Josef Dobrovský

Dobrovský wurde als Sohn eines Berufssoldaten in Ungarn geboren, seine Eltern kehrten aber bald darauf nach Böhmen zurück. Dobrovský wuchs in Horšovský Týn (deutsch Bischofteinitz) auf und besuchte das Gymnasium in Německý Brod (heute Havlíčkův Brod, deutsch Deutschbrod) und in Klatovy (deutsch Klattau). Nach Abschluss des Gymnasiums studierte er in Prag Theologie und trat 1772 in den Jesuitenorden, der allerdings ein Jahr später aufgehoben wurde. Dobrovský setzte dann sein Studium in Prag fort und arbeitete ab 1776 als Erzieher und Hauslehrer in der Familie der Grafen Nostitz. 1786 wurde er zum Priester geweiht und war von 1789-1790 Rektor des Generalseminars in Kloster Hradisko bei Olmütz. Nach dessen Schließung lebte er als Privatgelehrter in Prag, meist bei den Grafen Nostitz, Bemühungen um Erlangung einer Professur schlugen mehrfach fehl. Er starb 1829 bei einem Besuch in Brünn.

Dobrovský begann als Erforscher der Bibel, 1776 veröffentlichte seine erste Studie unter dem Titel "Pragische Fragmente hebräischer Handschriften". 1778 wurde er durch seine Arbeit "Fragmentum Pragense Evangelii S. Marci", in der er nachwies, dass eine dem Evangelisten Markus zugeschriebene Handschrift viel jünger ist, in Fachkreisen bekannt. Ab 1779 beschäftigte er sich mit der tschechischen Sprache und Literatur und gab die Zeitschrift "Böhmische Litteratur auf das Jahr 1779", "Böhmische und mährische Litteratur auf das Jahr 1780" usw. heraus, in der er sich kritisch zu den zeitgenössischen Arbeiten auf diesem Gebiet äußerte. 1792 erschien seine "Geschichte der böhmischen Sprache und Literatur" (erweiterte Ausgabe unter dem Titel "Geschichte der älteren böhmischen Sprache und Literatur" 1818), 1809 das "Ausführliche Lehrgebäude der böhmischen Sprache", die erste moderne Grammatik des Tschechischen (zweite Auflage 1819). Dobrovský gab ferner ein "Deutsch-böhmisches Wörterbuch" in zwei Bänden heraus (1802, 1821).

In seinen Werken vertrat Dobrovský die Konzeption einer Anlehnung der Schriftsprache an das Tschechische des "Goldenen Zeitalters" am Ende des 16. Jahrhunderts und lehnte die meisten seit dieser Zeit eingetretenen Veränderungen der Schriftsprache ab. Anders als seine Schüler Václav Hanka und Josef Jungmann versuchte er aber nicht, die von ihm propagierte Norm aktiv durchzusetzen, dies möglicherweise auch deshalb, weil er nicht damit rechnete, dass es gelingen würde, das Tschechische wieder als Schriftsprache durchzusetzen. Er selbst schrieb im Wesentlichen auf Deutsch, in den frühen Jahren auch auf Latein, erst kurz vor seinem Tod manchmal auf Tschechisch. Die weit verbreitete Ansicht, er habe das Tschechische selbst nur mangelhaft beherrscht, ist aber wohl eine Legende.

Ab etwa 1800 beschäftigte sich Dobrovský auch intensiv mit anderen slawischen Sprachen und gab 1806 die Zeitschrift Slawin, 1814/15 die Zeitschrift Slovanka heraus. 1822 veröffentlichte er die "Institutiones linguae slavicae dialecti veteris", die erste moderne Grammatik des Altkirchenslawischen, die ihm den Ehrentitel des Begründers der Slawistik eintrug.

Personendaten
Dobrovský, Josef
Tschechischer Philologe und Slawist
17. August 1753
Gyarmat in Ungarn
6. Januar 1829
Brünn

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See also: Josef Dobrovský, 17. August, 1753, 1779, 1829, 6. Januar, Altkirchenslawisch, Bibel, Brünn