Japanische Sprache
| Japanisch (日本語) | ||
|---|---|---|
| Gesprochen in: | Japan | |
| Sprecher: | 127 Millionen (Platz 8) | |
| Linguistische Klassifikation: |
| |
| Offizieller Status | ||
| Amtssprache in: | Japan | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: | ja | |
| ISO 639-2: | jpn | |
| SIL: | JPN | |
Japanisch (jap. 日本語 nihongo) ist die Amtssprache Japans.
Der Language Code nach ISO 639 ist ja bzw. jpn.
| Inhaltsverzeichnis |
Verbreitung
Mit etwa 127 Mio. Sprechern und einem Anteil an der Weltbevölkerung von 2,4% steht Japanisch in der Liste der am häufigsten gesprochenen Sprachen auf Platz 8. Außer in Japan selbst wird es hauptsächlich in den USA (ca. 200.000 Sprecher auf dem nordamerikanischen Festland, ca. 220.000 Sprecher auf Hawaii) und in Südamerika (ca. 380.000 Sprecher, vor allem in Brasilien) gesprochen. Dies ist vor allem auf drei große Auswanderungswellen von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.
Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 4,9% aller Web-Seiten auf japanisch sind (Platz 4 hinter englisch, deutsch und französisch).
Herkunft
Aus den japanischen Inseln sind nur drei einheimische Sprachen bekannt: Japanisch, Ainu in Hokkaido und die Sprachen von Ryūkyū (Okinawa), die mit dem Japanischen relativ nahe verwandt ist; beide werden aus dem Proto-Japonisch hergeleitet. Dessen nächste (nicht: nahe) Verwandte sind vermutlich Sprachen in Korea, besonders das ausgestorbene Alt-Koguryo im Norden der Halbinsel.
Die Ainu-Sprache, die sich vom Japanischen stark unterscheidet, leiten viele Forscher von den Trägern der mesolithischen und neolithischen Jomon-Kultur ab.
Der genaue Ursprung der japanischen Sprache ist jedoch bis heute unklar, eindeutig nachgewiesen werden kann eine Sprachverwandtschaft bisher nur zu den oben erwähnten Ryūkyū-Sprachen (sog. "Okinawa-Dialekte des Japanischen"). Eine sehr lange Periode der schriftlosen Isolierung (von mehreren tausend Jahren v. Chr. bis ca. 300 n. Chr.) hat die altjapanische Sprache weit von allen eventuellen Ursprüngen entfernt.
Während der Jōmon-Zeit wurde im westlichen Teil Japans vermutlich eine austronesische Sprache gesprochen, die wohl mit den Inselsprachen Melanesiens und Mikronesiens verwandt gewesen sein dürfte.
Zu Beginn der Yayoi-Zeit um etwa 300 v. Chr. gelangten die Technik des Reisanbaus und die Verwendung von Bronze von Südkorea nach Nord-Kyūshū und verbreiteten sich von dort über das gesamte westliche Japan. Zusammen mit der koreanischen Kultur -- eventuell aber auch schon merklich früher -- kam wohl auch die damalige Form einer oder mehrerer koreanischer Sprachen nach Japan, wodurch sich altaische (sibirisch-türkische) und austronesische Sprachelemente teilweise schon in Korea und später auch in Japan vermischten.
Im 3./4. Jahrhundert brachte eine neue Welle koreanischer Einwanderer die Japaner in Kontakt mit der in Korea schon länger einflussreichen chinesischen Kultur. Ab dem 4./5. Jahrhundert besuchten japanische Mönche für buddhistische Studien das Kaiserreich China und nahmen die chinesischen Schriftzeichen und andere Kulturgüter mit nach Japan. Dort vermischten sich diese Einflüsse, ausgehend von den religiösen Zentren, mit der lokalen Kultur.
Sprachaufbau
Die japanische Sprache ist im Ursprung etwas völlig Eigenständiges. Zwar entspricht ihre Grammatik – ebenso wie z. B. die des Koreanischen – dem Altaischen (Agglutination, Wortstellung), die Aussprache ist jedoch typisch austronesisch (keine Doppelkonsonanten, kaum Endkonsonanten), und im Wortschatz lassen sich kaum Ähnlichkeiten mit dem Koreanischen feststellen. Altaische Ausspracheelemente wie die Vokalharmonie wurden im Laufe der Zeit immer mehr zurückgedrängt.
Trotz der Abstammung des japanischen Schriftsystems von chinesischen Schriftzeichen und der Übernahme sehr vieler chinesischer Wörter unterscheiden sich Japanisch und Chinesisch in Aussprache und Grammatik grundlegend: Anders als die chinesischen Sprachen ist Japanisch keine Tonsprache, und in der Grammatik ist Japanisch, im Gegensatz zu den isolierenden chinesischen Sprachen, eine agglutinierende Sprache mit einer Vielzahl von grammatischen Suffixen – so genannten Partikeln –, die eine ähnliche Funktion wie die Flexions-Formen, Präpositionen und Konjunktionen der europäischen Sprachen haben.
