Kesselzerknall
Der Ausdruck Kesselzerknall, gelegentlich fälschlich als Kesselexplosion bezeichnet, beschreibt das Platzen eines Dampfkessels infolge Wassermangel.
Bei einer mobilen Dampfmaschine (Dampflokomotive, Lokomobile, Dampfschiff) wird zur Erzeugung des Dampfes ein Feuer in der Feuerbüchse entfacht, welche sich im Kessel befindet. Die entstehenden Rauchgase durchlaufen die Rauchrohre und erhitzen dabei das umgebende Wasser, bevor sie aus dem Schornstein entweichen. Weiter wird das Wasser von den Feuerbüchswänden direkt erhitzt. Diese sind daher vom Kesselwasser umspült.
Auch bei auf ebener Strecke ausreichendem Wasserstand kann es bei starken Gefällen dazu kommen, daß das Wasser nach vorne in den Kessel läuft und die hinten gelegene Feuerbüchse nicht mehr von Wasser umspült wird. Dies kann ebenfalls der Grund für einen Zerknall sein.
Kommt es aufgrund von Wassermangel oder obigem Grund dazu, daß die Feuerbüchsdecke nicht mehr von Wasser bedeckt ist und sich stark erhitzt, so wird das Material aufgrund der Erwärmung weich und glüht aus. Der Dampfdruck im Kessel führt dazu, dass in die Feuerbüchsdecke ein Loch gerissen wird, durch das der Dampf in die Feuerbüchse ausströmt.
Der damit zunächst entstehende Druckverlust bewirkt, dass das heiße Wasser entsprechend seinem Dampfdruckverhalten schlagartig zu kochen beginnt und innerhalb von Sekundenbruchteilen soviel Dampf und eine erneute Druckzunahme entsteht, die zum Platzen des Kessels führt, dem sogenannten Kesselzerknall.
Das geht so schnell, dass die Sicherheitsventile und sonstigen Sicherheitseinrichtungen dies nicht bewältigen können.
Der letzte Zerknall in Deutschland ereignete sich am 27. November 1977 in Bitterfeld mit der Schnellzuglok 01 516. Trotz besseren Wissens hatte das Personal die Lok trockengeheizt (es galt unter Eisenbahnern als Schande, die Lok auf freier Strecke "kaltmachen" zu müssen, d.h., das Feuer vom Rost zu entfernen). Bei dem Unglück starben Lokführer und Heizer, der Kessel löste sich dabei von der Lok und schlug 40 m weiter in Fahrtrichtung auf, wo er sich kalt mit der Schiene verschweißte.
In den USA (Medina (Ohio)) zerknallte am 29. Juli 2001 der Kessel einer Lokomobile, einem dampfgetriebenen Straßenfahrzeug, auf einem Jahrmarkt. Ursache waren hier schwere Wartungsmängel und abgezehrtes Material. Bislang ist das der jüngste, bekannt gewordene Fall eines Kesselzerknalls.
Mehrere Ursachen wie unzureichendes Material, fehlerhafte Bedienung oder Überbelastung führten im 19. Jahrhundert vergleichsweise häufig zu Kesselzerknallen, auch bei stationär betriebenen Kesseln. Dies löste die Gründung von Dampfkessel-Überwachungsvereinen aus, aus denen sich später die Technischen Überwachungsvereine, heute bekannt unter der Abkürzung TÜV, entwickelten. In Deutschland waren die Staatsbahnen meist selbst für die Überwachung der Kesselsicherheit verantwortlich.
