Jonglieren

right|thumb|78px|10-Ball-Jongleur Unter Jonglieren versteht man in erster Linie die Kunst, mehrere Gegenstände wiederholt in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen, so dass sich zu jedem Zeitpunkt mindestens einer der Gegenstände in der Luft befindet. Zu den üblichen Gegenständen, mit denen in diesem Sinne jongliert wird, gehören Bälle, gefüllte Stoffbeutel, Ringe, Keulen, Messer, Zigarrenkisten, Fackeln und alles andere, was ein Mensch in die Luft werfen kann. Selbst mit laufenden Kettensägen wird jongliert.

Im weiteren Sinne gehören dazu auch Kontaktjonglagen und andere Kunstformen, bei denen Gegenstände auf ungewöhnliche Weise bewegt werden, wie etwa das Keulen- oder Poischwingen, das Diabolospiel oder auch das Stabdrehen.

Der Ursprung des Wortes "Jongleur" ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Eine Vermutung ist, dass das lateinische Wort "jaculator" für Werfer aus den lateinischen Worten "joculator" für (Hof)narr und "pilarii" für Ball zusammengesetzt wurde. Im französischen wurde daraus zunächst "joglar" und schließlich "Jongleur".

Inhaltsverzeichnis

Geräte

Weitere Jonglierartikel zu einzelnen Geräten siehe auch:

Eine bei Jongleuren auch sehr beliebte Art der Jonglage ist das Passen, bei dem mehrere Jongleure gleichzeitig Jonglieren und sich dabei Gegenstände zuwerfen. Es findet oft auf Jonglierconventions statt, wo sich viele Jongleure treffen..

Neuere glaubwürdige Berichte über die Maximalzahl von Gegenständen, mit denen jongliert wurde (mindestens 2 Berührungen je Gegenstand), sind 10 Bälle oder 12 Ringe oder 9 Keulen.

Jonglieren gehört zu den Darbietungen im Zirkus beziehungsweise des Varietés.

Die Kombination aus Joggen und Jonglieren heißt Joggling. Die Mischung von Volleyball und Jonglage wird auf großen Jonglierconventions gespielt und nennt sich Volleyclub.


Jonglieren ist sehr gut für Körper, Geist und Seele. So baut das Jonglieren zum Beispiel Stress ab und steigert die Konzentrationsfähigkit, so wie die Reaktionsschnelligkeit. Es fördert das Zusammenspiel der Muskeln und des Bewegungsapparats. Außerdem trainiert das Jonglieren den Teil des Gehirns, der für Fantasie und Kreativität zuständig ist, und die Gewissheit, etwas Außergewöhnliches zu beherrschen, führt zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins. Jonglieren erhöht sogar die Sehkraft der Augen!

Praxis

Jonglieren kann jeder ohne großen Aufwand lernen, aber meist wird nach den ersten enttäuschenden Versuchen aufgegeben. Dabei gibt es für den fast zwangsläufigen ersten Misserfolg zwei Gründe, die sich ziemlich einfach beheben lassen, wenn man nur darüber informiert ist:

Grund 1: Bei den ersten Versuchen mit drei Bällen wird (intuitiv) meist probiert, mit einer Hand immer nur zu werfen und mit der anderen immer nur nachzureichen, weil das mit zwei Bällen so wunderschön funktioniert. Das gibt es zwar auch als Wurfmuster für drei Bälle, aber es ist nicht das einfachste, mit dem man beginnen sollte. Das einfachste Wurfmuster für den Anfang ist, mit beiden Händen abwechselnd zu werfen und zu fangen ("Kaskade").

Grund 2: Zum Erlernen des Jonglierens eignen sich normale pralle Springbälle (wie Tennisball usw.) ganz schlecht, weil die nicht besonders griffig sind. Der ideale Jonglierball ist einfach nur aus Stoff und lasch mit Granulat (z.B. Vogelfutter) gefüllt, so dass er beim Runterfallen schlicht platt liegen bleibt. Für solche griffigen Spezialbälle kann man im Jonglierladen locker 15 Euro pro Stück hinlegen. Eine brauchbare Ersatzlösung ist, einen nicht aufgeblasenen größeren Luftballon mit normalem Reis voll zu füllen und zuzuknoten.

