Karl Martell

Karl Martell, der Hammer (* ca. 689; † 22. Oktober 741 in Quierzy) war ein fränkischer Hausmeier aus dem Geschlecht der Arnulfinger, großmütterlicherseits aus dem der Pippiniden, das in der Folge nach ihm Karolinger genannt wurde.

Karl regierte von 714 bis 741 als Hausmeier die fränkischen Teilreiche. Im Teilreich Austrien war er dabei 715 bis 717, 718 bis 720 und 737 bis 741 sogar - in Ermangelung eines Königs - Staatsoberhaupt. Das gleiche gilt für das Teilreich Neustrien in den Jahren 737 bis 741.

Nach dem Tod seines Vaters Pippin des Mittleren setzte sich Karl Martell in der Nachfolgefrage gegen seine Stiefmutter Plektrud und deren minderjährige Enkel durch. In der gleichen Zeit besiegte er, von seiner Machtbasis in Austrasien ausgehend, mehrere neustrische Machthaber. Seine militärischen Erfolge galten den Zeitgenossen als ein Beweis für das "Heil" der karolingischen Familie und festigten den Bestand des Frankenreichs.

Sein berühmtester Sieg, die Schlacht von Tours und Poitiers gegen die aus Spanien einfallenden Mauren im Jahre 732, bei der der maurische Anführer Abd ar-Rahman fiel, wird oft als "Rettung Europas" vor den einfallenden Muslimen angesehen, obwohl sie als Einzelereignis eher unbedeutend war und im Zusammenhang mit weiteren Kämpfen gegen die Araber gesehen werden muss. Die in der Folge dieser Schlacht eingeführte Heeresreform sollte jedoch von geschichtlicher Bedeutung sein: Karl ließ eine schwere gepanzerte Reiterei aufstellen (im Gegensatz zu den bis dahin vorherrschenden freibäuerlichen Fußtruppen) und stattete die Ritter mit Lehen aus, womit er einen entscheidenden Impuls für die Herausbildung des Lehenswesens im Frankenreich gab.

Neben den innerfränkischen Auseinandersetzungen und der Abwehr der Mauren führte Karl Martell Krieg gegen Sachsen, Friesen, Thüringer, Alemannen und Bayern. Diese Feldzüge dienten der Grenzsicherung und der Ausdehnung des Reiches. Karl trieb auch die nachfolgende christliche Missionierung dieser Gebiete voran, teilweise in Zusammenarbeit mit Bonifatius. Letzteres brachte ihn aber in Konflikt mit dem neustrischen Episkopat, das sich durch die Bistumsgründungen Bonifatius' bedroht sah. In Karls Regierungszeit fiel auch das erste Hilfsgesuch eines Papstes an einen Frankenherrscher, als die Langobarden 739 Rom belagerten. Karl kam dieser Bitte, mit der ein Bündnisangebot einherging, nicht nach. Unter seinen Nachfolgern sollte das Bündnis mit dem Papst zu einer entscheidenden politischen Konstante werden.

Während seiner Amtszeit verloren die merowingischen Könige des Frankenreichs weiter an Bedeutung und Einfluss.

Kurz vor seinem Tod teilte Karl Martell sein Reich zwischen seinen Söhnen Karlmann und Pippin auf. Karlmann bekam Austrien, Alemannien und Thüringen, Pippin Neustrien, Burgund und die Provence. Als Grabstätte wählt Karl Martell das Kloster Saint-Denis, wo mehrere fränkische Könige beigesetzt waren. Damit unterstrich er den Anspruch seiner Familie auf die Königswürde.

Der Name Karl bedeutet so viel wie "Kerl" oder "Mann". Sein Beiname "Martell" bedeutet "der Hammer", ist jedoch nicht zeitgenössisch.

Nachkommen

Erste Ehe: Karl heiratete Chrotrud († vor 725).

Zweite Ehe: Karl heiratete Swanahilde illustris matrona, 725-741 bezeugt, Nichte Herzog Odilos von Bayern.

Dritte Verbindung: N.N. (möglicherweise Ruadheid)

Hinweis: Karl Martell (Karl Hermann Martell) ist auch der Name eines deutschen Schauspielers und Regisseurs (* 1906 in Tilsit; † 1966 in Hamburg).

Literatur

Weblinks


Kategorie:Franke Kategorie:Mann

Personendaten
Karl Martell
fränkischer Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger
ca. 689
22. Oktober 741
Quierzy

See also: Karl Martell, 22. Oktober, 689, 732, 741, 753, 787, Abd ar-Rahman, Agilolfinger