Johann Daniel Müller

Dieser Artikel beschreibt den Musiker und Radikalpietisten Johann Daniel Müller aus Wissenbach (Nassau). Für den gleichnamigen Theologen aus Allendorf (Lumda) siehe Johann Daniel Müller (Theologe)


Johann Daniel Müller (* 1716), auch: Daniel Müller, Daniel, Elias, Elias Artista, Messias, D. S., S., war Violinist, Bratschist und Konzertdirektor, dann radikalpietistischer Autor und "Prophet" der Vereinigungskirche "Offenbarung Christi".

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er wurde am 10.2.1716 in Wissenbach / Nassau, heute zu Eschenburg (Hessen), als Sohn eines Bauern und Schneiders geboren; er starb nicht vor 1786 (angeblich in Riga).

1726 kam er an den nassauischen Hof in Dillenburg, wo er das Geigenspiel erlernte. Am wittgensteinischen Hof in Berleburg (seit 1733) lernte er das radikalpietistische Schrifttum kennen.

Um 1735 traf er mit Johann Sebastian Bach in Leipzig zusammen, der ihn an den Hofkapellmeister Johann Theodor Roemhildt in Merseburg empfahl. 1737-1739 war er als Violinist und Bratschist Hofmusikus in Darmstadt; danach widmete er sich der Lektüre u. a. Jakob Böhmes. 1744 wird er zum Hofmusikus, Kantor und Schuldiener in Hachenburg ernannt und heiratete Maria Ursula verwitwete Schott geborene Windecker (1705-1759) eine Verwandte von Johann Wolfgang von Goethes Mutter, Katharina Elisabeth Goethe geb. Textor.

1746 übersiedelte er nach Frankfurt am Main. Als Konzerdirektor (seit 1747) veröffentlichte er dort das "Vollständige Hessen-Hanauische Choral-Buch" (2 Teile, 1754). Als Erster Violinist der Frankfurter Kapelle wird Johann Daniel Müller seit 1755 erwähnt.

Bei Auftritten in der Frankfurter Sankt-Katharinen-Kirche, in der Goethes Familie ihre Kirchenstühle hatte, dürfte ihn der junge Goethe kennengelernt haben. Müllers dem Koran gegenüber aufgeschlossenes Buch "Elias mit dem Alcoran Mahomeds. In der Offenbarung Jesu Christi. [...] 1772" befand sich in der Bibliothek von Goethes Vater, dem Kaiserlichen Rat Johann Kaspar Goethe; zwei Exemplare besaß Goethes orientalistischer Berater Heinrich Friedrich von Diez.

Nach dem Tode seiner Gattin (1759) verließ der visionär erleuchtete Müller, der sich zum wiederkehrenden Propheten Elias (Elias Artista) berufen fühlte und eine Heidentum (Paganismus), Judentum, Christentum und Islam vereinigende Kirche "Offenbarung Christi" gründete, Frankfurt am Main und reiste durch Nord- und Ostdeutschland, Skandinavien, das Baltikum und Russland.

Nach einem für 1786 bezeugten Besuch Müllers in Dillenburg - der dortige Justizrat Karl von Knoblauch zu Hatzbach erwähnt ihn in einem Brief an Georg Christoph Lichtenberg - verliert sich seine Spur. Er soll im Umkreis russischer Spätrosenkreuzer in Riga gestorben sein.

Werke

Seine mindestens 27 zum Teil sehr umfangreichen Bücher sicherten ihm, der seine hohe musikalische Virtuosität zugunsten der religiösen Berufung zurückgestellt hatte, internationale Ausstrahlung. Von den Illuminaten in Avignon, einer swedenborgfreundlichen Geheimgesellschaft um Abbé de Brumore (Philibert Guyton de Morveau) und Dom Antoine-Joseph Pernety, wurde Müller, ein kritischer Sympathisant Emanuel Swedenborgs, als "Élie Artiste" (Elias Artista) verehrt.

Müller plädierte für einen dogmenkritischen Universalismus, beanspruchte aber für sich selbst die Deutungshoheit über die Offenbarungsurkunden Bibel, Talmud und Koran. Obwohl er selbst vielfach allegorisch verfährt und die dem Buchstaben verpflichtete Bibelexegese lutherischer Geistlicher wie Friedrich Christoph Oetinger ablehnt - in der Schrift "Elias mit der Lehre des Talmuds und der Rabbinen in ihrem wahren Sinn und Verstand (1772) bezeichnet er Oetinger als "Satans-Pfaffen" -, bleibt er auch Freigeistern wie Hermann Samuel Reimarus gegenüber intolerant, weil sie die Schriftbasis ganz verwürfen. Mit Reimarus, dessen "Fragmente" Gotthold Ephraim Lessing herausgegeben hatte, setzt er Lessing unbekümmert gleich. Moses Mendelssohn ist für ihn "ein Entlaufener aus der Synagoge der Väter".

Weitere Werke (Auswahl)

Noch immer ist folgende von Johann Daniel Müller veröffentlichte Edition verschollen:

Diese Ausgabe von 1774 ist interessant als radikalpietistische Rezeption der jüdischen Bearbeitung eines sufistischen islamischen Werks.

Literatur

Vgl. dazu die Rezension von Roland Edighoffer, in: ARIES (Brill, Leiden / Boston), Jg. 5 (2005), Nr. 1, S. 134-136.

Weblinks

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Personendaten
Müller, Johann Daniel
Daniel Müller, Daniel, Elias, Elias Artista, Messias
Violinist, Bratschist und Konzertdirektor, dann radikalpietistischer Autor und "Prophet" der Vereinigungskirche "Offenbarung Christi"
10. Februar 1716
Wissenbach, Nassau, heute zu Eschenburg, Hessen
unbekannt
vermutlich Riga

See also: Johann Daniel Müller, 10. Februar, 1161, 1716, 1774, Arabische Sprache, Avignon, Bad Berleburg, Bibliothek