Kapitalflucht
Kapitalflucht bezeichnet den umfangreichen und plötzlichen Transfer von Vermögen, Geld, Edelmetallen oder Sachwerten ins Ausland bzw. den Rückgang der Nachfrage nach Aktiva in der inländischen Volkswirtschaft.
Das Ziel der Kapitalflucht ist dabei die Werterhaltung oder die Umgehung inländischer Steuern. Das Phänomen Kapitalflucht steht damit regelmässig in Zusammenhang mit staatlichem Handeln. Kapitalflucht kann oft als "Abstimmung mit den Füssen" gewertet werden, da der Produktionsfaktor Kapital aufgrund seiner hohen Mobilität schneller transferiert werden kann als andere Produktionsfaktoren. Erwarten die Wirtschaftssubjekte eine ungünstige Änderung des (Steuer)Rechtssystems, reagieren sie entsprechend mit Abzug ihres Kapitals.
Das Ausmass einer Kapitalflucht ist auch ein wichtiger Indikator für die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte für die zukünftige Bank- und Anlagensicherheit ihres Kapitals. So wird z.B. geschätzt, dass es in Deutschland aufgrund der Einführung der sog. "automatisierten Kontenabfrage" eine Kapitalflucht von ca. 50 Mrd. Euro allein nach Österreich gab.
Im ersten Quartal 2005 sind Mittel im Rekordwert von 150,4 Milliarden Euro ins Ausland geflossen, wie das Magazin «Focus» unter Berufung auf die Deutsche Bundesbank berichtet. Damit haben sich die Netto-Kapital-Exporte im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2004 fast verdoppelt
In den Medien wird eine Kapitalflucht gelegentlich dramatisiert. Dies soll durch nachfolgendes Beispiel verdeutlicht werden.
Beispiel
Gerade Luxemburg gilt vielen als Beispiel für eine Volkswirtschaft, in die deutsches Kapital gelangt. Wenn teilweise Milliardenbeträge aus Deutschland auf luxemburgische Konten gebracht werden, dann geht damit keineswegs Investivkapital verloren, wie gelegentlich behauptet wird.
Dies wird deutlich, wenn man sich fragt, wo in dem kleinen Staat Luxemburg solche Milliardenbeträge zinsträchtig angelegt werden sollten. Stattdessen ist vielmehr damit zu rechnen, dass dies wieder in Deutschland geschieht. Eine entscheidende Rolle spielt somit der Wirtschaftskreislauf.
Lediglich durch die Inanspruchnahme der Dienstleistungen luxemburgischer Banken profitieren diese zum Nachteil deutscher Banken.
