Kaiserliche Marine

Die Kaiserliche Marine 1871 - 1918 entstand nach der Reichsgründung durch Kaiser Wilhelm I., der auch den Oberbefehl innehatte.

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Flaggen des Deutschen Kaiserreichs

Als Zusatzbezeichnung für Schiffe der Kaiserlichen Marine wurden die in Anlehnung an die Bezeichnung der britischen Marine, HMS = His/Her Majesty Ship, Deutsch: Seiner Majestät Schiff, das Kürzel S.M.S. verwendet.

Aber auch die Schiffe der österreichischen Kriegsmarine hatten die Bezeichnung S.M.S., wie S.M.S. Novara, das als erstes österreichisches Kriegsschiff 1857 die Welt umsegelte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

thumb|300px|Geschwader der Deutschen Hochseeflotte (schwere Einheiten und Seeaufklärungs-Zeppelin) Sie ging aus der Marine des Norddeutschen Bundes hervor. Erster Chef der Kaiserlichen Admiralität wurde General der Infanterie Albrecht von Stosch. Anfangs bestand die Hauptaufgabe im Küstenschutz und im Schutz der deutschen Seehandelswege, obwohl schon bald erste Auslandsstationen gegründet wurden. In der 80er Jahren des 19. Jahrhunderts beteiligte sich die Kaiserliche Marine an der Gewinnung von Kolonien in Afrika, Asien und Ozeanien.

Unter dem flottenbegeisterten Kaiser Wilhelm II. gewann die Marine weiter an Bedeutung. Kiel an der Ostsee und Wilhelmshaven an der Nordsee wurden zu Reichskriegshäfen ernannt. Eine große maritime Rüstungsindustrie entstand.

Ab 1889 änderte sich die Führungsstruktur. Marinekabinett, Oberkommando der Marine und Reichsmarineamt (Staatssekretär Großadmiral Alfred von Tirpitz) entstanden. 1898 beschloss der Reichstag ein neues Flottengesetz, welches den weiteren Ausbau festlegte. Das Oberkommando wurde 1899 durch den Generalstab abgelöst und der Kaiser übernahm erneut den Oberbefehl. Tirpitz gelang es mit Hilfe seines "Nachrichtenbüros" und des Deutschen Flottenvereins, durch geschickte Propaganda in ganz Deutschland eine große Begeisterung für die Flotte zu erzeugen.

thumb|300px|Geschwader der Deutschen Hochseeflotte (leichte Kreuzer) Die Flottenrüstung war von einer schnellen technischen Entwicklung gekennzeichnet. Nacheinander wurden neue Waffensysteme eingeführt, wie die Seemine, der Torpedo, das Uboot und die Marineflieger mit Flugzeugen und Luftschiffen. Obwohl alle diese Entwicklungen bereits mit einfachen Modellen im amerikanischen Bürgerkrieg zum Einsatz gekommen waren, wurde ihre Bedeutung für künftige Seekriege kaum erkannt.

Eine Veränderung der Doktrin zu Verteidigungskrieg und Seeschlacht mündete mit dem Aufbau der Hochseeflotte in einem Wettrüsten mit England. Die aus dem deutsch-englischen Gegensatz entstandene Isolierung des Deutschen Reichs hatte entscheidenden Einfluß auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Seeschlachten des 1. Weltkrieges (u.a. Gefecht auf der Doggerbank, Skagerrakschlacht) hatten für den Gesamtverlauf keine entscheidende Bedeutung.

Zum Kriegsende sollte die Kaiserliche Marine gemäß einem Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 einer letzten großen Schlacht gegen die englische Flotte antreten. Das wurde durch einen Matrosenaufstand verhindert, welcher in der Novemberrevolution mündete und zum Ende des Kaisserreiches beitrug.

Nach Ende der Kampfhandlungen kam es zur Selbstversenkung der Hochseeflotte in Scapa Flow.

An die deutschen Verluste im Seekrieg erinnert das 1936 am 20. Jahrestag der Skagerrakschlacht eingeweihte Marineehrenmal in Laboe bei Kiel.

Hochseeflotte

Die Hochseeflotte bildete den Kern der Kaiserlichen Marine.

