Karlheinz Deschner
Karlheinz Deschner (* 23. Mai 1924 in Bamberg; eigentlich: Karl Heinrich Leopold Deschner) ist freier Schriftsteller und lebt in Haßfurt am Main.
Deschner studierte Jura, Theologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte und promovierte schließlich in der Germanistik zum Dr. phil. mit einer Arbeit über "Lenaus Lyrik als Ausdruck metaphysischer Verzweiflung". 1956 veröffentlichte er den Roman "Die Nacht steht um mein Haus", dann die ästhetische Streitschrift "Kitsch, Konvention und Kunst" 1957. Es folgten mehrere Werke der kritischen Betrachtung der Kirchengeschichte, Schriften zur Literatur- und Gesellschaftskritik sowie 3 Bände mit Aphorismen.
Seit 1970 schreibt Karlheinz Deschner an seinem auf 10 Bände angelegten Hauptwerk Kriminalgeschichte des Christentums, von der bislang die ersten acht Bände (bis 1555) erschienen sind.
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Preise und Auszeichnungen
1988 erhielt Karlheinz Deschner den Arno-Schmidt-Preis, 1993 den Alternativen Büchnerpreis und im gleichen Jahr als erster Deutscher den "International Humanist Award" der International Humanist and Ethical Union. Zudem wurde Deschner 2001 mit dem Erwin-Fischer-Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und dem Ludwig-Feuerbach-Preis des Bundes für Geistesfreiheit, Bayern, ausgezeichnet.
2004 wurde Deschner selbst Namensgeber eines Preises. Auf dem Festakt zum 80. Geburtstag des Schriftstellers gab die Giordano-Bruno-Stiftung bekannt, dass sie künftig alle zwei Jahre einen mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis ("Deschnerpreis") vergeben wird. Mit dem Deschnerpreis sollen Personen oder Organisationen ausgezeichnet werden, "die - wie der Namensgeber Karlheinz Deschner - in besonderem Maße zur Stärkung des säkularen, wissenschaftlichen und humanistischen Denkens und Handelns beitragen."
Ebenfalls 2004 wurde Deschner mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Kritik
Bereits Karlheinz Deschners Roman Die Nacht steht um mein Haus (1956) erregte Aufsehen, das sich ein Jahr später bei Erscheinen der Streitschrift Kitsch, Konvention und Kunst zum Skandal steigerte, weil sie damals unbekannte Autoren lobte und damals beliebte dichterische Werke wortgewaltig angriff. Seit 1958 veröffentlicht Karlheinz Deschner entlarvende und provozierende Geschichtswerke zur Religions- und Kirchenkritik.
Vor allem mit der "Kriminalgeschichte des Christentums" wurde Karlheinz Deschner das Ziel christlicher Kritik; auch kirchenkritische Vertreter des Christentums, unter ihnen der Tübinger Theologe und Kritiker der katholischen Kirche Hans Küng, halten Deschners fundamentale Kritik für "nicht akzeptabel". 1994 erschien ein Sammelband unter dem Titel Kriminalisierung des Christentums? mit 23 Stellungnahmen von Kirchenhistorikern und anderen Wissenschaftlern verschiedener Konfession zur "Kriminalgeschichte". Deschner antwortete auf die Kritik in Form einer Replik im 5. Band seiner "Kriminalgeschichte des Christentums".
Auch Deschners Motivation für sein Werk, das er selbst als Feindschaft zu denen bezeichnet, deren Geschichte ihn zum Feind gemacht habe, wurde kritisiert, weil sie keine Basis für eine ernst zu nehmende Geschichtsschreibung sein könne - ohne freilich zu erklären, warum eine Motivation aus dem Glauben an das Christentum heraus eine bessere Basis darstellen könnte. Die "Kriminalgeschichte des Christentums" konnte im großen und ganzen nicht widerlegt werden, was nicht verwundert, weil Deschner den Stand der Wissenschaft zu diesem Thema zusammenstellt.
Aber die Kritik erstreckt sich nicht nur auf das kirchenkritische Werk Deschners.
Kritisiert wird auch Deschners USA-kritisches Werk "Der Moloch". Bemängelt werden Formulierungen, die sonst angeblich nur bei Rechtsradikalen und Verschwörungstheoretikern zu finden seien.
