Karabiner (Gewehr)

Der Karabiner (aus dem französischen 'carabine' »Büchse, Stutzen, kurzer Reiterkarabiner«, wohl von 'carabin' »leichter Reiter«) ist ein leichtes Militär-Gewehr mit verkürztem Lauf.

Karabiner wurden ursprünglich für die Kavallerie und bespannte Truppen, z. B. die Feldartillerie, entwickelt, da Infanteriegewehre beim Einsatz zu Pferd zu unhandlich waren. Neben dem verkürzten Lauf (bei ca. 1 m Gesamtlänge der Waffe) verfügten Karabiner oft über einen Ring an der linken Seite, in den der Karabinerhaken eingehakt werden kann, damit der Karabiner nach dem Schuss einfach fallengelassen werden konnte, um den Kampf mit Pistolen oder der "blanken Waffe" (Säbel, Lanze) fortzusetzen.

Die Grundeinteilung der militärischen Langwaffen in Infanteriegewehre, (Jägerbüchsen) und Karabiner blieb bis in die Zeit des 1. Weltkriegs gültig.

Deutsche Karabiner in der jüngeren Vergangenheit:

Seit 1898 war im deutschen Kaiserreich das Gewehr 98 der Mauser-Werke in Oberndorf/Neckar als Standard-Infanteriegewehr eingeführt. Parallel dazu entstand der Karabiner 98a, erkenntlich an dem fast bis zur Mündung reichenden Ganzschaft mit Handschutz, einem seitlich angesetzten Dorn zum Zusammensetzen mehrerer Karabiner, dem mit einem Scharnier aufklappbaren Oberring.

Der Karabiner 98a blieb eine Notlösung, weil die Kürzung des Laufes zunächst nicht durch eine entsprechende Anpassung der Munition begleitet war: Rückstoß und Mündungsfeuer waren extrem und setzten der praktischen Verwendbarkeit enge Grenzen. Karabiner 98a wurden nach dem 1. Weltkrieg nicht mehr gefertigt und sind heute gesuchte Sammlerwaffen.

In der Zwischenkriegszeit führte die deutsche Reichswehr den sog. Karabiner 98b. Es handelt sich im Grunde um ein Infanteriegewehr 98 in voller Baulänge, mit lediglich nach Karabinerart umgebogenem Kammerstengel und seitlicher Riemenbefestigung.

Mit der Einführung eines neuen, schwereren Geschosstyps für die deutsche Standardpatrone 8*57 IS wurde die Entwicklung eines "echten" Karabiners als moderner Infanteriewaffe greifbar. Die Konzeption begann bei Mauser etwa um 1924. Über verschiedene Zwischenstufen und Prototypen (Mauser Standardgewehr, Mauser-Banner) führte sie zum Karabiner K 98k, der ab 1935 (mit Wiedereinführung der allg. Wehrpflicht) als Standardwaffe an die deutschen Streitkräfte ausgegeben wurde.

Mauser Karabiner K 98k

thumb|200px|Ein Karabiner 98k Der Karabiner K 98k (landläufig schlicht als 98k, oder auch scherzhaft als "Braut des Soldaten" bezeichnet), ist die letzte Entwicklungsstufe von Repetiergewehren als militärischer Standardbewaffnung. Seine Gesamtlänge beträgt 110 cm, sein Gewicht - je nach Ausführung - rund 3,5 kg. Er verschießt die Patrone 8*57 IS mit schwerem Spitzgeschoss. Vorkriegswaffen und Waffen aus der frühen Kriegszeit sind von vorzüglicher Fertigungsqualität und mit Schäften aus Nussbaum bzw. Rüster (Ulmenholz) versehen. Ab 1941 wurden Schäfte für den K 98k aus laminiertem Buchenschichtholz hergestellt, die Oberflächenbearbeitung bis 1945 immer mehr "entfeinert". Metallteile (v. a. die Beschläge) wurden zunehmend aus Blechprägeteilen statt gefrästem Stahl hergestellt. Funktion und Präzision der späten Ausführungen sind deshalb aber nicht schlechter. Leicht modifizierte Ausführungen wurden auch exportiert, z. B. an Portugal (die Karabiner der zwei sog. "Portugalkontrakte" sind heute als Sport- und Sammlerwaffen hoch begehrt).

Während des 2. Weltkrieges wurde eine weiter verkürzte Version für Gebirgs- und Fallschirmjäger bei den Waffenwerken Brünn gefertigt, das sog. Gebirgsjäger-Gewehr 33-40.

Nach Kriegsende wurden K 98k kurzfristig für die Besatzungsmächte weiterproduziert. Kopien und Modifikationen wurden auch weiterhin in der damaligen Tschechoslowakei und in Jugoslawien gefertigt. Deutsche Beutewaffen (insbesondere K 98k und MP 38/MP 40) bildeten die Erstaustattung der israelischen Streitkräfte ab 1948.

Die "kasernierte Volkspolizei" in der Sowjetischen Besatzungszone und die "Betriebskampfgruppen" im kommunistischen Machtbereich führten den K 98k neben anderen Waffen der deutschen Wehrmacht. In der Bundesrepublik Deutschland waren zunächst Zoll und Bundesgrenzschutz mit K 98k ausgerüstet, daneben auch Verbände der Bereitschaftspolizei. Noch in den 50er Jahren erschien der, bei der Fa. Sauer & Sohn gefertigte, sog. "Zollkarabiner" auf Basis des 98k.

Für die Bewaffnung der neuaufgestellten Bundeswehr ab 1955 kamen Karabiner dagegen von Anfang an nicht in Frage, weil schon in der Endphase des 2. Weltkriegs die meisten Nationen den Wandel zum Selbstladegewehr/Selbstladekarabiner (siehe auch: Selbstlader, z. B. Deutschland: K 43; Sowjetunion: SKS; USA: M1 Garand und .30 M1 Carbine) bzw. zum Sturmgewehr (Deutschland: StGw 44) vollzogen hatten. Dessen ungeachtet führt das Wachbataillon der Deutschen Bundeswehr bis heute den K 98k als Paradewaffe.

Mit der Entwicklung des Ordonnanzgewehr-Schießens durch verschiedene Sportverbände haben historische Karabiner heute große Bedeutung als Sport- und Sammlerwaffen. Vielfach wurden auch vorhandene Militärwaffen zu Jagdgewehren umgearbeitet.

Technische Daten

Kaliber 7,92 mm (8 x 57 IS) sS Patrone
Gesamtlänge 1110 mm
Lauflänge 600 mm
Gewicht 3900 g
Magazinkapazität 5-Schuss

Weblink

See also: Karabiner (Gewehr), 1. Weltkrieg, 1898, 1924, 1935, 1941, 1945, 1948, 1955, 2. Weltkrieg