Auch im heutigen Japanisch lassen sich altjapanische und chinesische Elemente noch ziemlich klar voneinander abgrenzen. Viele Lautfiguren finden sich z. B. nur in jeweils einem der beiden Bereiche. Aus dem Chinesischen stammende japanische Verben und Adjektive, die wie alle chinesischen Wörter nicht flektierbar sind, funktionieren auch grammatisch anders als ihre flektierbaren urjapanischen Gegenstücke.
Lehnwörter
Seit dem 3. Jahrhundert übernahm das Japanische zusammen mit der chinesischen Schrift zahlreiche chinesische Lehnwörter, die jedoch an die japanische Aussprache angepasst wurden. Ein großer Teil des heutigen japanischen Wortschatzes besteht aus diesen angeglichenen Begriffen.
Als portugiesische Jesuiten im 16. Jahrhundert in Japan eine kurzlebige christliche Mission einrichteten, übernahm die japanische Sprache einige Wörter aus dem Portugiesischen. Dazu gehören beispielsweise パン pan (Brot) und テンプラ tempura (in Backteig frittiertes Gemüse und Fisch, von lateinisch tempora, [Fasten]zeiten).
Mit der Öffnung zum Westen 1853 und dem Beginn der Meiji-Zeit 1868 wurden in zunehmendem Maße Lehnwörter aus europäischen Sprachen übernommen. Ihr Anteil an der japanischen Sprache beträgt mittlerweile ca. 10-15% und variiert je nach Sachgebiet stark. Solche Wörter werden nicht mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben, sondern in der Silbenschrift Katakana, und werden oft auf „japanische Weise” abgekürzt oder lautlich verändert (z. B. ist aus dem englischen Begriff personal computer durch Verkürzung und Angleichung das Wort パソコン pasokon geworden). Häufig sind diese Wörter durch Umdeutung nicht mehr mit ihrer ursprünglichen Bedeutung gleich zu setzen.
Auch deutsche Lehnwörter sind im Japanischen zu finden (z. B. アルバイト arubaito von Arbeit, im Sinne von Teilzeitjob). Von Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein orientierte sich die ärztliche Ausbildung in Japan an deutschen Dozenten und Lehrbüchern, und die Krankenberichte wurden auf deutsch in lateinischer Schrift geschrieben. Daher haben sich vor allem in der Medizin viele Begriffe erhalten (z. B. ルンゲ runge von Lunge, クランケ kuranke von Kranke, カルテ karute von Karte im Sinne von Patientenkartei). Auch in der Philosophie (z. B. ゲシュタルト geshutaruto von Gestalt, イデー idē von Idee) und beim Bergsteigen (z. B. シュタイクアイゼン shutaikuaizen von Steigeisen, エーデルワイス ēderuwaisu von Edelweiß) finden sich im Japanischen zahlreiche deutsche Lehnwörter.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt das Japanische große Mengen von Wörtern aus dem Englischen, die meisten Begriffe des „modernen Lebens” fallen im heutigen Japanisch in diese Kategorie.
Weiterführende Informationen
Verwandte Sprachen und Sprachfamilien
Schrift
Zahlen
Kultur
Literatur
- 大野晋 日本語の起源 (Ōno Susumu: Nihongo no kigen = Die Entstehung der Japanischen Sprache), Tokyo 1957
- Roy Andrew Miller: Die japanische Sprache. iudicium, München. ISBN 3-891-29484-0 (aktuelle Auflage 2000)
- Jens Rickmeyer: Japanische Morphosyntax.Groos, Heidelberg ISBN 3-872-76718-6 (Auflage 1995)
Sprachzertifizierung
- JLPT - Japanese Language Proficiency Test
- ToJFL - Test of Japanese as Foreign Language
Weblinks
- Japanisch Netzwerk (Großes Forum für Japanischlernende)
- Nihongo4u Japanisch für Alle (Infos zur Sprache und Kultur für Groß und Klein.)
- www.japanische-sprache.de
- Deutsche Lehnwörter im Japanischen (Magisterarbeit in Japanologie, mit einer Liste von fast 500 Begriffen im Anhang)
- Freies Japanisch-Deutsches Wörterbuch
- Kanji-Lexikon (12.168 Kanji, davon ca. 6.650 mit deutscher Übersetzung)
- Japanese-Translator (Gute Übersetzungen aus dem Englischen)
- Teach Yourself Japanese (Sprachkurs in englischer Sprache)
- Japanisch-Trainer
- OJT - Der Japanisch-Trainer
- Slime Forest - mit einem typischen japanischen PC-Rollenspiel die japanischen Schriftsysteme lernen
- KuroiTenshi Das Wissensportal um und über die japanische Kultur. (deutsch - Private Homepage mit vielen Informationen aus dem Bereich Kultur, Sprache und Geschichte Japans. Mit detaillierten Angaben zu Kimonos).
Kategorie:Einzelsprache
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