In diesem antiamerikanischen Werk spricht Deschner davon, daß "gewisse Kreise der USA" den Schock des 11. September möglicherweise besser verschmerzt haben, als gedacht. Diese Tragödie sei diesen "gewissen Kreisen", wie auch die von Pearl Harbor, "gar zugute" gekommen. Der 11. September, so wird argumentiert, begünstige möglicherweise für diese "gewissen Kreise" sogar die Durchführung einer "Serie von Präventivschlägen", von "Angriffskriegen", von "Eroberungskriegen" und "Raubkriegen". Dies "überall da, wo es den USA passt".
Bezüglich Deschners Werk "Der Moloch" ist weiterhin kritisiert worden, daß diesem weder in der Erstausgabe (1992) noch in der 10 Jahre später (2002) erschienenen "überarbeiten" Ausgabe ein Quellenverzeichnis beigefügt ist. Dieses für Deschner untypische Defizit liegt darin begründet, dass der Verleger der Originalausgabe den Autor zeitlich unter Druck setzte und das Buch vor Fertigstellung des Quellenapparats auf den Markt brachte. Da die entsprechenden Exzerpte Deschners später angeblich verlorengingen, fehlt der wissenschaftliche Apparat - sehr zum Bedauern des Autors - auch in der Neuausgabe von 2002.
Zitate
- Meine Skepsis bewahrt mich davor, Fanatiker zu werden, wovor noch kein Glaube je geschützt hat.
- Lieber in lauter Zweifeln sterben als um den Preis der Lüge in Euphorie.
- Jede Weltmacht wurde Weltmacht durch Verbrechen, neben denen alle Werke der Unterwelt verblassen.
- Wer Geschichte nicht als Kriminalgeschichte schreibt, macht sich zu ihrem Komplizen.
- Die Geheimnisse der Welt ertrage ich gut; nicht die Erklärungen dafür.
Werke
- "Der gefälschte Glaube." Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe. Knesebeck, 2004 ISBN 3896602284
- "Oben ohne." Für einen götterlosen Himmel und eine priesterfreie Welt. Zweiundzwanzig Attacken, Repliken und andere starke Stücke. rororo sachbuch tb 1999 ISBN 3499607050
- "Kitsch, Konvention und Kunst"
- "Talente, Dichter, Dilettanten"
- "Kriminalgeschichte des Christentums", Band 1 bis 8 (2004)
- "Die Vertreter Gottes: Eine Geschichte der Päpste im 20. Jahrhundert", 1991
- Das Kreuz mit der Kirche: Eine Sexualgeschichte des Christentums"
- "Das Christentum im Urteil seiner Gegner (Hrsg.)"
- "Der Moloch: Eine kritische Geschichte der USA" Heyne Sachbuch 2002 ISBN 3453868366
- Opus Diaboli, Fünfzehn unversöhnliche Essays über die Arbeit im Weinberg des Herrn, rororo9764
- "Abermals krähte der Hahn." Eine kritische Kirchengeschichte
- "Nur Lebendiges schwimmt gegen den Strom. Aphorismen"
- "Memento" - kleiner Denkzettel zum heiligen Jahr 2000
Literatur
- Arno-Schmidt-Preis 1988 für Karlheinz Deschner. - Bargfeld : Arno-Schmidt-Stiftung, 1988. - ISBN 3-923460-03-1 (mit Texten von Jan Philipp Reemtsma, Karlheinz Deschner und Arno Schmidt).
- Gieselbusch, Hermann (Hrsg.): Über Karlheinz Deschner und seine große Kriminalgeschichte des Christentums : zum Erscheinen von Bd. 8 und zum 80. Geburtstag des Autors am 23. Mai 2004. - Reinbek : Rowohlt, 2004
- Seeliger, Hans (Hrsg.): Kriminalisierung des Christentums?. - Freiburg i.Br. : Herder, 1994. - ISBN 3-451-23222-7
- Karlheinz Deschner, Sonderheft 9/2004 "Aufklärung und Kritik", Hrsg.: Gesellschaft für kritische Philosophie, Nürnberg und Kellmann-Stiftung Humanismus und Aufklärung, München. - Nürnberg 2004
Weblinks
- Offizielle Deschner-Website mit vielen Informationen zum Autor
- Kritische Anmerkungen zum Autor
- Website der Giordano Bruno Stiftung
- Bibliografie aller Titel auf Rowohlt.de
- Zum 80.Geburtstag des Autors
- offizielles Deschner-Forum
Deschner, Karlheinz
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Deschner, Karl Heinrich Leopold |
| ALTERNATIVNAMEN | Deschner, Karlheinz |
| KURZBESCHREIBUNG | freier Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 23. Mai 1924 |
| GEBURTSORT | Bamberg |
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| STERBEORT | |
