Jordanes

Jordanes war ein balkangotischer Gelehrter und Historiograph des spätantiken 6. Jahrhunderts, möglicherweise alanischer Herkunft, gestorben vermutlich 552.

Leben und Werk

Der in Italien herrschende Ostgotenkönig Theoderich der Große beauftragte seinen Minister Cassiodorus mit der Niederschrift der Geschichte der Goten. Diese wurde erst 533 nach dem Tod Theoderichs fertig. Um die Jahrhundertmitte schrieb Jordanes in Konstantinopel eine verkürzte Version, ergänzte sie aber um aktuelle Ereignisse. Nur seine Version, De origine actibusque Getarum, kurz Getica, blieb der Nachwelt erhalten; Cassiodors Gotengeschichte hingegen ging verloren.

Die Getica ist eine der wichtigsten Quellen zur gotischen Geschichte. Bei ihrer Bewertung ist jedoch zu beachten, dass politische Gründe bei ihrer Niederschrift eine Rolle spielten: Zum einen die Monopolisierung der gotischen Geschichte durch die amalischen Ostgoten. Zum anderen der Versuch, die gotische Historie zu einem Teil der römischen werden zu lassen. Besonders Peter J. Heather hat erst jüngst sehr kritisch auf die Schwierigkeiten bei der Verwendung der Getica als Quelle hingewiesen.

Jordanes behauptete etwa fälschlicherweise, die Goten seien identisch mit den den antiken Hochkulturen schon lange vertrauten Geten (ein thrakischer Volksstamm). Weiterhin war er wie viele römische und byzantinische Geschichtsschreiber der Meinung, die Goten seien vom Volk der Skythen, was aber auch der Tradition der antiken Historiographie geschuldet war, nach welcher der Begriff Skythen auf fast alle barbarischen Völker angewandt wurde, die im Raum des Schwarzen Meeres auftauchten.

Jordanes verfasste vor der Getica auch eine Weltenchronik, an der sich eine römische Geschichte von der Zeit des Augustus bis ins 24. Regierungsjahr des oströmischen Kaisers Justinians anschloss (so genannte Historia Romana).

Literatur

Weblinks

See also: Jordanes, 533, 552, 6. Jahrhundert, Alanen, Amaler, Antike, Augustus, Cassiodorus, Geten