Jean Racine

thumb|right|Jean racine Jean Racine (* 21. (?) oder 22. Dezember 1639 in La Ferté-Milon, † 21. April 1699 in Paris) war ein bedeutender Autor der französischen Klassik; insbesondere Verfasser bekannter, noch heute gespielter Tragödien. Als sein bedeutendstes Stück gilt Phèdre aus dem Jahre 1677.

Leben

Racine erhielt, früh verwaist, seine Erziehung in dem von Jansenisten geleiteten Port-Royal und wurde durch Lemaistre de Sacy und namentlich durch den Hellenisten Lancelot in das Studium der klassischen, besonders der griechischen Literatur eingeführt.

Nachdem er im Collège Harcourt in Paris seine Studien vollendet hatte, wandte er sich ausschließlich der schönen Literatur zu.

Eine Ode auf die Vermählung Ludwigs XIV. Les nymphes de la Seine (1660), trug ihm eine Pension von 600 Livres ein, ebensoviel eine zweite Ode auf Ludwig XIV. La renommée aux muses (1663), dazu die Bekanntschaft mit Molière und Boileau, die für seine weitere Entwickelung von großem Vorteil war.

Auf Molières Rat vernichtete Racine sein erstes Trauerspiel Théagène et Chariclée, und dichtete dagegen La Thébaïde, ou les frères ennemis, die 1664 mit Beifall aufgeführt wurde. In dieser Tragödie sowohl als im Alexandre (1665) zeigte er sich noch als Nachahmer Corneilles, wogegen er in der Andromaque (1667) die fremden Fesseln abwarf. Die innern Kämpfe und Widersprüche der Leidenschaft, in deren Darstellung Racines Eigentümlichkeit besteht, sind in dieser Tragödie, die großen Beifall fand, zum erstenmal mit Wahrheit und seltener Kraft entwickelt.

1668 entstand sein mit nur geringem Beifall aufgenommenes einziges Lustspiel Les plaideurs, eine geistreiche Nachbildung der Wespen des Aristophanes. Der darauf folgende Britannicus (1669) wurde trotz der meisterhaften Zeichnung der Charaktere kalt aufgenommen; dagegen gefiel das idyllische Trauerspiel Bérénice (1670) durch zarte Gemütlichkeit und einen Reiz der Sprache, der von keinem andern französischen Dichter erreicht worden ist. Nachlässiger ist Bajazet (1672) gearbeitet, doch sprach die Neuheit des Gegenstandes an. Mithridate (1673) kann, was Charakterzeichnung und die Darstellung der geistigen Physiognomie der Zeit betrifft, neben Britannicus gestellt werden.

Die darauf folgende Iphigénie (1674) gilt bei den Franzosen für das Meisterwerk der dramatischen Poesie, doch leidet sie zu sehr unter dem Kontrast der französischen Sitte und des antiken Süjets, als dass wir dem Urteil beistimmen könnten; dagegen gebührt der Phèdre (1677), dem lebenswahren und furchtbaren Gemälde der Leidenschaft, unbedingte Anerkennung. Da das Stück aber von Racines Feinden dem gleichnamigen ganz mittelmäßigen Stück von Pradon nachgestellt wurde, entschloss sich der Dichter, dem Theater fortan ganz zu entsagen.

Bereits seit 1673 Mitglied der Akademie, vermählte er sich 1677 mit der frommen Catherine Romanet aus Amiens und ergab sich nun gänzlich seiner Neigung zur Frömmigkeit. In dieser Stimmung schrieb er später, nur auf die dringenden Bitten der Frau v. Maintenon, noch zwei religiöse Stücke: Esther (1689) und Athalie (1691), beide den Fräulein von St.-Cyr gewidmet, das erstere ziemlich schwach, das andre eine der schönsten Zierden des französischen Theaters, aber von dem Hof und den Jesuiten verworfen.

