Judith von Thüringen

Judith von Thüringen (* nach 1135 auf der Wartburg; † 1174 im Kloster Meeran) ist die Tochter des Landgrafen Ludwig I.

Nach einer guten Ausbildung heiratete sie mit achtzehn Jahren den böhmischen Fürsten Vladislav II., dem zwei Jahre zuvor, am 4. August 1150 seine Frau Gertrude von Babenberg mit 32 Jahren verstarb. Nach den Eintragungen des Chronisten handelte es sich um ein dem Wuchs und der Schönheit nach um eine der gefälligsten Frauen, in Latein und in Schrift gewandt.

Ihre Ankunft in Böhmen wurde zunächst mit Misstrauen betrachtet, da der Prager Hof sich noch zu gut an die Vorgängerin erinnerte, die vier Kinder hinterließ. Judith ist es gelungen die Freundschaft des Prager Bischofs Daniel I. zu gewinnen, der zu den bedeutenden Personen der damaligen böhmischen Politik gehörte.

Die Ehe, Vladislav II. war fünfzehn Jahre älter, wurde mit der Geburt des Sohnes Přemysl belohnt, der als erster denn Namen der Dynastie getragen haben soll. Sie gebar noch Vladislav, dessen zweiter Name Heinrich wohl von seinem Onkel stammt, sowie die Tochter Richsa, die den Namen der Mutter des Fürsten trug.

Ihre Ambitionen für das Wohl der Familie zu sorgen, zeigte sich zunächst in dem Bestreben den Namen Přemysl berühmt zu machen, was ihr, wie die spätere Geschichte zeigt, gelungen ist. Sie führte aber auch westliche Kultur auf dem Hof ein. Ihr und der Einfluß des Bischofs Daniel auf den Fürsten und dessen damit neu eingeschlagene großzügige Außenpolitik, brachte ihm 1158 die Königskrone ein. Unter dem alternden König setzte sie dann immer mehr ihre eigenen politischen Ansichten durch und war Stellvertreterin in seiner Abwesenheit.

In die Geschichte des Landes ging sie schließlich ein, als sie in den sechziger Jahren die Initiative zum Bau einer 514 Meter langen und etwa 7 Meter breiten Brücke mit 21 Bögen über die Moldau (Vltava) ergriff. Diese Brücke, im 14. Jahrhundert nach einer Überschwemmung zerstört, ist die Vorgängerin der berühmten Karlsbrücke (Karlův Most). Daneben ließ sie mit ihrem Gatten viele Klöster erbauen, unter anderm auch den in Teplitz (Teplice) in den Jahren 1158-1164.

Das Lebensende der zweiten böhmischen Könmigin war traurig. Durch den politischen Druck des Kaisers Friedrich Barbarossa wurde König Vladislav nach seiner Abdikation zu Gunsten seines Sohnes Friedrich zur Emigration ins Ausland gezwungen. Seine Frau begleitete ihn. Im Kloster Meeran starben beide, ohne das sie die Thronbesteigung ihres Sohnes Přemysl erlebten. Judith wurde in Teplitz (Teplice) begraben.

Personendaten
Judith von Thüringen
Tochter des Landgrafen Ludwig I
nach 1135
auf der Wartburg, Thüringen
1174
im Kloster Meerane

See also: Judith von Thüringen, 1135, 1150, 1158, 1174, 14. Jahrhundert, 4. August, Abdikation, Emigration