Brief des Judas
Der Brief des Judas ist das kürzeste Buch des Neuen Testaments der Bibel. Es besteht aus nur einem Kapitel, das seit der frühen Neuzeit in 25 Verse eingeteilt wird. Sie stellen eine Mahnrede an die "Heiligen" dar, für den einzigen wahren Glauben zu kämpfen (v. 3) und nicht den Irrlehrern zu verfallen, die sich in die Gemeinde "eingeschlichen" haben (v. 4).
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Herkunft und Autorschaft
Der Verfasser nennt sich "Judas, ein Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus". Die Kirchenväter bezogen ihn auf Judas Thaddäus, der in Lk. 6, 16 und Apg. 1, 13 als einer der Apostel, nämlich "des Jakobus Sohn" genannt wird. Er ist nicht mit dem anderen Apostel Judas Iskariot zu verwechseln. Welcher Jakobus sein Bruder, welcher sein Vater war, ist nicht klar. "Jakobus, Sohn des Alphäus" (Lk. 6, 15) ist ebenso denkbar wie "Jakobus der Jüngere", der neben dem Lieblingsjünger "Johannes" genannt wird (v. 14). Eventuell galten Väter und Söhne im Kreis der Jünger als "Brüder", so dass hier nicht die leibliche, sondern die geistliche Verwandtschaft gemeint ist. Sogar Jakobus der Gerechte, der älteste Bruder Jesu, Leiter der Urgemeinde und vermutliche Autor des Jakobusbriefs, kommt in Frage, da ein anderer Bruder Jesu Judas hieß (Mk. 6, 3) und die Theologie beider Briefe verwandt ist. Der Autor wäre dann kein Apostel gewesen und erst später Christ geworden.
Vom Inhalt seines Briefs her ist der Autor wohl in judenchristlichen Kreisen anzusiedeln. Seine Sprache ist eigenständig (z.B. das Motiv des "allerheiligsten Glaubens", v. 20), enthält aber verwandte Motive sowohl mit Paulus (2. Kor) wie mit dem Jakobusbrief wie mit den Johannesbriefen (Betonung der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, v. 21).
Inhalt
Der Judasbrief setzt eine Situation des Zweifels und der Zwietracht in der angeredeten Gemeinde voraus, die der Verfasser durch seine Mahnrede überwinden will. Er macht eine klare Alternative auf: Vertrauen auf den "alleinigen Herrscher" Jesus Christus bringt die Rettung im Endgericht und ewige Freude (v. 24), sonst nichts. Für die anderen, die Gottlosen, "ist schon längst geschrieben das Urteil" (v. 4), an das der Autor seine Leser erinnert. Von Israels Erwählung im Exodus an, ja sogar seit der Schöpfung hat Gott das Endgericht vorherbestimmt (v. 6): Dieses bringt "des ewigen Feuers Pein" und gilt wie den Engeln, die mit sterblichen Menschen verkehrten (1. Mose 6, 2-4) und den Bewohnern Sodom und Gomorrahs, die Unzucht trieben, so auch den "Träumern, die ihr Fleisch beflecken", indem sie Christi Herrschaft verachten und "die Majestäten lästern".
Gemeint waren offenbar die bisherigen Autoritäten in der Gemeinde des Judasbriefs, die sich Konkurrenten gegenübersahen. Deren Handeln bestand im "Reden stolzer Worte" und eigennützigen "Ansehen der Person", im "Wandeln nach ihren gottlosen Lüsten" und "Spaltungen machen". Um sie in die Schranken zu weisen, verweist der Autor auf Motive, die die Bibel sonst nicht kennt: einen Kampf zwischen dem Erzengel Michael und dem Teufel um den Leichnam des Mose (v. 9) und eine Prophezeiung des Henoch (1. Mose 5,21) vom Gericht Gottes an den Gottlosen. Er betont damit in deutlich spätjüdischer, apokalyptischer Sprache (vgl. das Buch Äthiopischer Henoch) die heilsgeschichtliche Kontinuität mit dem Volk der "Heiligen" (den erwählten Juden) und den Christen, weist aber zugleich auf die auch ihnen geltende Drohung der endgültigen Verwerfung hin.
Während die gottlosen Irrlehrer den "Geist nicht haben", zielt die Mahnrede auf die Einsicht: "Ihr aber, meine Lieben, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben, betet im Heiligen Geist und erhaltet euch in der Liebe Gottes...", die nun darin besteht, die Zweifler (die von den Irrlehrern Verwirrten) "aus dem Feuer" zu reißen und vor dem Verderben im Endgericht zu retten. Darum addressierte er seinen Brief anfangs an die "Berufenen". Um sie dazu zu ermutigen, stellt er abschließend in einer Doxologie (lobpreisenden Ehrung) nochmals die einzige Autorität heraus, die "euch behüten kann vor dem Straucheln" und "stellen vor das Angesicht seiner (Gottes) Herrlichkeit unsträflich mit Freuden": nämlich Jesus Christus.
Die Begründung dahinter bleibt unausgesprochen und ist nur implizit in der Betonung der Alleinherrschaft Christi erkennbar: Er ist es ja, der das Endgericht am Kreuz schon vorweggenommen, die Strafe der Gottlosen übernommen und sie so schon daraus befreit hat.
Literatur
- H. Rossier: Der Brief des Judas, Neustadt/Weinstr., 2. Aufl. 1981
Siehe auch
Weblinks
- Der Brief des Judas im Wortlaut nach der unrevidierten Elberfelder Bibel
- Der Brief des Judas im Wortlaut nach der modernen evangelikalen Bibelübersetzung Hoffnung für Alle
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