Ludwig XIV., der Racine zu seinem Historiografen und Kammerjunker ernannt hatte, war ihm lange Zeit sehr gewogen; doch fiel der Dichter infolge einer Schrift über das Elend des mit Abgaben überladenen Volkes bei ihm in Ungnade und starb kurze Zeit darauf am 26. April 1699 in Paris.

Im Leben Racines spiegelt sich zugleich seine Poesie. Wie er als Welt- und Hofmann dem Geschmack des Hofs oft auf bedenkliche und servile Weise huldigte, so wusste er auch die dramatischen Kunstregeln dem herrschenden französischen Geschmack anzupassen. Innerhalb dieser engen Schranken leistete er das Mögliche. Regelmäßigkeit erschien ihm als die Hauptaufgabe des tragischen Dichters. Daher vermied er sorgsam jeden Verstoß gegen die Praxis der französischen klassischen Kunst. Den griechischen Tragikern näherte er sich durch Einfachheit der Komposition, streng beobachtete Einheit des Ortes und der Zeit und durch Würde der Sprache. Seine Helden und Heldinnen wählte er mit Vorliebe aus der griechischen und römischen Geschichte. Die Liebe und das weibliche Herz vermochte kein andrer Dichter seines Vaterlandes so rein und wahr zu schildern wie er. Doch eben dieses Bestreben, durch Darstellung der Schwächen des menschlichen Herzens zu rühren, entzog seinen Charakteren oft Kraft und Haltung. Mit einer nicht reichen, aber sehr beweglichen Fantasie begabt, wusste er in jedem dramatischen Stoff das hervorzuheben, was dem Geschmack seiner Zeit zusagte, und selbst einen unbedeutenden Stoff durch seine Behandlung zu heben. Durch Eleganz der Sprache und Versifikation steigerte er den Effekt seiner Trauerspiele. Der Alexandriner, den er nach den Regeln der französischen Dramaturgik für seine Tragödien wählte, ließ in seiner vollendeten Form kaum etwas zu wünschen übrig.

Von geringerer Bedeutung als seine dramatischen Werke sind Racines lyrische Gedichte und Epigramme, die sich eigentlich nur durch die Eleganz der Sprache auszeichnen; besser gelangen ihm geistliche Oden. In seiner Prosa war Racine natürlich und korrekt. Unter den Reden, die er in der Akademie hielt, ist die auf seinen Nebenbuhler Corneille, dessen Verdiensten er durchaus gerecht wird, klassisch.

Schöne Zeugnisse für seine Denkart und seinen Geschmack geben seine Briefe an Boileau und an seinen Sohn.

Außerdem sind noch zu erwähnen seine Histoire du Port-Royal und seine Lettres à l'auteur des hérésies imaginaires (1666).

Von den zahlreichen Ausgaben seiner OEuvres complètes ist die vorzüglichste die von Mesnard (1865-73, 8 Bde.), daneben die von Aimé Martin (5. Aufl. 1844, 6 Bde.); seine dramatischen und poetischen Werke erschienen in der sogen. Louvre-Ausgabe (1801-1805, 3 Foliobände mit Kupfern), von Geoffroy (mit Kommentar, 1808, 7 Bde.), von Saint-Marc Girardin und Moland (1871-79, 8 Bde.). Vollständige deutsche Übersetzungen gaben Viehoff (Berl. 1869, 4 Bde.) und Welti (Stuttg, 1886 ff., 4 Bde.), eine Auswahl Laun (Hildburgh. 1869).

Vgl. außer der Biographie seines Sohnes (Louis de Racine) Sainte-Beuve, Porträts littéraires (2. Aufl., Par. 1864); E. Despois,Le théâtre sous Louis XIV (das. 1874).


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Werke

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Personendaten
Racine, Jean
Autor der französischen Klassik
22. Dezember 1639
La Ferté-Milon
21. April 1699
Paris

See also: Jean Racine, 1639, 1663, 1664, 1665, 1667, 1668, 1669