Kalachakra

thumb|Kalachakra Mantra

Kalachakra (Das Rad der Zeit) ist ein spezielles Praxissystem aus der Gruppe nichtdualer Annuttarayogatantras (unübertreffliches Yogatantra) des tibetischen Buddhismus (Vajrayana).

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Kalachakra wurde nach der Überlieferung von Buddha Shakyamuni im Alter von 80 Jahren an der Stupa von Dhanyakataka in Südindien gelehrt. Das mit Kalachakra vebundene Praxissystem wurde aber in Indien erst im Jahre 966 n.Chr. verbreitet und gelangte um das Jahr 1024 nach Tibet. Die Praxis auf das Kalachakra Gottheiten-Mandala gilt als eine der höheren tantrischen Meditationpraktiken, die eine schnelle Entwicklung des Praktizierenden bis zur Erleuchtung in einem Leben ermöglichen soll. Der Text des Kalachakra-Tantra "Rad der Zeit", beschreibt neben umfassenden Praxisanleitungen insbesondere auch Darlegungen zu den feinstofflichen Energiebahnen des menschlichen Körpers und auch Phänomene in äußeren und inneren Zeitzyklen sowie Wege zu deren Harmonisierung. Das Kalachakra-Tantra enthält daher auch viele Elemente der indischen Astrologie und trug stark zur Ausarbeitung der heute bekannten tibetischen Astrologie bei. Die Übertragung des Kalachakra-Tantra ist mit einigen Unterschieden in allen großen Schulen des tibetischen Buddhismus zu finden. Hauptsächlich wird Kalachakra aber von der Kagyü-, Sakya- und Gelug-Schule gelehrt, deutlich seltener in der Nyingma-Tradition. Es gibt mit der Schule der Jonangpa auch eine tibetische Tradition, die sich einzig und alleine auf die Übertragung und Praxis des Kalachakra-Tantra spezialisiert hat.

Shambala-Mythos

thumb|König Suchandra von Shambala Nach der Überlieferung übertrug Buddha Shakyamuni das Kalachakra-Tantra zunächst an König Suchandra von Shambala, da die Zeit noch nicht reif war, das Kalachakra-Tantra unter den Menschen auf der Erde zu verbreiten. Dieser übertrug es an seine Nebenherrscher und deren Untertanen um das Reich Shambala zu einen. Das sagenumwobene Reich Shambala spielt also in der Verbreitung des Kalachakra-Tantra eine wichtige Rolle. Shambala soll ein Lebensbereich sein, der für spirituelle Entwicklung besonders günstig ist. Ob dieses sagenumwobene Reich auf der Erde zu finden ist kann nicht mit letzter Gewißheit gesagt werden.

Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso sagt über Shambala:

"Gleichgültig ob Shambala ein Ort irgendwo auf diesem Planeten ist, oder nicht, so kann er dennoch nur von denen gesehen werden, deren Geist und karmische Tendenzen rein sind."
(Handbuch der tibetischen Astrologie)

Erst im 10.Jahrhundert soll Kalachakra von Shambala aus an irdische Meister übertragen worden sein. Ziel der Kalachakra-Praxis ist es aber nicht an erster Stelle dieses sagenumwobene Reich zu finden, obwohl einige Lamas spezielle Praxisanleitungen für eine spirituelle Reise nach Shambala geschrieben haben, sondern wie bei allen buddhistischen Praktiken, Erleuchtung zu erlangen.

Prophetische Inhalte

Mit der Übertragung des Kalachakra-Tantra wurden auch prophetische Texte übertragen, deren Inhalt kriegerische Auseinandersetzungen darstellen. Demnach sollen Armeen, die der spirituellen Praxis feindlich gesinnt sind, zur Zeit des 25.Königs von Shambala über die zivilisierte Welt herfallen, um jede Möglichkeit für geistige Entwicklung zu zerstören. Nach den Kalachakra-Texten wird die zivilisierte Welt aus dem Reich Shambala Beistand erhalten und die Angreifer werden zurückgeschlagen. Daraufhin soll ein neues Goldenes Zeitalter beginnen, das für die geistige Entwicklung besonders günstige Umstände bringt. Manche beziehen diese Vorhersagen auf einen wirklichen Konflikt, der in einigen hundert Jahren stattfinden soll. Andere gehen davon aus, daß diese Schilderungen keinen wirklichen äußeren Konflikt beschreiben, sich vielmehr symbolisch auf innere Prozesse des tantrischen Praktizierenden (Yogi) beziehen.

Tantrische Sichtweise

thumb|Kalachakra-Mandala Üblicherweise beziehen sich tantrische Texte nur auf den tantrisch Praktizierenden (Yogi) selbst, der mit Hilfe von Meditation und Ritual die eigenen Geistesgifte (Unwissenheit, Hass, Gier, Eifersucht und Stolz) bekämpft. Diese Geistesgifte werden in vielen buddhistischen Texten auch als der "Feind des Yogi" bezeichnet. Äußere Feinde sind der inneren Sichtweise des höheren Tantra fremd, da die äussere Wirklichkeit nicht als etwas vom Wesen des Praktizierenden Getrenntes betrachtet wird. Auch wenn sich das Kalachakra-Tantra in den prophetischen und astrologischen Teilen von den anderen höheren Tantras unterscheidet, liegt der Praxis des Kalachakra die gleiche innere Sichtweise zugrunde. Ohne diesen Hintergrund werden tantrische Texte verschiedentlich falsch ausgelegt.

Einweihung

Einweihungen in das Kalachakra-Tantra werden auch im Westen erteilt. Sie wurden bislang unter anderem vom 14.Dalai Lama, von Kalu Rinpoche, Sakya Trizin und Penor Rinpoche gegeben. Bei diesen Einweihungen finden üblicherweise auch Belehrungen zu Ritualen, Vorträge zu Ethik und buddhistischer Philosophie statt. Die Zeremonie soll einen besonderen Segen für den Ort der Veranstaltung und die Teilnehmenden darstellen. Die mit Kalachakra verbundene Praxis wird auch als "Kalachakra für den Weltfrieden" bezeichnet, da sie auch eine völkerverbindende Funktion erfüllt.

Im Jahr 2002 war Graz Stätte einer Kalachakra-Übertragung. Es gibt einen Dokumentarfilm von Werner Herzog: "Rad der Zeit" (BRD 2003)!

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Kategorie:Buddhismus

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