Kamp-Lintfort

Wappen Karte
140px|Stadtwappen der Stadt Kamp-Lintfort 140px|Deutschlandkarte, Position von Kamp-Lintfort hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Regionalverband: Ruhr
Landschaftsverband: Rheinland
Kreis: Wesel
Fläche: 63,16 km²
Einwohner: 39.742 (30. Juni 2004)
Bevölkerungsdichte: 629,2 Einwohner je km²
Höhe: 25 - 28 m über NN
Postleitzahlen: 47456 - 47475
Telefonvorwahl: 0 28 42
Geografische Lage: 51°30' n. B.
06°33' ö. L.
Kfz-Kennzeichen: WES
Gemeindeschlüssel: 05 1 70 020
Stadtgliederung: 11 Stadtteile
Hausanschrift der
Stadtverwaltung:
Am Rathaus 2
47475 Kamp-Lintfort
Postanschrift der
Stadtverwaltung:
Postfach 10 17 60
47462 Kamp-Lintfort
Website: www.kamp-lintfort.de
E-Mail-Adresse: info@kamp-lintfort.de
Politik
Bürgermeister: Dr. Christoph Landscheidt (SPD)

Die Stadt Kamp-Lintfort liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf und im Regionalverband Ruhr.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Räumliche Lage

Kamp-Lintfort liegt in der niederrheinischen Tiefebene, 6 km südwestlich von Rheinberg und 8 km nordwestlich von Moers. Einen Großteil des Stadtgebiets füllt das Waldgebiet „Leucht“ aus, welches zum Staatsforst Xanten gehört.

Stadtgliederung

Bergarbeitersiedlungen prägen große Teile des Stadtbildes. Im Zentrum formen die „Drei Weißen Riesen“ die Skyline von Kamp-Lintfort; mit 95% Leerstand ist dieses stadtplanerische Projekt der späten 60er Jahre inzwischen zum Albtraum mutiert.

thumb|Bergarbeiterhäuschen und die "3 weißen Riesen" in Kamp-Lintfort Die Stadt Kamp-Lintfort gliedert sich in die elf Stadtteile

Nachbargemeinden/-städte

Die Stadt Kamp-Lintfort grenzt im Norden an die Gemeinde Alpen, im Osten an die Stadt Rheinberg, im Süden an die Städte Moers und Neukirchen-Vluyn sowie im Westen an die Gemeinden Rheurdt und Issum im Kreis Kleve.

Geschichte

thumb|800px|Kamp-Lintfort, Kloster Kamp, Terrassengartenpanorama Der Name Kamp kommt vom lateinischen campus und bedeutet Feld. Die Bezeichnung geht auf das Mittelalter zurück, da das Gebiet der Stadt hauptsächlich aus Sumpflandschaft bestand. Das war auch einer der Gründe, warum die Zisterzienser nicht, wie üblich, ihren Ordenssitz auf dem Land bauten, sondern auf eine Erhöhung, den Kamper Berg (Höhe: 45 m), verlegten.

Aus dem Altfränkischen stammt der Name Lintfort, der so viel wie „Saum des Moores“ bedeutet.

Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Jungsteinzeit, etwa 3000 v. Chr. bis 1800 v. Chr. Die früheste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 856: ter eke in boicholt. Am 31. Januar 1123 (damals wurde noch der Julianische Kalender angewandt, deshalb gibt es auch Schriften, die das Jahr 1122 angeben) wurde mit Unterstützung des Kölner Erzbischofs Friedrich I. das erste Zisterzienserkloster auf deutschem Boden gegründet. Ausgehend vom Kloster Kamp wurden etwa 100 weitere Niederlassungen der Zisterzienser gegründet, die sich bis ins Baltikum erstreckten. Nach dem Truchsessischen Krieg (1583 bis 1587) verließ der letzte Abt das Kloster und erst 1640 kamen die ersten Zisterzienser zurück und bauten das Kloster wieder auf. Nach dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1620) begannen die Spanier mit dem Bau der Fossa Eugeniana, die den Rhein mit der Maas verbinden sollte. Dieser Kanal nahm seinen Verlauf direkt am Kloster vorbei. Auf dem Gebiet von Kamp-Lintfort wurden auch mehrere Schanzen zum Schutz gegen die Niederländer errichtet. Nach der französischen Besetzung wurde das Kloster 1802 säkularisiert und die Mönche vertrieben; nur einer blieb, um die Seelsorge des Ortes weiterzuführen.

