Joachim Gauck

Joachim Gauck (*24. Januar 1940 in Rostock) ist Pfarrer, Mitbegründer des Neuen Forums und war der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gauck studiert von 1958 bis 1965 in seiner Heimatstadt Rostock Theologie und arbeitet danach zunächst als Vikar, nach seiner Ordination als Pastor in Lüssow (Kreis Güstrow) und ab 1971 in Rostock-Evershagen. Zusätzlich ist er als Stadt- und Kreispfarrer in Rostock tätig. Zwischen 1982 und 1990 ist er der Leiter der Kirchentagsarbeit in Mecklenburg.

Als sich 1989 der Widerstand gegen die Regierung in der Bevölkerung formiert, wird Gauck Mitglied des Neuen Forums Rostock, zu dessen Sprecher er bald avanciert. Er leitet wöchentliche Gottestdienste und führt die anschließenden Großdemonstrationen an.

Ab März 1990 bis zur Auflösung der DDR im Oktober des selben Jahres vertritt Gauck als Abgeordneter das Neue Forum in der Volkskammer. Dort übernimmt er die Leitung des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)/Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) und wird zu einem der Initiatoren des Stasiunterlagen-Gesetzes der Volkskammer. Am 2. Oktober 1990, dem letzten Tag des Bestehens der DDR, wird der parteilose Gauck von der Volkskammer zum Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR gewählt und am Tag darauf von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl als Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes in dieser Funktion bestätigt. Mit der Verabschiedung des Stasi-Unterlagengesetzes im Dezember 1991 wechselt die Bezeichnung dieses Amtes noch einmal: Gauck ist jetzt Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Die 2.000 Mitarbeiter-Behörde wird aufgrund ihres sperrigen offiziellen Titels umgangssprachlich oft nach ihrem Leiter als "Gauck-Behörde" bezeichnet. Die erste Amtszeit dauerte bis 1995, Gauck wird danach für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Da dieses Amt per Gesetz nur zwei Amtszeiten lang bekleidet werden darf, stellt sich Gauck 2000 nicht einer Wiederwahl. Seine Nachfolgerin im Amt wird Marianne Birthler. Angebote als Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung oder als Bundestagsabgeordneter für die SPD lehnt der Parteilose ab, so dass er seit 2000 keine politischen Ämter mehr besitzt. Er ist Vorsitzender des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie". Sich selbst sieht er als "linken, liberalen Konservativen". Mitglied des Verbandes Atlantik-Bruecke e. V.

Gauck setzte sich während seiner Amtszeit stets dafür ein, wesentliche Täter zu ermitteln und die Opfer zu schonen. Er sprach sich erfolglos dagegen aus, die Verjährungsfrist für mittelschwere Straftaten aus der DDR-Zeit, die ursprünglich am 31. Dezember 1997 auslaufen sollte, zu verlängern, da er nicht genügend Erfolge bei der Aufklärung sah. Andererseits spricht er sich ein Jahr später dagegen aus, die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit zu beenden, da noch immer eine große Zahl von Anträgen auf Akteneinsicht in seiner Behörde unbearbeitet geblieben war. "Erinnerung", so Gauck in der Süddeutschen Zeitung vom 13. Oktober 1997, "ist ein therapeutischer Prozess. Nur so kann man lernen."


In der berüchtigten Rede von Martin Hohmann (damals noch CDU-MdB) am 3. Oktober 2003 wird Gauck zitiert:

„Gnädige Neubetrachtung oder Umdeutung wird den Deutschen nicht gestattet. Das verhindert die zur Zeit in Deutschland dominierende politische Klasse und Wissenschaft mit allen Kräften. Sie tun ‚fast neurotisch auf der deutschen Schuld beharren’, wie Joachim Gauck es am 1.10. 2003 ausgedrückt hat.“

Am Schwarzbuch des Kommunismus, das 1998 erschien, arbeitete Gauck mit. Daran anschließend kam es in verschiedenen Ländern zu intensiven Diskussionen über eine Neubewertung des Kommunismus und insbesondere zu einem Streit über den darin verwendeten Begriff ‚Roter Holocaust’. Mit diesem Begriff wird jene Bewertung des Kommunismus gestärkt, die ihn mit dem Faschismus gleichsetzen will, wie das ähnlich bereits im Historikerstreit diskutiert und durchgängig verworfen wurde. Durchgängig wird die These des Präventivkrieges Hitlers gegen die Sowjetunion vertreten.

Der Faschismusexperte Prof. Kurt Pätzold schreibt über den Autor des Herrn Gauck, sein Ruf laute: „In die Hölle mit den Kommunisten, die, wo und wann immer sie wirkten, nur von einem über Leichen gehenden Machtgelüst und Herrschaftswahn geleitet würden, die Feinde der Menschheit seien, die in der Welt nichts wollten und nichts anrichteten als Zerstörung. Zwei Kostproben? ‚Das zynische Mordverlangen ist die Vernunft des Kommunismus.’ Die ‚kommunistischen Revolutionen’ seien ‚eine Metapher zur Veredelung von Verbrechen.’ (843) Wer den Beitrag dieses Staatsbediensteten politisch und ideologisch in die Geschichte des Antikommunismus einordnen will, kann zu den Reden greifen, die auf dem ‚Reichsparteitag der NSDAP’ in Nürnberg im Jahre 1936 gehalten wurden. Aus diesen wie aus jenem spricht vor allem eins: Haß.“

Im Mai 2004 setzte sich Gauck dafür ein, die Gedenkstätte für die Opfer der NS-Militärjustiz in Torgau gemäss der Gedenkstättenkonzeption der sächsischen CDU genannt „Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft" umzugestalten. Hiermit wird die Totalitarismusthese vertreten sämliche Gedenkstättenleitungen und alle Opferverbände distanzierten sich von diesem Vorhaben. In der neuen Fassung der Torgauer Ausstellung, so schrieb Ludwig Baumann, der Vorsitzende der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V. an Dr. Gauck, wird verschwiegen, „dass die im sowjetischen Speziallager 8 (in Torgau) inhaftierten Kriegsverbrecher und Gestaposchergen (im Januar 1946 allein 498) unserer Opfer verurteilt, gepeinigt, gefoltert und ermordet haben.“

Zitate

Schriften und Bücher

Auszeichnungen

Weblinks

siehe auch

Ministerium für Staatssicherheit, Runder Tisch Gauck, Joachim Gauck, Joachim Gauck, Joachim Gauck, Joachim ?Gauck, Joachim Gauck, Joachim

Personendaten
Gauck, Joachim
Pfarrer, Mitbegründer des Neuen Forums und war der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Vertreter der Totalitarismusthese
24. Januar 1940
Rostock

See also: Joachim Gauck, 1940, 1958, 1965, 1971, 1982, 1989, 1990, 2003