Karl Haushofer
Karl Haushofer *geb. am 27. August 1869 in München; †13. März 1946 in Pähl bei Andechs (Suizid). Generalmajor, Prof. Dr. (Geograph), Geopolitiker.
| Inhaltsverzeichnis |
Leben
Als Sohn eines Professors für Staatswissenschaft absolvierte er die bayerische Kadettenschule, und die bayerische Militärakademie. Danach diente er als Offizier im bayrischen Heer. Als bayerischer Militärbeobachter war er 1909/10 nach Japan abkommandiert. Auf dem Hinweg besuchte er Indien und Singapur, auf dem Rückweg durchquerte er mit der Transsibirischen Eisenbahn den gesamten asiatischen Kontinent. Die Erfahrungen in Ostasien prägten Haushofers geopolitische Theorie eines "Kontinentalblockes", d.h. einer Kooperation zwischen Deutschland, Russlands (bzw. der UdSSR) und Japans.
Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Artillerist und schied nach dem Krieg als Generalmajor aus dem aktiven Dienst aus. Von 1919/21 - 1939 war er Honorar-Professor der Geographie an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München (ab 1933 durfte er sich ordentlicher Professor nennen, hatte aber dennoch nie einen eigenen Lehrstuhl). Weiterhin bekleidete er 1933-36 das Amt des Präsidenten der deutschen Akademie, deren Hauptsitz ebenfalls in München war. Insbesondere in den 1920er Jahren nahm er - vor allem über seinen Duz-Freund Rudolf Heß - Einfluss auf das Denken Adolf Hitlers.
Haushofer war einer der Hauptvertreter der Geopolitik, die eine Verbindung geographischen und politischen Denkens forderte. Er gab zwischen 1924 und 1944 die "Zeitschrift für Geopolitik" heraus. Insgesamt umfasst Haushofers Oevre knapp 40 Bücher und mehrere Hundert Artikel, Rezensionen, Nachrufe etc. 1/3 seiner Bücher und über die Hälfte seiner unselbständigen Publikationen behandeln Japan, den Pazifik oder Ostasien, was in den Darstellungen über Haushofer meist übersehen wird.
In seinen Vorlesungen schuf er ein theoretisches System, das auf den Ideen Alfred Thayer Mahans (USA), Halford Mackinder (U.K.), Friedrich Ratzels (Deutschland) und Rudolf Kjelléns (Schweden) aufbaute und das sich im Ansatz bei Historikern wie Herodot bis Leopold von Ranke finden ließ.
NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg, Richard Walter Darré sowie Adolf Hitler selber verwendeten den von Haushofer politisierten Begriff "Lebensraum" für ihre Zwecke. Damit wurde der NS -Rassentheorie als Ergänzung eine expansionistische Auffassung des Raums gegeben, verbunden mit der Doktrin, daß die Zukunft Deutschlands im Osten liegen würde. Nach dem Scheitern der "Appeasement" Politik (Münchner Konferenz 1938) wuchs Haushofers Skepsis gegenüber der Politik des Nationalsozialismus, ohne daraus jedoch tiefgreifende Konsequenzen zu ziehen. Ein Grund hierfür dürfte der Umstand gewesen sein, daß seine Frau halbjüdischer Herkunft war.
Haushofer war ein Nationalist alter Schule. Der NS-Rassenwahn war ihm fremd. Dennoch haben seine Schriften in verhängnisvoller Weise zur Rechtfertigung des nationalsozialistischen Lebensraumprogrammes beigetragen.
Sein Sohn war der Schriftsteller und Geograf Albrecht Haushofer (geb. 1903), der am 23. April 1945 in Berlin von der Gestapo erschossen wurde. Da er den Tod seines Sohnes nicht verwinden konnte, nahm er sich das Leben.
