Kategorie (Philosophie)
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Definition und Hinweise
Die Kategorie (griechisch κατηγορία - [An-]Klage, Beschuldigung, auch Kategorie, Klasse, lateinisch categoria - hier auch Grundaussage) bezeichnet einen Grundbegriff, von dem andere Begriffe abgeleitet werden können, ab dem 18. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch eingeführt. Die Kategorien sind Hilfsvorstellungen, durch welche sich das Denken das Geschäft erleichtert und sich die Berechnung der Wirklichkeit erleichtert. Jede Kategorie ist ein künstlich geschaffener Einteilungsbegriff, der innerhalb von bestimmten Klassifikationsschemata der Wissenschaft als denktechnisches Mittel dient, um bestimmte Empfindungen unter Dach und Fach zu bringen. Zu jeder Einordnung werden klassifizierende Kategorien verwendet. Man unterscheidet Spitzenkategorien, Hauptkategorien und Sonderkategorien. Die wichtigsten Kategorien sind die des Dings, der Eigenschaft und der Beziehung. Kategorien sind die Bedingungen des Denkens, so wie Raum, Zeit und Kausalität die Bedingungen der Anschauung sind. Kategorien sind bequem: Alles, was man beobachtet, lässt sich unter Oberbegriffen subsumieren. Kategorien sind Schemata, entworfene Typen, und es ist falsch, sie als Realitäten zu behandeln.
Kategorie in der ionischen Philosophie
In der ionischen Philosophie bezeichnete die Kategorie nur die grundlegenden Elemente der Materie (Erde, Wasser, Luft, Feuer u.a.). Mit dem steigenden Interesse am Erkenntnisproblem und an den Beziehungen zwischen Sein und Bewußtsein entwickelte sich auch das philosophische Kategoriensystem entscheidend.
Die Kategorien bei Platon
Platon unterschied fünf Kategorien:
- Sein
- Identität
- Verschiedenheit
- Veränderung
- Beharrung
die er als Zeugnisse der Seele betrachtete.
Aristoteles als eigentlicher Begründer der Kategorien
Der eigentliche Begründer der philosophischen Kategorien ist Aristoteles, der als erster die Kategorien systematisch untersuchte. Er führt zehn Kategorien ein, als deren wichtigste er die Kategorien der Substanz ansah. Damit vollzieht sich der Übergang von der 'Aussageweise' zu 'Seinsweise'.
Alle übrigen Kategorien (Quantität, Qualität, Relation, wo [ Ort ], wann [ Zeit ], Wirken, Leiden, Haben, Lage) dienten der näheren Charakterisierung der Substanz. Er fasst Kategorien als Klassen von Gegenständen auf.
Sie müssen als solche mindestens zwei Arten von Bedingungen erfüllen:
- formal : die Anzahl der Klassen ist endlich, ihr Schnitt ist leer und ihre Vereinigung bildet das Universum
- materiell : jedes Individuum aus einer Klasse muss zu nur einer Klasse gehören, d.h. es darf nie unter eine andere Klasse fallen.
Diese Bedingungen führen aber zu Schwierigkeiten bei den Abgrenzungen der Kategorien, die auch Aristoteles hatte. So wird die Abgrenzung von "Relation" und "Qualität" und von "Quantität" mit "Ort" und "Zeit" unklar, welches bei der Zuordnung im Kontinuum sich zeigt. Die aristotelische Kategorienlehre hatte weitreichenden Einfluss auf die Entwicklung der Philosophie und wirkt zum Teil noch in der derzeitigen Philosophie nach.
Kategorien in der klassischen deutschen Philosophie
Einen entscheidenden Beitrag zur philosophischen Kategorienlehre leistete die klassische deutsche Philosophie, besonders Immanuel Kant und G.W.F. Hegel. Kant betrachtete die Kategorien nicht als Widerspiegelungen der objektiven Realität, sondern als die wahren Stammbegriffe des reinen Verstandes.
Nach Kant sind die Kategorien Vorbedingung aller Erfahrung und schreiben der Natur Gesetze a priori vor.
Kant teilt die Kategorien in vier Gruppen eine:
Hegel entwickelte das umfassendste Kategoriensystem der deutschen Philosophie bis dahin. Er arbeitete vor allem - wenn auch in idealistischer Form - die dialektischen Beziehungen zwischen den verschiedenen philosophischen Kategorien heraus.
