Jörg Haider

Jörg Haider (* 26. Jänner (Januar) 1950 in Bad Goisern, Oberösterreich) ist ein österreichischer Politiker (BZÖ, früher FPÖ).

Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er fungierte im Laufe seiner Karriere in verschiedensten Positionen innerhalb der Partei (unter anderem für 14 Jahre als Parteichef). Unter seiner Führung erlebte die Freiheitliche Partei Österreichs einen Höhenflug bei den Nationalratswahlen 1999, und als stärkste Partei in Kärnten. Allerdings wird er auch als hauptverantwortlich für die größte Wahlniederlage in der österreichischen Parteiengeschichte (Verlust von fast zwei Drittel der Wählerstimmen bei der Nationalratswahl 2002) angesehen. Seine Politik sorgte im Laufe der Zeit für viele Kontroversen und führte zum Parteiaustritt einer großen Zahl von Parteimitgliedern. Haider gilt für viele Leute als Rechtsextremist. Im Jahr 2005 ist Haider Landeshauptmann von Kärnten und Vorsitzender des BZÖ.

Am 4. April 2005 gründete er zusammen mit anderen ehemaligen FPÖ-Mitgliedern die neue Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Am 7. April 2005 wurde er aufgrund dessen vom Interimsobmann der FPÖ, Hilmar Kabas aus der FPÖ ausgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Zwischen 1969 und 1973 absolviert Haider ein Studium der Rechte und Staatswissenschaften an der Universität Wien, das er als Doktor der Rechte abschließt. Während dieser Zeit war er aktives Mitglied der schlagenden, akademischen Burschenschaft (heute Jägerschaft) Silvania Wien in welcher er heute noch als "alter Herr" Mitglied ist. Danach arbeitet er bis 1976 als Universitätsassistent am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien unter Professor Dr. Guenther Winkler. [1]

Politische Karriere

Haiders Elternhaus war deutschnational geprägt; beide Eltern waren Mitglied der NSDAP gewesen, jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg als minderbelastet eingestuft worden.

Erste öffentliche Aufmerksamkeit gewann Haider 1966, als er sich an einem Redewettbewerb des (deutschnational eingestellten) Turnerbunds Innsbruck beteiligte. Er gewann mit dem Beitrag "Sind wir Österreicher Deutsche?". Haiders politische Karriere in der FPÖ begann 1971, als er Vorsitzender des Ring Freiheitlicher Jugend, der FPÖ-Jugendorganisation wurde.

1979 zog Jörg Haider als jüngster Abgeordneter für die FPÖ in den österreichischen Nationalrat ein. Als die SPÖ 1983, nach dem Verlust der absoluten Mehrheit, eine Koalition mit der FPÖ bildete, hatte er Ambitionen auf das Amt des Sozialministers, diese wurden ihm jedoch nicht erfüllt. Während der Koalition kritisierte Haider häufig den liberalen Flügel der FPÖ um Vizekanzler Norbert Steger. Mit Hilfe des deutschnationalen Flügels gelang es ihm am 13. September 1986 bei einem Parteitag in Innsbruck, statt Steger Vorsitzender der FPÖ zu werden. Auf diesen Machtwechsel hin kündigte Bundeskanzler Franz Vranitzky die Koalition mit den Freiheitlichen. Bei den darauf folgenden Nationalratswahlen konnte die FPÖ vor allem dank Haider ihr Ergebnis verdoppeln.

1983 bis 1986 war Haider Mitglied der Kärntner Landesregierung. 1989 wurde er mit den Stimmen der ÖVP zum Landeshauptmann von Kärnten gewählt. 1991 verlor er diese Amt nach einem Misstrauensantrag von ÖVP und SPÖ wieder. Grund dafür war, dass er zuvor bei einer Debatte über Arbeitslosigkeit im Kärntner Landtag wörtlich sagte:

"Na, das hat's im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen".

Politische Karriere - Übersicht

1999 gelingt es der FPÖ unter seiner Führung, hinter der SPÖ zweitgrößte Partei im Nationalrat zu werden und nach 14 Jahren wieder eine Regierungsbeteiligung zu erreichen (Koalition mit der ÖVP). Dies löst internationale Proteste aus, da die FPÖ mit Haider im Ausland als eine teils rechtsextreme Partei angesehen wird. Die Regierungen der anderen EU-Staaten reagieren mir der Reduzierung der diplomatischen und politischen Kontakte auf ein Minimum - den so genannten „Sanktionen“. Auf den Straßen Wiens kommt es zu Demonstrationen von Gegnern der Regierungskoalition. Auch im Ausland wird gegen eine Regierungsbeteiligung der FPÖ unter Jörg Haider demonstriert.

Im Februar 2000 tritt Haider überraschend von seinem Posten als FPÖ-Vorsitzenden zurück, bestreitet jedoch, sich damit den internationalen Protesten gebeugt zu haben.

