Kerala
thumb|200px|Kerala
Kerala (Malayalam കേരളം) ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 38.864 km² und 32.621.000 Einwohnern (Stand 2005). Die Bevölkerungsdichte beträgt 839 Einwohner je km². Damit gehört der Staat zu den am dichtesten besiedelten Regionen Indiens. Hauptstadt ist Thiruvananthapuram (das ehemalige Trivandrum).
Der Name "Kerala" bedeutet wörtlich "Land der Kokosnüsse". Abgeleitet ist er vom Malayalam-Wort "kera" für "Kokosnuss" und tatsächlich sind die Palmen, an denen diese Frucht wächst, überall im Land in großer Zahl zu finden.
Geografie
Kerala grenzt im Norden an den Bundesstaat Karnataka, im Osten wird es durch die Westghats von Tamil Nadu abgeschirmt und im Westen durch das Arabische Meer begrenzt. Kerala nimmt fast die gesamte Malabarküste ein. Insgesamt beträgt die Küstenlänge 590 km. Zwischen Küste und Westghats liegt eine schmale, aber fruchtbare Ebene.
Politische Gliederung
Kerala ist in 14 Distrikte unterteilt. Sie heißen (von Nord nach Süd):
- Kasaragod
- Kannur (alter Name: Cannanore)
- Wayanad
- Kozhikode (alter Name: Calicut)
- Malappuram
- Palakkad (alter Name: Palghat)
- Thrissur (alter Name: Trichur)
- Ernakulam
- Idukki
- Kottayam
- Alappuzha (alter Name: Allepey)
- Pathanamthitta
- Kollam (alter Name: Quilon)
- Thiruvananthapuram (alter Name: Trivandrum)
Bevölkerung
Sprache
Hauptsprache ist Malayalam, das von mehr als 95 % der Bevölkerung gesprochen wird. Englisch ist als Fremdsprache weit verbreitet.
Religion
Die Mehrheit (56,2 %) der Bevölkerung sind Hindus. Daneben gibt es beträchtliche Minderheiten von Muslimen (24,7 %) und Christen (19,0 %). Letztere lassen sich in verschiedene Konfessionen aufspalten: die von den Portugiesen konvertierten Katholiken sind in der Mehrheit, außerdem gibt es die sogenannten Thomaschristen, die ihren Ursprung bis auf den Apostel Thomas zurückführen, und eine kleine Minderheit von Protestanten. Die Thomaschristen, die wiederum verschiedenen Richtungen angehören, sind fest in das hinduistische Kastensystem integriert und bilden sogar eine der oberen Kasten in Kerala. Dagegen sind die Angehörigen der protestantischen Missionskirchen zumeist Konvertiten aus niederen Kasten oder Kastenlose, von denen sich die Thomaschristen, also die Mitglieder der alten Denominationen (zumeist Angehörige der syrisch-orthodoxen Kirche), streng abkapseln.
Die restlichen 0,1 % verteilen sich auf Jains (4.500 in Kerala), Sikhs (2.800), Buddhisten (2.000) und Sonstige (2.300). Zu ihnen gehören auch die wenigen verbliebenen Cochin-Juden.
Generell herrscht in Kerala große religiöse Toleranz. Die verschiedenen Glaubensrichtungen existieren seit Jahrhunderten friedlich nebeneinander.
Bildung
Von allen Bundesstaaten Indiens weist Kerala mit 90,9 % (Männer: 94,2 %, Frauen: 87,7 %; Stand: Volkszählung 2001) die höchste Alphabetisierungsrate auf.
In Kerala gibt es 7 Universitäten, die Kerala University in Thiruvananthapuram, das Cochin University of Science and Technology in Kochi, die Kannur University, die Calicut University in Kozhikode, die Mahatma Gandhi University in Kottayam, die Kerala Agricultural University in Thrissur und die Sree Sankaracharya University of Sanskrit in Kalady.