Kategorien in der materialistischen Dialektik
In der materialistischen Dialektik wird der Kategorienlehre große Bedeutung eingeräumt. Dabei werden die Kategorien als Widerspiegelungen der allgemeinsten Züge der Wirklichkeit betrachtet.
Die positiven Ergebnisse und Ansätze aus der Geschichte der Kategorienlehre werden kritisch verwertet, es wird aber die subjektivistische Trennung der Kategorien von der objektiven Realität bei Kant als auch ihre panlogistische (Panlogismus) Identifizierung mit der objektiven Realität bei Hegel vermieden.
Die Kategorien besitzen eine objektive Grundlage und einen objektiv bestimmten Inhalt:
- Kategorien sind weder a priori gegebene Verstandesformen, noch können sie aus dem reinen Denken deduziert werden.
- Kategorien können aus der systematischen Verallgemeinerung der menschlichen Erkenntnis gewonnen werden.
Die Kategorien bilden jedoch keine so genannten ewigen Wesenheiten, sie werden historisch, d.h. unter dem Gesichtspunkt von Entstehung und Entwicklung der materiellen Welt gefaßt. Damit führt der Fortgang der Erkenntnis zur Bereicherung und Präzisierung der philosophischen Kategorien.
In der materialistischen Dialektik bilden die Kategorien ein zusammenhängendes System, und zwar derart, dass sie die tragenden Pfeiler der gesamten materialistischen Anschauung bilden. Der Eckpfeiler dieses Systems wird durch die Kategorie der Materie ausgezeichnet.
Eng verbunden mit ihr sind die Kategorien der Bewegung, des Raumes und der Zeit, die die Daseinsweise und die Existenzformen der Materie ausdrücken:
- Die Kategorien der Materie und der Bewegung sind untrennbar von den Kategorien Zusammenhang (objektiver Zusammenhang), Kausalität und Wechselwirkung, Notwendigkeit und Zufall sowie Gesetz, denn sie spiegeln alle wesentlichen und allgemeinen Bestimmungen der Materie wider.
In dieser Weise sind auch alle anderen Kategorien in der materialistischen Dialektik verbunden, wobei ihre Beziehungen verschiedener Art sein können z.B. als
- Subordinationsverhältnis
- Koordinationsverhältnis
- korrelatives Verhältnis
Die philosophischen Kategorien stellen keine Identität mit den Prinzipien und Gesetzen des dialektischen Materialismus dar, es besteht jedoch ein enger Zusammenhang. Dies liegt darin begründet, dass Kategorien wesentliche Eigenschaften und Beziehungen im Zuge der Analysen widerspiegeln können, es bedarf jedoch mehrerer Kategorien bzw. einer Kategorie und anderer Begriffe, um eine materielle Gesetzmäßigkeit widerzuspiegeln.
Sinn und der Bedeutung der Kategorien
In der Form einer Übersicht können folgende Punkte zum Sinn und der Bedeutung der Kategorien gezählt werden:
- 1. in den Kategorien werden die allgemeinsten Bewegungsgesetze der Welt und des Denkens widergespiegelt
- 2. die Kategorien gehören zu den Stufen von der Erkenntnis der Welt durch den Menschen, wobei in ihnen das Fazit der Geschichte der Erkenntnis und der praktischen Aneignung der Welt widergespiegelt ist
- 3. die Kategorien bilden die Grundformen des Denkens, die durch die Mittel der Erkenntnis und der praktischen Beherrschung der Erscheinungen der materiellen Welt hervortreten
- 4. die Kategorien kennzeichnen die Stufen der Bewegung des Denkens von der Erkenntnis der Erscheinung zur immer tieferen Erkenntnis des Wesens der Erscheinungen.
Adjektive sind 'kategorial' und 'kategoriell'. 'kategorisch' heißt: von den Kategorien bestimmt und deshalb unbedingt gültig
Siehe auch: Gruppe, Klasse, Rubrik, Klassifikation, Thesaurus, Systematik, Kategorienfehler
Weblinks
http://www.roman-eisele.de/phil/pages/kant-krv.html - u.a. Zu den Kategorien bei Kant (PDF Datei)
