Karatschi
thumb|275px|Karte von Pakistan mit Karatschi
Karatschi (کراچي) ist die größte Stadt Pakistans. Sie ist Wirtschafts-, Handels- und Produktionszentrum und bedeutendster Hafen des Landes sowie Hauptstadt der Provinz Sindh. In der eigentlichen Stadt leben 10.752.523 Menschen, in der Agglomeration 11.627.378 (Stand jeweils 1. Januar 2005).
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Geografie
Geografische Lage
Karatschi liegt am westlichen Rand des Mündungsdeltas des Indus in das Arabische Meer in einer Ebene, die von Hügeln an den westlichen und nördlichen Grenzen der städtischen Wucherungen umgeben ist, durchschnittlich 22 Meter über dem Meeresspiegel.
Zwei Flüsse fließen durch die Stadt, der Malir vom Nordosten bis zum Zentrum und der Liari vom Norden bis zum Süden. Viele andere kleinere Flüsse und die Abwässer fließen von den westlichen und nördlichen Stadtteilen in Richtung Süden. Der Hafen Karatschis liegt in einer geschützten Bucht im Südwesten der Stadt. Die geografischen Koordinaten sind 24,54 Grad nördlicher Breite und 67,08 Grad östlicher Länge
Stadtgliederung
thumb|200px|Klimadiagramm Karatschi Karatschi gliedert sich in folgende 18 Stadtbezirke: Baldia, Bin Qasim, Gadap, Gulberg, Gulshan, Jamshed, Kemari, Korangi, Landhi, Liaquatabad, Lyari, Malir, New Karachi, North Nazimabad, Orangi, Saddar, Shah Faisal und SITE.
Klima
Die Stadt befindet sich am Rand tropischen Klimazone. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen 18 Grad Celsius im Januar und 31,3 Grad Celsius im Juni; die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 25,9 Grad Celsius.
Nur der Monat Juli ist humid, insgesamt fallen nur 202 Millimeter Niederschlag im Jahr, da der Süden Pakistans nur noch randlich von den Ausläufern des Sommermonsuns gestreift wird. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juli mit durchschnittlich 86 Millimeter, kein Niederschlag fällt im Monat Mai.
Geschichte
Das Gebiet, aus dem Karatschi jetzt besteht, war ursprünglich eine Gruppe kleiner Dörfer einschließlich der Ortschaft Eekalachi-jo-kun und der Festung Manora. Ein Admiral Alexander des Großen (356 v. Chr.-323 v. Chr.) segelte zum Ende seiner Eroberungen zu einem Ort mit Namen Krokola, bei dem es sich vermutlich um Karatschi handelte. Als Muhammad bin Qasim im Jahre 712 nach Indien kam, eroberte er die Ortschaft Debul, die wahrscheinlich auf dem heutigen Stadtgebiet von Karatschi lag.
1729 verwandelte sich Kolachi-jo-Goth von einem Fischerdorf in eine Handelsniederlassung, als es zum Hafen für den Handel mit Maskat und Bahrain ausgewählt wurde. In den folgenden Jahren wurde eine Festung gebaut und mit Kanonen aus Maskat bewaffnet. Sie hatte zwei Zugänge, einer mit Blick zum Meer, genannt Khara Darwaza (Brackiges Tor), und einer mit Blick zum Lyari-Fluss, genannt Meetha Darwaza (Süßes Tor). 1795 wurde die Stadt vom Khan von Kalat an den Talpur-Herrscher von Sindh übertragen.
Karatschi erlangte eine Position als Haupthafen und wurde infolge dessen eine wichtige Stadt. Die Bedeutung von Indus und Sindh bewog die Briten, die Stadt am 3. Februar 1839 zu erobern. Damit begann eine Ära ausländischer Herrschaft und kolonialer Unterordnung, die ihr Ende erst 1947 fand. Ein berühmtes Zitat über Karatschi, das General Charles Napier (1782-1853) zugerechnet wird, lautet: "would that I could come again to see you in your grandeur!". Napiers Zitat prophezeite, das Karatschi unter britischer Herrschaft, nach dem Ausbau seines Hafens, wachsen würde.
Am 10. September 1857 schwor die 21. Infantriedivision, die aus Einheimischen bestand und in Karatschi stationiert war, dem Kaiser Bahadur Shah Zafar die Gefolgschaft und beteiligte sich am Unabhängigkeitskrieg von 1857. Sie ist von den Briten geschlagen worden, die die Kontrolle innerhalb weniger Tage wiedererlangten. Während des nordamerikanischen Bürgerkriegs war Karatschi auch Hauptausfuhrhafen für Baumwolle. Die Cholera ist hier wiederholt (1866, 1868 und 1870) mit großer Heftigkeit aufgetreten.