Stefan Zweig schrieb 1952 über Haushofer:
"Bald erwies es sich, daß er einer der ersten war, der systematisch und großzügig an einen Neuaufbau der deutschen Machtposition dachten. Er gab eine Zeitschrift für Geopolitik heraus, und wie es so oft geht, verstand ich nicht den tieferen Sinn dieser neuen Bewegung in ihrem Beginn. Ich meinte redlich, daß es sich nur darum handele, das Spiel der Kräfte im Zusammenwirken der Nationen zu belauschen, und selbst das Wort "Lebensraum" der Völker, das er, glaube ich, als erster prägte, verstand ich im Sinne Spenglers nur als relative, mit den Epochen wandelbare Energie, die im zeitlichen Zyklus jede Nation einmal auslöst... Persönlich hat in der Partei Haushofer, soviel ich weiß, nie eine sichtbare Stellung eingenommen, ist vielleicht sogar nie PG [Partei-Genosse] gewesen; ich sehe in ihm keineswegs wie fingerfertige Journalisten heute eine dämonische "graue Eminenz", die im Hintergrunde versteckt, die gefährlichsten Pläne ausheckt und sie dem Führer soufflierte. Aber daß es seine Theorien waren, die mehr als Hitlers rabiateste Berater die aggressive Politik des Nat.-Soz. unbewußt oder bewußt aus dem eng Nationalen ins Universelle getrieben, unterliegt keinem Zweifel; erst die Nachwelt wird mit besserer Dokumentierung, als sie uns Zeitgenossen zur Verfügung steht, seine Gestalt auf das richtige historische Maß bringen..."
- in: Die Welt von Gestern, 1952, S. 174 - 176)
Werke
- Dai Nihon, Betrachtungen über Groß-Japans Wehrkraft, Weltstellung und Zukunft (Dissertation), 1913
- Grundrichtung in der geographischen Entwicklung des japanischen Reiches 1854 - 1919 (Habil.-Schrift), 1919
- Japan und die Japaner. Eine Landes- und Volkskunde, 1923
- ab 1924 Herausgeber der Zeitschrift für Geopolitik
- Geopolitik des Pazifischen Ozeans, 1925
- Der Rhein, Sein Lebensraum - Sein Schicksal, 1928/30 (2 Bände)
- Die Grossmächte vor und nach dem Weltkriege, 1930
- Japans Reichserneuerung. Strukturwandlungen von der Meiji-Ära bis heute, 1930
- (2) Der nationalsozialistische Gedanke in der Welt, Georg D.W. Calwey Verlag, München 1933
- Japan und die Japaner. Eine Landes- und Volkskunde, 1933 (2. Auflage)
- Wehrwille als Volksziel, 1934
- Raumüberwindende Mächte, 1934
- Weltpolitik von heute, 1934
- Das Reich.Grossdeutsches Werden im Abendland, 1934
- Geopolitische Grundlagen, 1935
- Geopolitik des Pazifischen Ozeans Studien über die Wechselbeziehungen zwischen Geographie und Geschichte, 1938
- Deutsche Kulturpolitik im Indopazifischen Raum, 1939
- Deutsche Kulturpolitik, 1940
- Japan baut sein Reich, 1941
- Weltmeere und Weltmächte, 1941
Literatur
- Jacobsen, Hans-Adolf: Karl Haushofer - Leben und Werk (2 Bände). Boppard am Rhein : Boldt, 1979. ISBN 3764616482.
- Heske, Henning: Karl Haushofer: his role in German politics and in Nazi politics. In: Political Geography 6 (1987), S. 135-144.
- Spang, Christian W.: „Karl Haushofer und die Geopolitik in Japan. Zur Bedeutung Haushofers innerhalb der deutsch-japanischen Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg“, in: Irene Diekmann et al. (Hrsg.), Geopolitik. Grenzgänge im Zeitgeist, Bd. 2, Potsdam, 2000, S. 591 - 629.
- Spang, Christian W.: „Karl Haushofer und Japan. Der Einfluss der Kontinentalblocktheorie auf die Japanpolitik des Dritten Reiches“, in: Hilaria Gössmann et al. (Hrsg.), 11. Deutschsprachiger Japanologentag in Trier 1999, Bd. 1, Münster, 2001, S. 121 - 134.
- http://www.hohle-erde.de/body_neuschwabenland.html
Weblinks
Haushofer, Karl Haushofer, Karl Haushofer, Karl Haushofer, Karl Haushofer, Karl Haushofer, Karl Haushofer, Karl Haushofer, Karl
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haushofer, Karl |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Militär und Geopolitiker |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1869 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 13. März 1946 |
| STERBEORT | Pähl bei Weilheim in Oberbayern |