Bei Kriegsausbruch im August 1914 betrug ihre Stärke:

Kategorie Zahl
Schlachtschiffe 14
Linienschiffe 22
Küstenpanzerschiffe 8
Schlachtkreuzer 3
Panzerkreuzer 5
Große Kreuzer 4
Kleine Kreuzer 12
Torpedoboote
(im Flottendienst)
89
U-Boote 19

Die Schlachtschiffe, Linienschiffe und Küstenpanzerschiffe bildeten zu dieser Zeit sechs Geschwader, die Kreuzer bildeten 5 Aufklärungsgruppen, die Flottentorpedoboote waren in 8, die U-Boote in 2 Flottillen eingeteilt.

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Einheiten gehörten zur Hochseeflotte 4 Hafenflottillen mit Kleinen Kreuzern und Torpedobooten.

Die Chefs der Hochseeflotte im 1. Weltkrieg waren:

Selbstversenkung der Hochseeflotte

Am 21. Juni 1919 ließ Konteradmiral Ludwig von Reuter die unter seinem Kommando befindliche Hochseeflotte versenken. Die Hochseeflotte war im November 1918 im Heimathafen der Britische Flotte Scapa Flow interniert worden. Die Schiffe waren entwaffnet worden und nur mit Notbesatzungen besetzt.

Von Reuter befahl die Selbstversenkung, nachdem die Bedingungen des Vertrag von Versailles bekannt geworden waren und eine Besetzung und Übernahme durch die Engländer zu erwarten war.

Mit der Versenkung war der Kern der Kaiserlichen Marine zerstört.

Die durch die Versenkung unbrauchbar gewordenen Schiffe hatten noch einen enormen Schrottwert. Außerdem blockierten sie die besten Ankerplätze in der Bucht von Scapa Flow. Deshalb wurden sie bis zum Zweiten Weltkrieg zum größten Teil gehoben und verschrottet. Bis heute wird jedoch gelegentlich hochwertiger Stahl aus den Wracks für medizinische Geräte geborgen. Dieser Stahl ist deswegen einzigartig, weil er nicht atmosphärischer Strahlung während der Zeit der oberirdischen Nukleartests ausgesetzt war.

Uniformen

Die Uniformen der Kaiserlichen Marine folgte im wesentlichen dem Muster der britischen Royal Navy. Grundfarben waren blau und weiß. Nach diversen Veränderungen blieben die Uniformen zwischen 1889 und 1918 nahezu unverändert. Die im folgenden aufgeführten Bekleidungsvorschriften entsprechen dem Stand von 1913. Neben den besonderen Anzugsarten der einzelnen Dienstgradgruppen waren die Dienstgrade anhand besonderer Dienstgradabzeichen (Kaiserliche Marine) zu erkennen. Diese wurden bis einschließlich Feldwebel bzw. Wachtmeister auf dem linken Oberarm getragen, darunter die entsprechenden Laufbahnabzeichen. Deckoffiziere waren anhand der geschmückten Achselklappen zu erkennen, Offiziere über Schulterstücke und Ärmelstreifen. Die Tressen, Knöpfe und Schriftzüge aller Dienstgrade einschließlich der Admirale waren laufbahnabhängig entweder in Gold (seemännisches Personal) oder Silber (Landtruppenteile/Werftdivisionen und Beamte).

Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee

Für die Matrosen und Maate waren vorgeschrieben ein dunkelblaues oder weißes Hemd mit hellblauem “Seemannskragen” (Exerzierkragen) mit drei weißen Streifen, gehalten von einem schwarzen Halsknoten. Als Kopfbedeckung eine blaue oder weiße schirmlose Matrosenmütze mit schwarzem, hinten in zwei losen Enden auslaufenden Mützenband; darauf in Metalllettern entweder der Namenszug des Schiffs mit vorangestellten Kürzel "S.M.S" (für "Seiner Majestät Schiff") oder dem Schriftzug "Kaiserliche Marine". Zur Parade und als Ausgehanzug wurde eine blaue Kurzjacke zum Marinehemd getragen, dessen Kragen über der Jacke ausgeschlagen wurde. Auf jeder Seite der Jacke saß eine Reihe von neun Metallknöpfen. Die Brandenburger Aufschläge waren sechsknöpfig. Die Aufschläge der Maate waren mit Metalltresse eingefasst.