1876 wurde der Gründer Pakistans, Muhammed Ali Jinnah, in der Stadt geboren und nach seinem Tode 1948 auch begraben. Karatschi war mittlerweile eine Stadt mit Eisenbahnen, Kirchen, gepflasterten Straßen, Gerichten, vielen kommerzielen Zentren und einem prächtigen Hafen. Viele der Gebäude waren in klassischem britischen Stil gebaut und kontrastierten mit dem "Mughal Gothic" in Lahore. Einige dieser alten Gebäude stehen immer noch und sind interessante Ziele für Besucher.
Im 19. Jahrhundert erlangte die Stadt wegen der überraschenden Zunahme des Weizenanbaus in den nordwestlichen Provinzen eine kommerzielle Bedeutung und rivalisierte in dieser Hinsicht mit Bombay. Die Stadt, am Nordende des Indusdeltas gelegen, nahm infolge der Versandung von Schah Bandar einen schnellen Aufschwung. Im Jahre 1881 hatte Karatschi 73.560 Einwohner, davon 5.228 im Cantonment.
Die Bedeutung der Stadt wuchs weiter angesichts seiner Position als Haupthafen. Eine Eisenbahnverbindung verband Karatschi seit den 1880er Jahren mit dem Rest von Britisch-Indien. 1899 galt Karatschi als größter weizenexportierender Hafen in Osten. 1911, als die Hauptstadt nach Delhi verlegt worden ist, bekam Karatschi die Bedeutung eines Tors nach Indien. Karatschi wurde 1936 zur Hauptstadt der neugeformten Provinz Sindh erklärt und dabei der traditionellen Hauptstadt Hyderabad vorgezogen. Karatschi war bis 1959 auch Hauptstadt Pakistans.
In den letzten 20 Jahren ist Karatschi weiter gewachsen und hat inzwischen etwa 11 Millionen Einwohner. Es ist eine Stadt mit sehr unterschiedlichen Wohngegenden, sie reichen von den hochwertigen Gegenden Clifton und Defense zu zahlreichen Slums, die Wohnorte der großen Zahl von Migranten sind, die nach Karatschi geströmt sind auf der Suche nach Zukunftschancen. Aktuelle Probleme Karatschis sind die steigende Kriminalität und zahlreiche ethnische Konflikte, die Pakistan immer noch erschüttern. Karatschi war das Epizentrum zahlreicher Unruhen während der 1980er Jahre und ist weiterhin Schauplatz von religiöser Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten.
Der momentante wirtschaftliche Aufschwung in Pakistan hat einen plötzlichen Wachstumsschub in Karatschi geschaffen, so dass auch die Zahl der Arbeitsplätze zunimmt und die Infrastruktur sich im Laufe der Zeit verbessert.
Ein al-Qaida-Mitglied mit Namen Tawfiq bin Attash wurde 2003 in Karatschi verhaftet.
Bevölkerungsentwicklung
Die Einwohnerschaft der Stadt ist in einer enormen Rate gewachsen. Sie hat sich seit Mitte der 1950er Jahre verzehnfacht. Karatschi gehört gegenwärtig zu den größten Städten der Welt. Infolge dessen sieht sich Karatschi Problemen gegenüber, die für viele sich entwickelnde Metropolen zentral sind: Landflucht, Überbevölkerung, Verkehr, Terrorismus, Kriminalität. Karatschi ist insbesondere berüchtigt für den Kampf der ethnischen Gruppen gegeneinander. Ein anderes Hauptproblem Karatschis ist der enorme Gegensatz zwischen reich und arm.
Während viele begüterte Menschen in Karatschi einen sehr hohen Lebensstandard haben, leben die armen Einwohner Karatschis häufig in den Slums am Rande der Stadt. Die Größe Karatschis brachte auch viele Terroristen dazu, in Karatschi ihre Basis aufzuschlagen und infolgedessen sind Anschläge von militanten, mit Al-Qaida verbundenen Gruppen gegen Ausländer verübt worden.
In der eigentlichen Stadt Karatschi ohne Vorortgürtel leben gegenwärtig 10,7 Millionen Menschen auf einer Fläche von 845 Quadratkilometer. Die Bevölkerungsdichte beträgt 12.725 Einwohner je Quadratkilometer. In Berlin sind es zum Vergleich 3.800. Die momentane Bevölkerungszahl im Ballungsgebiet liegt bei 11,6 Millionen. Die Fläche der Metropolregion beträgt 2.645 Quadratkilometer. Im die Stadt umgebenden ländlichen Gebiet leben auf einer Fläche von 1.800 Quadratkilometern etwa 900.000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte dort liegt bei 486 Einwohner je Quadratkilometer.