Nach dem Wiener Kongress1815 fiel ein großer Teil des linken Niederrheins an Preußen und der Ort wurde in den neu gegründeten Kreis Moers eingegliedert. Am 1. Mai1907 erfolgte der erste Spatenstich der Schachtanlage Friedrich-Heinrich und am 1. Juli1912 wurde mit der Kohleförderung begonnen. 1934 wurden die Orte Kamp und Lintfort zur Gemeinde Kamp-Lintfort vereinigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde nur wenig zerstört. Der spätere US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill und Bernard Montgomery trafen sich am 25. März1945 im Kasino der Zeche. Am 12. Februar1950 wurde die am 7. Januar ausgestellte Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte dem Bürgermeister Robert Schmelzing übergeben. 1954 zog der Orden der (beschuhten) Karmeliter mit 9 Ordensleuten in das Kloster ein. 1957 wurde auf dem Zechengelände der Schacht 2 eingeweiht und im Lauf der Zeit zu einem der Wahrzeichen der Stadt. Die Feldhandballmannschaft des TuS Lintfort wurde 1959 mit einem 10:9 über Bayer 04 Leverkusen erstmals deutscher Meister, 1961 konnte der Titel ein weiteres Mal gegen den TSV Ansbach geholt werden. Ab 1963 wurde auf der Schachtanlage Rossenray Kohle abgebaut. Mit der Kreisreform 1975 wurde der Kreis Moers aufgelöst und die Stadt kam zum Kreis Wesel. Der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, plante 2002 mit dem Orden der Karmeliter ein kulturelles und geistliches Zentrum auf dem Kamper Berg, da die Karmeliter den Konvent auflösten und nur ein Ordensangehöriger als Priester im ehemaligen Kloster verblieb. Im Jahr 2003 feierte die Niederlassung der Firma Siemens in Kamp-Lintfort ihr 40jähriges Bestehen. Am 28. November2004 fusionierten alle katholischen Gemeinden der Stadt zu einer einzigen, der Gemeinde St. Josef.

Politik

Stadtrat

Bürgermeister der Stadt Kamp-Lintfort ist Dr. Christoph Landscheidt (SPD).

Die 44 Sitze im Stadtrat verteilen sich nach dem Ergebnis der Kommunalwahl 2004 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:

Partei Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 22
Christlich Demokratische Union 13
Freie Bürgerinitiative 5
Bündnis 90/Die Grünen 3
Freie Demokratische Partei 1

Entwicklung der Einwohnerzahlen

Bis zum frühen 20. Jahrhundert gab es kaum Einwohner auf dem heutigen Stadtgebiet. Außer den Stadtteilen Kamp und Hoerstgen waren die anderen Gebiete recht spärlich bewohnt. 1910 lag die Einwohnerzahl bei etwa 3.000, bis 1939 war sie auf etwa 23.300 angestiegen, eine Folge des Bergbaus, der viele Menschen an Rhein und Ruhr ziehen ließ. Die meisten kamen aus dem deutschen Osten oder aus Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehrere neue Siedlungsgebiete geschaffen und 1960 war die Bevölkerung auf 35.000 Einwohner angewachsen. Bis zum Jahr 2002 ist die Bevölkerung allerdings nur noch sehr langsam auf ca. 40.000 angewachsen und stagniert seitdem, u.a eine Folge des Rückgangs des Kohlebergbaus und des wirtschaftlichen Strukturwandels in der Region.

Stadtwappen

thumb|Stadtwappen der Stadt Kamp-Lintfort

Im Stadtwappen sind die historischen und prägenden Elemente der Stadt verbildlicht: oben links das Wappen der Zisterzienser mit Weltkugel und Pflugschar, in der Mitte ein abstrahiertes Abbild des Klosters und darunter Hammer und Schlägel für das Kohlebergwerk, den größten Arbeitgeber der Stadt. Das Stadtwappen wurde am 9. Dezember 1949 genehmigt.

