Jean Baudrillard

Jean Baudrillard (* 20. Juli 1929 in Reims) ist ein französischer Philosoph und Soziologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als Kritiker und Theoretiker der Postmoderne schreibt Jean Baudrillard über zahlreiche Themen wie Virtualität, Simulation, Cyberspace, Hyperrealität, Fundamentalismus, Globalisierung, Subjektwerdung und Menschenrechte; in Requiem für die Medien entwirft er eine Art "Anti-Medientheorie".

Er wurde bekannt durch seine Untersuchungen zur Bedeutung des Symbolsystems der modernen Gesellschaft.

Sein Denken ist bestimmt vom Zeichensystem (Signifikat und Signifikant), in dem Aussagen sich immer mehr von der Wahrheit entfernen, was z.B. die Verführung des Konsumenten möglich macht. Dadurch entsteht ein Raum permanenter Simulation von Realität, die in Hyperrealität (der Auflösung alles Greifbaren, Referentiellen) endet.

1968 unterrichtet er Soziologie in Nantes, und kommt dabei mit den Situationisten in Kontakt. 1982 erscheint sein Buch Der symbolische Tausch und der Tod, es stellt ein zentrales philosophisches Werk der Postmoderne dar. Sein Begriff der Virtualität, der Simulation ist verwandt mit dem Spektakel bei Debord, lässt aber im Gegensatz dazu aber keinen Ausweg mehr offen.

1986 - 1990 ist er Directeur Scientifique (Wissenschaftlicher Direktor) am IRIS (Institut de Recherche et d'Information Socio-Économique) an der Université de Paris-IX Dauphine.

1995 erhält er (zusammen mit Peter Greenaway) den Siemens-Medien-Preis.

Baudrillard ist heute Professor für Medien und Kultur an der European Graduate School in Saas-Fee, Schweiz, wo er alljährlich einen Sommerkurs abhält.

Zu Baudrillard siehe auch den Beitrag in Stephan Moebius und Lothar Peter: Französische Soziologie der Gegenwart (2004, UTB).

Kritik von Naturwissenschaftlern

Baudrillard liebt es, mathematisch-physikalische Begriffe wie Raum-Zeit, Paralleluniversum usw. in einer Weise zu gebrauchen, die dem gelernten Mathematiker oder Physiker schlicht und einfach sinnlos erscheint, wie Alan Sokal im Detail auseinandergesetzt hat. Dabei prallt die Welt der Naturwissenschaftler mit ihren festen Begriffen und klaren Definitionen auf die der Philosophie, die sich mit den Begriffen selber und ihren Bedeutungen, mit Ähnlichkeiten und Analogien in Strukturen auseinandersetzt.

Textprobe

Aus dem Aufsatz Pataphysique de l'An 2000, erschienen als Teil des Buchs L'Illusion de la fin ou La grève des événements. Collection "L'espace critique". Paris: Galilée, 1992.

Outside of this gravitational pull which keeps bodies in orbit, all the atoms of meaning lose themselves or self-absolve in space. Every single atom follows its own trajectory towards infinity and dissolves in space. This is precisely what we are living in our present societies occupied with the acceleration of all bodies, all messages, all processes in all possible senses and wherein, via modern media, each event, each narrative, each image gets endowed with the simulation of an infinite trajectory. Every political, historical, cultural fact is invested with a kinetic energy which spreads over its own space and thrusts these facts into a hyperspace where they lose all meaning by way of an inability to attain their meaning. It is useless to turn to science-fiction: from this point on, from the here and now, through our computer science, our circuits and our channels, this particle accelerator has definitively disrupted and broken the referential orbit of things. [Übersetzung von Charles Dudas]

Außerhalb dieses Gravitationssogs, der Körper auf Umlaufbahnen hält, verlieren sich all die Bedeutungsatome oder erlösen sich selbst im Raum. Jedes einzelne Atom folgt seinem eigenen Weg ins Unendliche und löst sich dann im Raum auf. Das entspricht dem, was wir gegenwärtig in unseren Gesellschaften erleben, die mit der Beschleunigung aller Körper, aller Botschaften und aller Vorgänge in allen Bedeutungen beschäftigt sind, und in welchen mittels moderner Medien jedes Ereignis, jede Erzählung, jedes Bild mit der Simulation eines nicht endenden Ablaufs aufgeladen wird. Jede politische, historische oder kulturelle Tatsache ist behaftet mit der potentiellen Bewegungsenergie, die sich über ihren eigenen Raum verteilt und diese Tatsachen auf eine höhere Ebene hebt, wo jene auf Grund der Unmöglichkeit ihre Bedeutung zu erfassen allen Sinns verlustig gehen. Es ist nutzlos sich auf Science-fiction zu verlegen: Ab diesem Punkt, von hier aus und jetzt an ist der Teilchenbeschleuniger durch unsere Informatik, unsere Schaltkreise und unsere Übertragungskanäle endgültig unterbrochen und der Verweisrahmen der Dinge zerbrochen. [Übersetzung obigen Texts von Michael Högele]

Werke

Sekundärliteratur

Weblinks

Baudrillard, Jean Baudrillard, Jean Baudrillard, Jean Baudrillard, Jean Baudrillard, Jean

Personendaten
Baudrillard, Jean
französischer Philosoph und Soziologe
20. Juli 1929
Reims

See also: Jean Baudrillard, 1929, 1968, 1982, 20. Juli, Alan Sokal, Aussage, Cyberspace, European Graduate School