Juri Wladimirowitsch Andropow

Juri Wladimirowitsch Andropow (russisch Юрий Владимирович Андропов, wiss. Transliteration Jurij Vladimirovič Andropov, * 15. Juni 1914 in Nagutskaja (Nagutskoe), Gouvernement Stawropol, Russland; † 9. Februar 1984 in Moskau, UdSSR) war ein sowjetischer Politiker.

Nach seinem Eintritt in die KPdSU 1939 machte er eine Karriere als Apparatschik; seit 1951 war er in Moskau im Parteisekretariat tätig.

Nach Stalins Tod 1953 wurde er von Malenkow als Botschafter nach Ungarn wegbefördert. Dort spielte er eine tragende Rolle während des ungarischen Volksaufstandes von 1956 und dem sowjetischen Einmarsch.

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Von 1967 bis 1982 war Andropow Vorsitzender des Komitees für Staatssicherheit (KGB).

Am 12. November 1982 wurde er mit 68 Jahren und bei zweifelhafter Gesundheit Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und damit mächtigster Mann im Staate. Diabetes, Bluthochdruck und chronisches Nierenversagen konstatierten die Ärzte. Am 2. Juni 1983 wurde Andropow zudem Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR und somit Staatsoberhaupt. Nach nur 15 Monaten Regierungszeit verstarb er in Moskau, von denen er den größten Teil der Zeit aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme kaum regierungsfähig war. Auch ein Anschluss an eine künstliche Niere besserte seinen Zustand nicht. In den letzten sechs Monaten seines Lebens nahm Andropow keine öffentlichen Termine mehr wahr.

Andropows Nachfolger wurde Konstantin Tschernenko, der ebenfalls nur kurz im Amt war und nach 13 Monaten starb.

Andropow hat keine wesentlichen Änderungen am System vorgenommen, die Wirtschaft nicht reformiert und konnte die Abrüstungsverhandlungen mit den USA nicht wieder anstoßen. Immerhin hat er aber, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, eingestanden, dass Probleme bestehen und Veränderungen notwendig sind. Er stellte aber nie Kommunismus und Staatswirtschaft in Frage, stattdessen sah er Kriminalität zu Lasten des Staatseigentums, Verschwendung und Korruption als Hauptursachen der Probleme an. Entsprechend bestand sein politisches Programm zunächst in verschärften Kontrollen und härteren Strafen. Die Aufdeckung einiger Mißstände und ungerechtfertigter Privilegien brachten ihm eine gewisse Popularität ein.

Während der Amtszeit Andropows wurden auch das sogenannte "Trockene Gesetz" (russisch: Сухой Закон) verabschiedet, ein Maßnahmenpaket gegen den Alkoholismus, das unter anderem strenge Strafen für Alkohol am Arbeitsplatz und ein Verbot des Verkaufs von Alkohol vor 14:00 Uhr enthielt. Das Gesetz entfaltete jedoch kaum Wirkung, da es ausschließlich von regulatorischer Seite (d.h. durch Einschränken des Angebots) an das Problem heranging. Zudem wurde es im Laufe der Zeit immer weniger eingehalten.

Seine Rolle steht heute wieder im Fokus der Forschung. Für viele neuere Historiker gilt er als Vorläufer Michail Gorbatschows, dessen Aufstieg innerhalb der Nomenklatura er maßgeblich unterstützte. In jedem Falle war er eine Person, hinter der sich die Reformer im Politbüro versammeln konnten. Sowohl seine Rolle als vergleichsweise moderater KGB-Chef als auch überlieferte persönliche Äußerungen und Pläne lassen vermuten, dass auch er eine Reformpolitik avisierte.


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Personendaten
Andropow, Juri Wladimirowitsch
Jurij Vladimirovič Andropov
sowjetischer Politiker
15. Juni 1914
Nagutskaja (Nagutskoe), Gouvernement Stawropol, Russland
9. Februar 1984
Moskau

See also: Juri Wladimirowitsch Andropow, 12. November, 15. Juni, 1914, 1939, 1951, 1953, 1956