Geschichte
Frühgeschichte
Über Keralas frühe Geschichte ist wenig bekannt, ein großer Teil ist ungesichert. So soll der Apostel Thomas im Jahre 52 in Muziris (heute Kodungallur) gelandet sein – der antiken Hafenstadt, die im 1. Jahrhundert n. Chr. auch der römische Gelehrte Plinius der Ältere erwähnte – und das Christentum nach Kerala gebracht haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es durch christliche Kaufleute aus Syrien eingeführt worden ist. Belegt sind christliche Gemeinden erst seit dem 4. Jahrhundert. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. soll es angeblich auch eine Masseneinwanderung von Juden nach Muziris gegeben haben. Möglicherweise gab es aber auch vorher schon Juden an der Malabarküste.
Tatsache ist, dass Kerala vermutlich auf Grund der ursprünglich dichten Dschungelgebiete später als andere Regionen Indiens besiedelt wurde. Kontakte mit dem hochentwickelten nordindischen Reich der Maurya trieben die Entwicklung jedoch schnell voran. Buddhismus und Jainismus breiteten sich damals in Kerala aus. Zu früher Bedeutung gelangte die Region durch den Handel mit Phönizien, Ägypten, Babylon, Arabien, China und dem Römischen Reich.
Sangam-Ära und Erstes Chera-Reich (bis ca. 400 n. Chr.)
Erst mit der tamilischen Sangam-Ära (ca. 300 v. Chr. bis 200 n. Chr.) lassen sich sichere Aussagen über Keralas Geschichte treffen. Zu dieser Zeit existierte im Norden Keralas das Reich der Mooshika-Könige, nach seiner Hauptstadt Ezhimala genannt. Im äußersten Süden, etwa vom Kap Komorin bis Thiruvananthapuram, herrschten die Ays. Die mittlere Malabarküste wurde von den Cheras kontrolliert, einer ursprünglich in Tamil Nadu herrschenden Dynastie, die bereits in Inschriften aus der Zeit Ashokas erwähnt wurde. Sie waren die mächtigsten Herrscher der Region und führten zahlreiche Kriege gegen andere tamilische Dynastien wie die Cholas und die Pandyas. Ihre Hauptstadt war Vanchi, dessen genaue Lage aber bis heute umstritten ist.
Dunkles Zeitalter (ca. 400 bis 800)
Nach dem Ende der Sangam-Ära konnten sich die Cheras noch einige Zeit behaupten, wurden aber um 400 von den aus dem Dekkan kommenden Kalabhras vernichtet. Über deren Herrschaft in den kommenden vier Jahrhunderten ist wenig bekannt, man spricht daher vom „Dunklen Zeitalter“ Keralas. Ende des 8. Jahrhunderts wurden die Kalabhras von den Pallavas, Chalukyas, Pandyas und Rashtrakutas besiegt.
Zweites Chera-Reich (800 bis 1102)
Im Jahre 800, unmittelbar nach dem Untergang der Kalabhras, gelang es den Cheras unter König Kulasekhara (800-820), ihre Macht wiederherzustellen. Mit der Gründung von Kollam 825 beginnt die Malayalam-Zeitrechnung (Kolla Varsham). Als größter König des Zweiten Chera-Reiches gilt Sthanu Ravi Varman, unter dessen Herrschaft (844-885) der Seehandel blühte wie nie zuvor. In seine Regentschaft fällt auch die Ankunft des arabischen Kaufmanns Sulaiman 851, der den Islam an der Malabarküste etablierte. Nach Sthanu Ravi Varmans Tod flammten alte Feindschaften mit den Cholas wieder auf, die bis zum Ende des Reiches anhielten. Während der Herrschaft des letzten Chera-Königs Rama Varma Kulasekhara (1090-1102) nahmen die Cholas die Hauptstadt Mahodyapuram (das frühere Muziris) ein. Mit seinem Tod ging auch sein Reich zugrunde.
