Jugend ohne Gott
Jugend ohne Gott ist ein berühmtes Buch von Ödön von Horváth.
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Inhalt
Die Hauptperson des Buches stellt ein 34-jähriger Mann, der Lehrer an einem Städtischen Gymnasium zu Zeiten des Nationalsozialismus ist. Als passiver Regimegegner hat er starke Schwierigkeiten sich mit dem Zeitgeist zu identifizieren. Sein Beruf macht ihm keinen Spaß, da er gezwungen ist, seinen Schülern für ihn nicht vertretbare und moralisch wertlose propagandistische Vorstellungen zu vermitteln. Als er sich allen Vorschriften widersetzt und sich gegen die Diskriminierung von Farbigen ausspricht, muss er sich einem Gespräch mit dem empörten Vater eines Schülers stellen, der überzeugter Nationalsozialist ist. Auch seine Schüler sind zornig über diese Äußerung und verlangen, von einem anderen Lehrer unterrichtet zu werden.
Statt der abgeschafften Osterferien nehmen Lehrer und Schüler gemeinsam an einem "Zeltlager" teil, das zur Vorbereitung der Schüler auf einen bevorstehenden Krieg dient.
Im Verlauf des Lagergeschehens muss der Lehrer sich Verhaltensweisen zugestehen, die er vorher strikt ablehnte.
Als im Lager ein Fotoapparat gestohlen wird und der Z die Diebin Eva, die mit ihrer Bande in einer Höhle im Wald lebt, deckt, erbricht der Lehrer das Tagebuch des Z und missachtet somit dessen Privatsphäre. Der Lehrer gibt sein Vergehen allerdings nicht zu und kurz darauf wird ein Schüler, der N, erschlagen im Wald aufgefunden, nachdem er verdächtigt wurde, das Tagebuch des Z gelesen zu haben. Sofort fällt der Verdacht auf den Z, der auch geständig ist.
Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung gegen den Z. Als sich jedoch herausstellt, dass der Z der festen Überzeugung ist, seine Geliebte Eva habe die Tat begangen und diese widerum aussagt sie habe gesehen wie ein fischäugiger Junge den N erschlug, fällt der Verdacht des Lehrers auf den T.
Zusammen mit seinem alten Kollegen Julius Caesar und einer Gruppe von Schülern, die passiven Widerstand gegen das Regime leistet, stehen sie kurz davor den Täter T zu überführen. Doch als die von Julius Caesar gestellte Falle den T überführen soll erhängt sich der T, der vorher in einem Bekennerschreiben den Mord zugegeben hat.
Das Zeitalter der Fische
"Das Zeitalter der Fische" ist eine von Julius Caesar treffende Formulierung für die Entwicklung der Menschen während des nationalsozialistischen Regimes. Die Kinder werden zu teilnahmslosen Beobachtern erzogen, die ohne eigenständiges Denken propagandistische Formulierungen aus dem Radio übernehmen. Emotionslos und kalt verfolgen sie genau, was um sie herum geschieht. "Da wird die Seele des Menschen unbeweglich wie das Antlitz eines Fisches" (Julius Caesar) "Eine Division der Charakterlosen unter dem Kommando von Idioten" (der Lehrer)
Der Lehrer
Der Lehrer ist zu Beginn des Romans ein Opportunist, der eher auf die Sicherung seiner Pension, als auf das Achten moralischer Werte bedacht ist. Zwar ist er ein Feind des Regimes, ist jedoch nicht dazu in der Lage, klar Stellung zu beziehen. Als Lehrer ist er dazu gezwungen, seinen Schülern das ihm Vorgeschriebene beizubringen. Passiven Widerstand leistend, schwimmt er im Strom des Nationalsozialismus mit, um sich seine Rente zu sichern. Im Verlauf des Buches entfernt er sich der Rolle als passiver Zuschauer immer mehr. Er findet seinen Glauben an Gott und distanziert sich letztendlich völlig von der Masse der gleichgestellten Nationalsozialisten, als er vor Gericht die Wahrheit sagt und zugibt, das Kästchen des Z erbrochen zu haben. Mit dieser Aussage tritt er für das Recht ein und verhindert, dass weiteres Unrecht geschieht. Als Folge seines Vorgehens wird er vom Dienst suspendiert, findet jedoch seine eigene Identität, indem er sich für die Gerechtigkeit einsetzt und gegen den Strom schwimmt.
Die Bedeutung des Glaubens
Wie schon durch den Titel des Buches erkennbar, spielt Gott eine wichtige Rolle in der Lektüre. Die Jugend wird als gottlos bezeichnet, weil sie ohne Moral- und Wertevorstellungen aufwächst. Auch der Lehrer hat im ersten Weltkrieg (trotz streng gläubiger Eltern) seinen Glauben an Gott verloren. Nur durch mehrere Gespräche mit dem Pfarrer, den er im Zeltlager trifft, findet er wieder zu seinem Glauben an Gott, der für ihn die Gerechtigkeit und die Wahrheit symbolisiert. Durch ihn erlangt er die Stärke im Prozess die Wahrheit zu sagen.
Zeitliche Einordnung
Der Roman (1937) zeigt die Zustände der damaligen Zeit. Da ist auf der einen Seite der Lehrer, der Opportunist, der aus Angst seinen Lebensunterhalt zu verlieren nicht für seine moralischen Werte eintritt, und auf der anderen Seite die Kinder, die, ebenso wie ihre Eltern, die NS-Propaganda verinnerlichen, das eigenständige Denken aufgeben und sich von der Diktatur beherrschen lassen. Es wird deutlich, dass die schulische Erziehung nur noch auf den bevorstehenden Krieg ausgerichtet war und nicht auf das Lehren moralischer Werte.