Praktische Übungen

Eine Art der Notation für Jongliermuster ist Siteswap.

Geschichte

Antike

right|thumb|180px|4 jonglierende Frauen im antiken Ägypten Die früheste bekannte Quelle ist ein Bild, welches aus Ägypten von einem unbekannten Prinzen im 15. Grab in Beni Hassan aus einer Zeit um etwa 1994 - 1781 v. Chr. stammt. Es zeigt vier jonglierende Frauen. Eine sehr frühe griechische Statur von einem Jongleur wurde in den Pyrinen gefunden und kann heute im Nationalen Museum in Athen besichtigt werden. Bei den Römern war es zur Belustigung des Volkes modisch Gaukler aus dem Orient zu importieren. Häufig handelte es sich dabei um Sklaven. Aber auch im China des Altertums wurde schon jongliert. Eines der ältesten Jonglier-Requisiten, das Diabolo, wurde in China erfunden.

Mittelalter

In Frankreich soll es Jongleure schon seit Beginn des 6. Jahrhunderts gegeben haben. Sie sollen danach von den römischen Trickbetrügern und Scharlatanen abstammen. Eine andere Vermutung ist, dass Jongleure erst im 11. Jahrhundert aus den englischen Minnesängern und Spielmännern hervor gegangen sind. Mit dem Aufkommen der Troubadoure wurden die Jongleure mit ihren vielen Talenten zu beliebten Helfern der Troubadoure und zu Unterhaltern der Adeligen. Sie zogen über das Land, von Hof zu Hof und verfeinerten ihr Können in "Schulen" und "Bruderschaften". Die erste Nennung einer solchen Bruderschaft stammt aus dem Jahre 1331; die "Confrerie de St. Julian" in Paris.
Jongleure waren zu dieser Zeit sehr schlecht angesehen. Man behandelte sie nicht ohne Grund mit Vorsicht und Argwohn, da sich viele Landstreicher, Räuber und Diebe in der Jonglierkunst übten. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Jongleure, anders als die Poeten und Musiker, keine Möglichkeit besaßen ihre Erfolge und Errungenschaften der Nachwelt zu hinterlassen. Schnell wurden sie daher als, wenn auch unterhaltsame, Tagediebe oder Taugenichtse abgestempelt. Aus dieser Zeit stammt daher auch der Ausspruch:
"Qual mestiers es plus aontos, d'eser joglar o laire?"
- frei übersetzt: Was kann eine schlimmere Beschimpfung sein, ein Jongleur oder ein Dieb zu sein?

Industrialisierung

Die neuere Geschichte des Jonglierens ist eng mit der Geschichte des Varietés verbunden. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung, wurde die Kleinkunst und mit ihr das Jonglieren bis zur Mitte des 20 Jahrhunderts immer beliebter. Mit der weiten Verbreitung der drei großen Unterhaltungsmedien, Radio, Tonfilm und Fernsehen, hat die Kleinkunst dann wieder drastisch an Bedeutung verloren.

Rekorde

Hier eine Auswahl an (teilweise nur durch Augenzeugen belegten) Weltrekorden, unten finden sich Links zu ausführlicheren Zusammenstellungen.

5 Bälle >1h (belegt), 3h (unbelegt)
7 Bälle 10 min
9 Bälle 110 Fänge
12 Bälle 12 Fänge
9 Ringe 143 Fänge
13 Ringe 13 Fänge
7 Keulen 1 min 11 s
9 Keulen 9 Fänge
14 Keulen Passen 14 gefangene Passes

siehe auch

Zirkus, Einrad

Weblinks

See also: Jonglieren, Adel, Astrojax, Bruderschaft, Devilstick, Diabolo (Spielgerät), Einrad, Fackel, Fernsehen, Industrialisierung