Mittelalterliche Königreiche bis zur Ankunft der Europäer (1102 bis 1498)
Aus der Asche des Chera-Reiches stiegen mehrere unabhängige Königreiche empor. Die bedeutendsten waren Venad (das spätere Travancore), Nediyirippu Swarupam unter der Herrschaft der Zamorine von Calicut (heute Kozhikode) und Perumpadappu Swarupam (Cochin). Daneben existierte eine verwirrende Vielzahl von Kleinstaaten.
Venads erster bedeutender Herrscher war Udaya Marthanda Varma (1175-1195). Die Hauptstadt Quilon (heute Kollam) entwickelte sich zu einer wohlhabenden Hafenstadt, sie wurde 1275 von Marco Polo besucht. Seinen Zenit erreichte der Staat jedoch unter Ravi Varma Kulasekhara (1299-1314). Danach erlosch die Bedeutung Venads allmählich. Der Staat gelangte erst im 18. Jahrhundert als Travancore wieder zu Bedeutung.
Nediyirippu Swarupam, im Besonderen seine Hauptstadt Calicut, kam durch den Seehandel mit Arabien und China zu großem Wohlstand. Die Zamorine (wörtlich: „Herren der See“) vergrößerten ihr Reich durch die Eroberung vieler Kleinstaaten beträchtlich. Schließlich stiegen sie zu den unbestrittenen Herrschern der nördlichen Malabarküste auf. Erst durch die Einmischung europäischer Kolonialmächte begann auch ihre Macht zu schwinden.
Über die Geschichte von Perumpadappu Swarupam oder Cochin bis zur Ankunft der Europäer ist nicht viel bekannt. Ähnlich wie Calicut und Quilon vermochte es sich aber dank des gewinnbringenden Seehandels aufrechtzuerhalten. Im 15. Jahrhundert kam es zunehmend zu Konflikten mit den expandierenden Zamorinen von Calicut.
Portugiesische Kolonialherrschaft (1498 bis 1663)
Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama landete am 20. Mai 1498 nach der ersten erfolgreichen Umsegelung Afrikas am Strand Kappad, etwa 30 km nördlich von Calicut. Zunächst wurde er vom Zamorin freundlich empfangen. Als da Gama jedoch versuchte, das Gewürzmonopol der in Calicut ansässigen Araber an sich zu reißen, verwehrte ihm der Zamorin die erhofften Handelsprivilegien. Da Gama wandte sich daraufhin an den Raja von Cochin, schloss mit ihm ein Bündnis und ließ 1503 in Cochin das erste europäische Fort auf indischem Boden errichten. Auf diese Art und Weise wurden Cochin und Calicut in den bald darauf ausbrechenden Krieg zwischen Portugiesen und Arabern verwickelt. Unter Ausnutzung der Feindschaft zwischen den beiden Königreichen gelang es Portugal, das Gewürzmonopol der Araber zu brechen. 1506 wurde Alfonso de Albuquerque Gouverneur aller portugiesischen Besitzungen in Indien. Er schuf vorübergehend Frieden mit dem Zamorin, den seine Nachfolger aber wieder brachen. Portugals Einfluss äußerte sich in vielen Lebensbereichen, etwa der Einführung des Katholizismus bzw. der Katholisierung der bereits in Kerala lebenden Christen, der Mode, Architektur, der Einführung bestimmter Anbausorten wie Cashewnüssen und Tabak, aber auch in religiöser Intoleranz und Fanatismus.