Obwohl ohne offizielles bundespolitisches Amt, Haider ist nur noch "einfaches Parteimitglied", hat er immer noch erheblichen Einfluss auf die Bundespartei und die FPÖ-Regierungsmitglieder. 2002 kritisiert Jörg Haider sie heftig wegen der Verlegung einer Steuerreform und löst dabei einen FPÖ-internen Machtkampf aus. Seinen Höhepunkt findet dieser Machtkampf bei einem außerordentlichen Parteitag im obersteirischen Knittelfeld, als ein Kompromisspapier öffentlich zerrissen wird. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und zwei weitere Minister treten zurück. (siehe: Knittelfelder)

Haider übernimmt den Parteivorsitz, tritt jedoch gleich wieder zurück, da angeblich Attentatsdrohungen gegen ihn und seine Familie vorlägen. Neuwahlen werden anberaumt, bei denen Haider als Spitzenkandidat jedoch nicht zur Verfügung steht. Stattdessen wird Herbert Haupt ins Rennen geschickt. Während Haupt sich für ein Fortbestehen der Koalition mit der ÖVP einsetzt, ist Haider dagegen. Nach einer dramatischen Wahlniederlage, für die ihm eine Hauptschuld gegeben wird, kündigt er zunächst seinen Rücktritt als Kärntner Landeshauptmann an, macht später jedoch einen Rückzieher.

In seiner Funktion als Landeshauptmann war er Mitglied des Österreich-Konvents. Bei den Kärntner Landtagswahlen am 7. März 2004 gelingt es Haiders FPÖ, wieder die relative Mehrheit zu erringen. Laut vorläufigem Endergebnis ohne Wahlkarten kommt die FPÖ auf 42.5 Prozent, die SPÖ auf 38.4, die ÖVP auf 11.6 und die Grünen auf 6.7 Prozent. Bereits im Vorfeld hatte Haider angekündigt, im Falle einer Mehrheit wieder das Amt des Landeshauptmanns von Kärnten beanspruchen zu wollen.

In der konstituierenden Landtagssitzung vom 31. März 2004 wird Haider - erstmals mit der Unterstützung sowohl der SPÖ (durch Anwesenheit) als auch der ÖVP (durch aktive Ja-Stimmen) - wieder zum Landeshauptmann gewählt.

Als die FPÖ bei den Wahlen zum Europaparlament abermals eine vernichtende Niederlage erleidet, wird Haider von zahlreichen Parteimitgliedern aufgefordert, erneut die Obmannschaft zu übernehmen, was er jedoch - zur allgemeinen Überraschung - ablehnt. Stattdessen tritt seine Schwester Ursula Haubner an die Parteispitze.

Nach dem Wahldesaster bei den niederösterreichischen Gemeinderatswahlen am 6. März 2005 (Rückgang auf 3.3 Prozent) schlägt Haider eine Neugründung der FPÖ als "»lässige, flotte und junge« Partei vor, deren Führung er "im Notfall" auch wieder zu übernehmen bereit wäre. Als dieser Vorschlag innerparteilich nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt und sich bei einem für den 23. April anberaumten Parteitag eine Kampfabstimmmung gegen den Wiener FPÖ Obmann Heinz Christian Strache abzeichnet, gibt er am 4. April 2005 die Gründung einer neuen Partei BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) bekannt und kündigt an, deren erster Vorsitzender werden zu wollen, woraufhin er am 7. April 2005 vom Interimsobmann der FPÖ, Hilmar Kabas, aus der FPÖ ausgeschlossen wird.

Kritik an Haider

Seine Gegner bezeichnen Haider als Populisten mit rechtsextremer Weltanschauung. Einige seiner Äußerungen werden als fremdenfeindlich, rassistisch und/oder antisemitisch eingestuft.

1995 sagt er zu Veteranen des 2. Weltkrieges, darunter ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS bei einem Treffen in Krumpendorf:

"(...) Dass es in dieser regen Zeit, wo es noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind. Und das ist eine Basis, meine lieben Freunde, die auch an uns Junge weitergegeben wird. Und ein Volk, das seine Vorfahren nicht in Ehren hält, ist sowieso zum Untergang verurteilt. Nachdem wir aber eine Zukunft haben wollen, werden wir jenen Menschen, den politisch Korrekten, beibringen, dass wir nicht umzubringen sind und dass sich Anständigkeit in unserer Welt allemal noch lohnt, auch wenn wir momentan nicht mehrheitsfähig sind, aber wir sind den anderen geistig überlegen. (...) Wir geben Geld für Terroristen, für gewalttätige Zeitungen, für arbeitsscheues Gesindel, und wir haben kein Geld für anständige Menschen.«

Gegenüber politischen Gegnern benutzte er oft beleidigende Worte:

Seine Anhänger vermag er durch folgende Punkte zu überzeugen:

Jörg Haider und die FPÖ befürwortete bis 1993 den Beitritt Österreichs zur damaligen Europäischen Gemeinschaft, danach sprach sich die FPÖ und Haider gegen den Beitritt aus. Haider gilt derzeit als EU-Skeptiker. Anders als die FPÖ sprach er sich jedoch zuletzt für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union aus.

Publikationen

Literatur

Weblinks

20px Wikiquote: Zitate zu Jörg Haider
Vorgänger
Peter Ambrozy
Landeshauptmann von Kärnten Nachfolger
Christof Zernatto
Vorgänger
Christof Zernatto
Landeshauptmann von Kärnten Nachfolger

Haider, Jörg Haider, Jörg Haider, Jörg Haider, Jörg Haider, Jörg Haider, Jörg

Personendaten
Haider, Jörg
österreichischer Politiker und Großgrundbesitzer
26. Jänner 1950
Bad Goisern, Oberösterreich, Österreich

See also: Jörg Haider, 13. Februar, 13. September, 1950, 1956