Zeit werden international veröffentlicht: in Vogue und Vanity Fair, in Vu und dem London Magazine. Im Deutschland der späten Weimarer Ära illustrieren seine Bilder Reportagen der in der damaligen Welt-Pressestadt Berlin angesiedelten Zeitschriften "Die Dame", "Uhu" und der "Berliner Illustrirten Zeitung".

Für die dritte Schaffensphase wechselt Abbe, der ein Vollblutjournalist ist, das Medium. Nach seiner Rückkehr aus Europa 1937 (andere Quellen nennen 1939) gibt er die Fotografie auf, bleibt aber in der Branche und arbeitet fortan im Funk weiter. Zuerst wird er im Radio aktiv, wo er eine eigene Sendung James Abbe Observes erhält. Später etabliert er sich mit einer eigenen Sendung für das gerade sich zum Massenmedium entwickelnde Fernsehen. Erst als er 80 Jahre alt wird, beendet James Abbe seine beispiellose Karriere als Journalist.

Bedeutung und Wirkung

Abbe setze in etwa zwei äußerst produktiven Jahrzehnten neue Maßstäbe für die Bildberichterstattung seiner Zeit und für die Geschichte der Fotografie insgesamt. Obwohl er zu einem der bedeutendsten internationalen Bildjournalisten der 1920er Jahre zählte, sind Leben und Werk von James Abbe heute fast in Vergessenheit geraten.

Erst um den Jahreswechsel 2004/2005 wurde James Abbe wurde vom Kölner Museum Ludwig, erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung, als einer der bedeutendsten Photojournalisten des 20. Jahrhundert gewürdigt. "Shooting Stalin", so der Titel der Ausstellung, zeigte einen umfassenden Einblick in das bewegte Leben dieses Bildjournalisten.

Neben dem fotografischen Oevre sind auch Aufzeichnungen seiner Radioreportagen erhalten geblieben und in der Ausstellung vorgeführt worden.

Literatur

.

Abbe, James Abbe, James Abbe, James Abbe, James Abbe, James Abbe, James Abbe, James Abbe, James

Personendaten
Abbe, James
US-amerikanischer Fotograf, Journalist und Radiomoderator
1883
Alfred (Maine), Bundesstaat Maine, USA
1973
San Francisco

See also: James Abbe, 1883, 1910, 1923, 1927, 1930er, 1936, 1937, 1973