Niederländische Kolonialherrschaft (17. und 18. Jahrhundert)
Die Inkompetenz und Bestechlichkeit von Albuquerques Nachfolgern sowie die politische und wirtschaftliche Schwäche des portugiesischen Mutterlandes im späten 16. Jahrhundert führten zum langsamen Niedergang der Macht Portugals in Kerala. Dazu kam der wachsende Einfluss der aufstrebenden Seemacht Niederlande. 1603 landete Admiral Steven van der Hagen auf Geheiß der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Calicut und schloss die ersten Verträge mit dem Zamorin, der die Portugiesen aus seinem Reich ausweisen wollte. Weitere Verträge folgten. Die Niederländer errichteten Festungen in Purakkad, Kayakulum, Quilon und Travancore. 1662 gelang es ihnen, die Portugiesen aus Cranganore (heute Kodungallur) zu vertreiben und 1663 eroberten sie schließlich Cochin. Damit verlor Portugal seinen letzten Stützpunkt in Kerala und die Niederlande wurden zur bestimmenden politischen Kraft. Der Niedergang setzte mit dem unerwarteten Aufstieg Travancores ab 1729 und der Invasion durch Mysore ein.
Travancore (1729-1947)
Marthanda Varma erbte 1729 die kläglichen Überreste des einst mächtigen Venad. Er eroberte jedoch zahlreiche kleinere Fürstentümer und schloss sie zu einem Reich namens Travancore zusammen. In der Schlacht von Colachel (1741) gelang es ihm sogar, die Niederländer zu schlagen. 1753 unterzeichneten diese einen Friedensvertrag. Sein Neffe Rama Varma, der ihm 1758 auf den Thron folgte, erwies sich als ebenso fähiger Herrscher. Seine Regentschaft dauerte bis 1798. Unter britischen Einfluss geriet Travancore erst, als es 1791 von Mysore bedroht wurde. Nur durch ein Hilfegesuch an die Briten konnte sich Travancore verteidigen, musste aber im Gegenzug die Einsetzung eines Residenten hinnehmen. Fortan war es de facto ein britisches Protektorat, konnte aber formal seine Selbstständigkeit bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947 behaupten.
Invasionen durch Mysore (1764 bis 1792)
Hyder Ali, der Herrscher des im 18. Jahrhundert im Kampf gegen die britischen Kolonialbestrebungen erstarkten Königreiches Mysore, lenkte 1764 sein Augenmerk auf Kerala. Zwei Jahre darauf gelang ihm die Einnahme von Calicut. 1773 führte er erneut Krieg an der Malabarküste und eroberte Trichur (heute Thrissur). Hyder Alis Nachfolger, Tipu Sultan, drang 1790 bis 1792 bis in den Süden Keralas vor. Britische Truppen setzten seiner Machtausdehnung jedoch ein schnelles Ende.
Britische Kolonialherrschaft (17. Jahrhundert bis 1947)
Den ersten Handelsvertrag mit dem Zamorin von Calicut schlossen die Engländer 1615. 20 Jahre später erhielten sie die Erlaubnis, alle portugiesischen Häfen in Kerala für ihren Handel anlaufen zu dürfen. Calicut geriet zunehmend unter ihren Einfluss und wurde 1664, nach dem Ausscheiden Portugals als Kolonialmacht in Kerala, englisch. Zunächst war die Konkurrenz durch die Niederländer groß, doch mit dem Ende des holländischen Einflusses durch die Invasionen Mysores konnten sich die Briten auch in Kerala als führende europäische Macht etablieren. 1795 wurde Travancore praktisch zum Protektorat, auch Cochin wurde britisches Einflussgebiet. Mit der Eingliederung Malabars in die Madras Presidency 1800 war die Kolonialherrschaft in Kerala endgültig gesichert. Erst ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es im Rahmen der indischen Unabhängigkeitsbewegung wieder zu nennenswertem Widerstand. Besonders zu erwähnen sind der Mopla-Aufstands von 1921 und die Punnapra-Vayalar-Revolte von 1946.
Kerala im unabhängigen Indien (seit 1947)
Zwei Jahre nach Erlangung der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 wurden Travancore und Cochin zu einem Bundesstaat zusammengeschlossen (Travancore-Cochin), der am 1. November 1956 wiederum mit Malabar zum Bundesstaat Kerala vereint wurde, dessen Grenzen nun weitgehend mit den Sprachgrenzen des Malayalam übereinstimmen. Die ersten allgemeinen Wahlen fanden 1957 statt. Aus ihnen ging die Kommunistische Partei Indiens (Communist Party of India – CPI) als Sieger hervor. Zum ersten Mal verlor die Kongresspartei damit eine Wahl im unabhängigen Indien, zugleich konnte erstmals in der Geschichte eine kommunistische Partei freie und demokratische Wahlen für sich entscheiden. Unruhen brachten die kommunistische Regierung aber schon nach zwei Jahren wieder zu Fall.