Städtepartnerschaften

Partnerstädte sind seit dem 4. September 1981 Chester-Le-Street in Nordengland, seit dem 16. September 1989 Cambrai in Frankreich und seit dem 18. April 2004 Zory in Polen.

Außerdem gab es bis April 2005 noch eine Partnerschaft mit dem Flugkörperschnellboot S 64 „Bussard“ des Marinestützpunktes in Warnemünde, welche nach Außerdienststellung des Bootes beendet wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Hier ist das ehemalige Zisterzienser- und Karmeliterkloster Kamp mit dem 1990 rekonstruierten Barockgarten und dem Ordensmuseum zu erwähnen. Außerdem gibt es noch den ehemaligen Adelssitz Haus Dieprahm, der Ende des 20. Jahrhunderts komplett renoviert worden ist. Im Stadtteil Hoerstgen steht in der evangelischen Kirche eine funktionstüchtige Weidtmann-Orgel aus dem Jahr 1732. Ebenfalls in Hoerstgen liegt das Haus Frohnenbruch, ein mittelalterlicher Herrschaftssitz, der erstmals 1304 erwähnt worden ist. Die Ortschaft war während der Zeit des Heiligen Römischen Reiches eine reichsunmittelbare Herrschaft. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Gut Eyll und die angrenzende katholische Kirche, die um 1430 erbaut worden ist. Im frühen 20. Jahrhundert ist in Kamp-Lintfort eine Altsiedlung im Stile einer Gartenstadt entstanden, die im Gegensatz zu den Mietskasernen der Jahrhundertwende sehr aufgelockert ist. Mit 76 ha ist sie die größte erhaltene Werkssiedlung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes und steht heute nach umfangreicher Sanierung und Restaurierung unter Denkmalschutz. (Gehört als westlichste Sehenswürdigkeit zur Route der Industriekultur)

Theater

In der Stadthalle werden Kabarett und Schauspiel angeboten und auf dem Kamper Berg findet jeden Sommer ein Freilichttheater, gestaltet vom Landestheater Burghofbühne statt, das etwa 3.000 Besucher jedes Jahr anlockt.

Museen

Das Ordensmuseum auf dem Kamper Berg zeigt Gegenstände aus der Zeit der Zisterziensermönche. Kostbarstes Ausstellungsstück ist das Kamper Antependium, ein Altarvorhang aus dem 14. Jahrhundert. Das Geologische Museum besitzt einen reichen Fundus an Fossilien, Gesteinen und Mineralien, die im Bereich der Zeche gefunden worden sind. Die Sammlung besteht seit 1907.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr am 1. Mai findet am Eyller Berg ein vom ADAC ausgetragenes Moto-Cross-Rennen statt. Das Rennen wird auch für die deutsche Meisterschaft gewertet.

Auf dem Kamper Berg findet alle 2 Jahre ein mittelalterlicher Markt statt, auf dem verschiedene Lebensmittel dieser Zeit angeboten werden, mittelalterliche Musik gespielt wird und auch künstlerische Darbietungen gezeigt werden.

Infrastruktur und Wirtschaft

Verkehrsinfrastruktur

Flugverkehr

Im Ortsteil Saalhoff gibt es einen Flugplatz für Klein- und Segelflugzeuge.

Busverkehr

Im Straßenpersonennahverkehr verbindet der Schnellbus SB 30 Geldern über Kamp-Lintfort und Moers mit Duisburg.

Straßen

Im Fernstraßenbereich ist Kamp-Lintfort an die Bundesautobahnen A 42 und A 57 (E 31) sowie über die Bundesstraße 510 angebunden.

Unternehmen

Kamp-Lintfort ist stark vom Bergbau geprägt. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet auch immer noch im heutigen Bergwerk West, früher Friedrich-Heinrich. Mit dem Gewerbegebiet Dieprahm und einigen Industriegebieten ist eine Strukturänderung angestrebt. Ein weiterer großer Betrieb ist die Firma Siemens, die hier Mobiltelefone herstellt. Der Siemens-Standort in Kamp-Lintfort ist seit 2004 allerdings akut gefährdet.

Literatur

Weblinks

See also: Kamp-Lintfort, 1. Juli, 1. Mai, 1122, 1123, 12. Februar, 1304, 14. Jahrhundert