Unteroffiziere mit Portepee

Die Feldwebel bzw. Vize-Feldwebel und Wachtmeister (Vize-Wachtmeister) waren standardmäßig mit der blauen Kurzjacke bekleidet, dazu ein weißes Hemd mit Eckkragen ("Vatermörder") und Querbinder. Ferner die Schirmmütze der Deckoffiziere, lange blaue Hosen und Halbschuhe sowie den Marinesäbel mit Portepee.

Deckoffiziere

Die Deckoffiziere legten den Dienstanzug der Offiziere an, statt der Ärmeltressen allerdings drei waagerecht angeordnete Ankerknöpfe auf den Ärmelaufschlägen. Schirmmütze der Offiziere, jedoch in flacherer Ausführung und ohne Eichenlaubkranz, dafür Kaiserkrone mit fliegenden Bändern über der schwarz-weiß-roten Nationalkokarde. Im Dienst ein schwarzes Lederkoppel und Offizierssäbel. Die Gala-Uniform blieb den Offizieren vorbehalten, ebenso die Epauletten und die silberne Schärpe, anderen Stelle die Deckoffiziere zu besonderen Gelegenheiten das Überschnallkoppel aus schwarzem Moiréband mit kreisförmiger Metallschließe anlegten.

Offiziere

Zum Dienstanzug trugen die Offiziere und Admirale einen zweireihigen, bis zum Knie reichenden Rock aus dunkelblauem Tuch, darunter ein weißes Hemd mit hoch stehendem Eckkragen und schwarzem Querbinder. Dazu dunkle Hosen und Halbschuhe. Als Kopfbedeckung eine Schirmmütze mit blauem oder weißen Überzug und Stoffschirm, das Mützenband aus schwarzem Moiréband (bis 1888 aus Goldband). Die Nationalkorkade wurde in einem mit der (bänderlosen) Kaiserkrone gekrönten goldenen Eichenlaubgespinst befestigt.

Zu besonderen Anlässen wurde die Gala-Uniform angelegt: bis zum Knie reichender Zweireiher mit in Goldmetall (Beamte: Silbermetall) eingefassten Brustklappen und dreiknöpfige geschweifte Ärmelpatten in der Farbe des Futters (z.B. weiß bei Seeoffizieren, schwarz bei Ingenieuren). Über den Ärmelpatten die Kaiserkrone (nur seemännischer Dienst).

Der Gala-Uniform vorbehalten blieben die goldfarbenen (Beamte: silberfarbenen) Epauletten. Die silberne, rot-schwarz durchwirkte Schärpe (Feldbinde) wurde mit kreisformiger Schließe aus Goldmetall getragen, nicht-seemännische Laufbahnen legten statt dessen ein Überschnallkoppel aus schwarzem Moiréband an.

Als Gala-Kopfbedeckung diente ein niedriger, längs aufgesetzter zweispitziger Hut (“Zweimaster“) aus schwarzem Haarfilz. Der Rand war bei Offizieren bis zum Kapitän zur See mit schwarzem Moiréband besetzt, bei Admiralen mit breiter Goldtresse (bei Beamten im Admiralsrang Silbertresse). Die auf der rechten Hutseite sitzende Nationalkokarde wurde von einer ca 15 cm langen und 4,5 cm breiten Agraffe fixiert. Die Agraffe aus dicken Goldbouillons (Beamte: Silber) wurde unten etwa mittig von einem goldfarbigen Ankerkopf gehalten.

Dazu gehörten dunkelblaue Beinkleider mit Goldtresse an der äußeren Hosennaht sowie schwarze Halbschuhe, dazu war der Marinesäbel mit Portepee obligatorisch. Zu den übrigen Anzugsaren war seit 1901 auch der Offiziersdolch mit Elfenbeingriff erlaubt. Die Dienstgrade waren anhand der Zahl der Ärmelstreifen aus Goldlitze (Beamte: Silber) und an den Schulterstücken ablesbar. Von 1890 bis 1900 zierte Eichenlaubstickerei die Ärmelaufschläge und Kragen der Admirale.

Literatur

Weblinks


Siehe auch: Deutsche Marine (Geschichte), Liste der Schiffe der Kaiserlichen Marine, Ostasiengeschwader, Breitwimpel

See also: Kaiserliche Marine, 1. Weltkrieg, 1857, 1871, 1889, 1898, 1899, 1913, 1918, 1919