Heute existieren in Kerala zwei große politische Bündnisse: die United Democratic Front (UDF) unter Führung der Kongresspartei und die Left Democratic Front (LDF), angeführt von der CPI (M).
Folgende Regierungen bestimmten seit 1957 die Geschicke Keralas:
- 1957-1959 - E. M. S. Namboodiripad (CPI)
- 1960-1962 - Pattom Thanupillai (Praja Socialist Party)
- 1962-1964 - R. Sankar (Kongresspartei)
- 1967-1969 - E. M. S. Namboodiripad (CPI M), 2. Amtszeit
- 1969-1970 - C. Achutha Menon (CPI)
- 1970-1977 - C. Achutha Menon (CPI), 2. Amtszeit
- 1977 (März-April) - K. Karunakaran (Kongress)
- 1977-1978 - A. K. Antony (Kongress)
- 1978-1979 - P.K. Vasudevan Nair (CPI)
- 1979 - C.H. Mohammed Koya (Indian Union Muslim League)
- 1980-1981 - E.K. Nayanar (CPI M)
- 1981-1982 - K. Karunakaran (Kongress), 2. Amtszeit
- 1982-1987 - K. Karunakaran (Kongress), 3. Amtszeit
- 1987-1991 - E.K. Nayanar (CPI M), 2. Amtszeit
- 1991-1995 - K. Karunakaran (Kongress), 4. Amtszeit
- 1995-1996 - A. K. Antony (Kongress), 2. Amtszeit
- 1996-2001 - E.K. Nayanar (CPI M), 3. Amtszeit
- 2001-2004 - A. K. Antony (Kongress), 3. Amtszeit
- seit 2004 - Oommen Chandy (Kongress)
Wirtschaft
Wirtschaftssektoren
Rückgrat der Wirtschaft sind nach wie vor die Landwirtschaft und der Fischfang. Hauptanbauprodukte sind Kokosnüsse, Reis, Kautschuk, Betelnüsse, Cashewnüsse, Tee, Kaffee und diverse Gewürze. Da die meisten dieser Produkte exportiert oder industriell genutzt werden, muss Kerala einen Großteil der Nahrungsmittel aus anderen Bundesstaaten einführen.
Die Industrie ist vergleichsweise schwächer ausgeprägt als in vielen anderen Landesteilen - nicht zuletzt wegen der äußerst starken Gewerkschaften - und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Auch beim industriellen Wachstum hinkt Kerala anderen Bundesstaaten hinterher. Nur langsam entwickelt sich die IT-Industrie, vor allem im Raum Ernakulam.
Hohe wirtschaftliche Wachstumsraten erzielt dagegen der Dienstleistungssektor. Vor allem der Tourismus gewinnt an Bedeutung.
Soziales
Keralas Pro-Kopf-Einkommen (2001: 19.463 Rupien) liegt zwar nur leicht über dem indischen Durchschnitt (2001: 16.707 Rupien), drastische Fälle von Armut wie in anderen Teilen Indiens (Slums u.ä.) sind in Kerala jedoch kaum anzutreffen, da hier in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Agrarreform und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durchgeführt worden sind. Auch das Bildungs- und das Gesundheitssystem sind im Vergleich zu anderen Bundesstaaten gut ausgebaut.
Infrastruktur
Das Straßennetz Keralas ist in Folge der hohen Bevölkerungsdichte wesentlich engmaschiger als in anderen indischen Bundesstaaten. Es gibt 8 sogenannte National Highways mit einer Gesamtlänge von 1524 km. Insgesamt verfügt Kerala über rund 140.000 Kilometer Straße (Stand: 2003).