Die Bevölkerungsverteilung: Männer bilden 53,7 % der Einwohner Karatschis. 37,6 % der Einwohner sind unter 15 Jahre. 4,4 % sind älter als 50. 70,1 % sind des Lesens und Schreibens kundig. 22,1 % sind Immigranten. Der Volkszählung von 1998 zufolge sind die Sprachen folgendermaßen verteilt: Urdu 48,52 %; Pandschabi 13,94 %; Sindhi 7,22 %; Pushto 11,42 %; Balochi 4,34 %; Seraiki 2,11 %; Andere 12,4 %. Die anderen Sprachen schließen Gudscharati, Brahui und Bengali ein. Die Religionen sind folgendermaßen vertreten: Muslime 96,45 %; Christen 2,42 %; Hindus 0,83 %; Qadiani 0,17 %, Andere 0,13 %. Die anderen Religionen schließen Parsis und Buddhisten ein.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1998 handelt es sich um Volkszählungsergebnisse, 2005 ist eine Berechnung. Die Zahlen beziehen sich auf die eigentliche Stadt ohne Vorortgürtel.
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Politik
Die Stadt wird von der Bezirksregierung Karatschis (CDGK) verwaltet. Die CDGK hat einen gewählten Stadtrat, der das CDGK überwacht. Gegenwärtig ist Herr Niamatullah Khan Bürgermeister Karatschis. Jeder Stadtbezirk hat einen eigenen Bezirksrat und Bürgermeister.
Das gegenwärtige Stadtregierungsystem wurde im Jahre 2000 eingerichtet. Das hat einige Spannungen zwischen der Stadtregierung und den bestehenden Amtsgewalten und Stadtbehörden hervorgerufen, infolge leichter Verwirrung betreffend die Verteilung der Macht.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die wichtigste touristische Sehenswürdigkeit der Stadt ist das Mausoleum des Begründers von Pakistan, Muhammad Ali Jinnah. Die Masjid e Tooba ist eine sehr schöne Moschee in der Stadt. Das Nationalmuseum, Mohatta Palastmuseum, Pakistanische Luftwaffenmuseum und Pakistanische Marinemuseum katalogisieren die Geschichte des heutigen Pakistan und Südasien.
Alte Gebäude wie die Wazir Villa und Hindu Gymkhana sind ebenso touristische Attraktionen. Die Frere Hall, Denso Hall und Khaliqdina Hall sind eine Gruppe alter Gebäude mit interessanter Architektur und Geschichte.
Der Strand von Clifton in Karatschi ist einer der schönsten und längsten Strände der Welt. Bedauerlicherweise ist er sehr verschmutzt und wurde nicht zu einer Haupteinnahmequelle.
Nahe der Stadt befindet sich das Gräberfeld von Chaukandi aus dem 16. bis 18. Jahrhundert mit stufenförmigen Sandsteingrabmälern, die kunstvoll verziert sind.
Wirtschaft und Infrastruktur
Karatschi besitzt eine vielseitige Industrie. Die Wirtschaft der Stadt konzentriert sich auf Eisengewinnung, Zementwerke, Getreidemühlen und Schiffbau, aber auch Stahl, Textilien, Chemikalien, raffiniertes Erdöl, Schuhe, Maschinen und Nahrungsmittel werden in der Stadt erzeugt.
Karatschi ist Standort eines Kernkraftwerkes, vieler großer Banken und hat eine eigene Börse. Da Afghanistan keinerlei Küstenhafen besitzt, wird sein Handel ebenso wie ein Großteil des pakistanischen Seehandels, dazu gehören unter anderem Baumwolle und Weizen, über den modernen Seehafen von Karachi auf der Insel Kiamari abgewickelt.
Verkehr
Karatschi sieht sich einem schweren Verkehrskollaps gegenüber. Die Anzahl der Autos ist zu groß für die Straßen. Das macht das Fahren in der Stadt gefährlich und verursacht hohe Zeitverluste in Folge von Staus. Viele innerstädtische Straßen sind in schlechtem Zustand, was das Verkehrsproblem nur noch vergrößert. Die Luftverschmutzung in Folge von Auto- und Industrieabgasen ist sehr hoch.
Durch ein gut ausgebautes Straßen- und Schienennetz wurde die Stadt an das internationale Verkehrssystem angeschlossen und besitzt einen modernen Flughafen, der von internationalen Fluglinien zum Auftanken angeflogen wird.
Bildung
Die Stadt ist Sitz der im Jahre 1951 gegründeten Universität Karatschi, der 1922 eröffneten Universität für Ingenieurswesen und Technologie (NED) sowie mehrerer Hochschulen.
Weblinks
- Karatschi (Regierungsseite)
- Karatschi Profil
- Karatschi Börse
- Karachi International Airport
- Karatschi Hafen