Wie überall in Indien spielt die Eisenbahn eine wichtige Rolle. Die zwei Hauptlinien Keralas verbinden alle wichtigen Städte miteinander. Die Gesamtlänge aller Eisenbahnstrecken beträgt 1200 km.
In Kerala existieren drei Flughäfen, davon zwei internationale, nämlich der Thiruvananthapuram International Airport (IATA-Code: TRV) und der Cochin International Airport (IATA-Code: COK) in Kochi, welcher erst 1999 eingeweiht wurde. Daneben gibt es einen Inlandsflughafen in Kozhikode (IATA-Code: CCJ).
Von großer Bedeutung als Transportwege sind auch die weitverzweigten Wasserstraßen der Backwaters in den Distrikten Kasaragod, Kannur, Ernakulam, Kottayam, Alapuzzha und Kollam.
Der Hafen von Kochi ist einer der größten Indiens. Dort wurden 2004/05 über 14 Millionen Tonnen umgeschlagen. Daneben gibt es mehrere kleinere Seehäfen an der Küste Keralas.
Drei Viertel des elektrischen Stroms werden aus Wasserkraft erzeugt, der Rest fast ausschließlich aus Wärmekraft.
Kerala verfügt außerdem über das dichteste Telefonnetz Indiens.
Tourismus & Sehenswürdigkeiten
thumb|150px|Fähre auf den Backwaters von Kerala
Kerala hat sich zu einem durchaus bedeutenden Urlaubsziel sowohl für ausländische als auch für einheimische Urlauber entwickelt. 2003 wurde das Land von 5,9 Millionen indischen und 295.000 ausländischen Gästen besucht.
Ein Grund für die Attraktivität Keralas als touristisches Ziel liegt in der landschaftlichen Schönheit. Besonders die Lagunen, Seen und Kanäle der Backwaters erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Tierschutzgebiet Periyar in den Westghats zählt zu den meistbesuchten Naturschutzgebieten Indiens. Auch der Eravikulam-Nationalpark oder die landschaftlich schön gelegenen Bergorte Munnar und Ponmudi lohnen einen Besuch. Ausländische Touristen werden zudem von den zahlreichen herrlichen Stränden, wie z.B. Kovalam oder Varkala, angelockt.
Ein weiterer Grund ist die faszinierende Mischung verschiedener Kulturen. Besonders in der alten Hafenstadt Kochi bekommt man dies zu spüren. Aber auch andere Städte wie Thiruvananthapuram, Thrissur, Alappuzha und Kollam haben interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Padmanabhapuram-Palast nahe Thiruvananthapuram gilt als einer der Höhepunkte keralitischer Architektur.
Der offizielle Tourismus-Slogan Keralas lautet "God's Own Country" ("Gottes Eigenes Land").
Berühmte Persönlichkeiten
- Adi Sankara (um 788-820), hinduistischer Philosoph
- Arundhati Roy (* 1961), Schriftstellerin
- Elankulam Manakkal Sankaran Namboodiripad (1909-1998), kommunistischer Politiker, erster Ministerpräsident Keralas
- George Sudarshan (*1931), Physiker
- Kocheril Raman Narayanan (*1920), Politiker und 10. Staatspräsident Indiens
- Madhava (1350-1425), Mathematiker
- M. T. Vasudevan Nair (*1933), Schriftsteller
- Narayana Guru (1856-1928), Sozialreformer
- Ootupulackal Velukkuty Vijayan (1930-2005), Schriftsteller
- Raja Ravi Varma (1848-1906), Maler
- V. K. Krishna Menon (1897-1974), Politiker und Staatsmann
- Vayalar Ramavarma (1928-1975), Dichter
Weblinks
- Offizielle Webseite der Regierung von Kerala
- Tourismuswebseite der Regierung von Kerala (auch auf Deutsch)
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