John Maynard Keynes
thumb|John Maynard Keynes (rechts, 1946)
John Maynard Keynes /ˈkeɪnz/ (* 5. Juni 1883 in Cambridge; † 21. April 1946 in Firle, East Sussex) war ein englischer Mathematiker und Ökonom. Er zählt zu den bedeutendsten Ökonomen überhaupt und ist Namensgeber des Keynesianismus.
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Leben
Keynes wurde als Sohn eines Verwaltungsbeamten geboren. Er genoss eine Ausbildung an den Elite-Instituten Eton und King's College in Cambridge. Er war Schüler Alfred Marshalls. Sein Bruder Geoffrey Keynes war ein bekannter Arzt.
Sein großer Freundeskreis, dem Rupert Brooke und James Strachey angehörten, umfasste auch die berühmte Bloomsbury Group mit ihren Mitgliedern Virginia Woolf, Lytton Strachey und vor allem dem Maler Duncan Grant, mit dem Keynes von 1908 bis 1915 eine Beziehung führte.
Seine radikalen Ideen haben bis heute einen großen Einfluss auf ökonomische und politische Theorien.
Mit dem Aufsatz Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages kritisierte er 1919 die Deutschland auferlegten Reparationszahlungen als ökonomisch widersinnig.
Er wurde Mitglied des Bloomsbury-Kreises. Darin wurde ein liberales Gesellschaftsbild geübt. Dazu zählten gleichgeschlechtliche Erfahrungen und intellektueller Austausch. Zum Kreis zählten auch Virginia Woolf, Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein.
In der Abhandlung über Geldreform (1923) stellte Keynes die Zinsparitätentheorie vor. Im Jahr 1925 heiratete er die Balletttänzerin Lydia Lopokova, die von seinen Bloomsbury-Freunden nie akzeptiert wurde.
Sein Buch The General Theory of Employment, Interest and Money (1936) veränderte nachhaltig die Makroökonomie und wird häufig als das einflussreichste sozialkundliche Werk des 20. Jahrhunderts zitiert. Dies war stark vom schwarzen Donnerstag am 24. Oktober 1929 geprägt.
Im Jahr 1942 wurde Keynes geadelt.
Keynes war englischer Verhandlungsführer bei der Reform des Weltwährungssystems in Bretton Woods (1944), konnte sich jedoch nicht gegen die US-amerikanische Position unter Harry Dexter White durchsetzen.
Im Speziellen assoziiert man seinen Namen meist mit seiner Wirtschaftstheorie bzw. mit seiner vehementen Befürwortung der Intervention des Staates in das Wirtschaftsgeschehen. Laut Keynes solle der Staat fiskalpolitische und monetäre Maßnahmen anwenden, um die Auswirkungen von Rezessionen und Booms abzuschwächen. deficit spending lautet seine Maxime. In schlechten Zeiten wird die Wirtschaft durch eine expansive Fiskalpolitik gestützt und Arbeitsloskeit verringert. In guten sollen die angehäuften Defizite durch verstärkte Sparanstrengungen wieder abgebaut werden (surplus saving). Die Schwankungen der Wirtschaft könnten dadurch abgemildert werden.
Seine Ideen legten den Grundstein des heutigen Keynesianismus (auch keynesianische Schule) und wurden seither von Ökonomen dieser Schule weiterentwickelt, wenngleich sie heute zur Erklärung langfristiger Effekte skeptisch beurteilt werden.
Die eigentliche Botschaft seines Werkes ist, dass mikroökonomische Ideen im makroökonomischen Kontext völlig falsch sein können. Inhaltlich legt Keynes besonderes Vertrauen auf die Steuermacht der Binnenkonjunktur.
Akademisch gesehen ist der Keynesianismus eine Mischung aus Neoklassik und keynesschen Einsichten (Allgemeine Theorie). Analytisch bietet er keine neuen Einsichten. Für ihn ist die Marktwirtschaft mit staatlicher Wirtschaftspolitik stabilisierbar. Keynes dagegen diagnostizierte die grundsätzliche Unfähigkeit der Marktwirtschaft, eine stabile Entwicklung zu garantieren.
Da von Keynes ein Interventionismus befürwortet wurde, hegte er in den 1930er Jahren Sympathien für den italienischen Faschismus, er meinte der faschistische Staatsinterventionismus böte die besseren Rahmenbedingungen zur Umsetzung seiner Ideen als ein Nachtwächterstaat.
In seiner Multiplikatortheorie griff er auch Ideen der Physiokratie François Quesnays auf.
Bertrand Russell bezeichnete Keynes als den intelligentesten Menschen, den er je traf. Wie viele andere erfolgreiche Menschen seiner Zeit, gehörte er dem elitären Geheimbund Cambridge Apostles an.
Siehe auch: Keynesianisches Totalmodell
Werk (Auswahl)
- The Economic Consequences of the Peace (1919)
- Treatise on Probability (1921)
- Tract on Monetary Reform (1923)
- Treatise on Money (1930), Vom Gelde (dt. Ausgabe von Treatise on Money), Verlag Duncker & Humblot, 1983, ISBN 3428007565
- The General Theory of Employment, Interest and Money (1936), Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (dt. Ausgabe der General Theory, übersetzt von Fritz Waeger), Verlag Duncker & Humblot 2002, 9. Auflage, ISBN 342807985X
Berühmte Zitate
- "... in the long run we are all dead ..."
- "The difficulty lies, not in the new ideas, but in escaping from the old ones ..."
- "... the ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influences, are usually the slaves of some defunct economist. ... it is ideas, not vested interests, which are dangerous for good or evil."
Weblinks
- Keynes-Gesellschaft
- http://www.john-maynard-keynes.de
- http://www-gap.dcs.st-and.ac.uk/~history/Mathematicians/Keynes.html
- http://www.viavia.ch/spip/article.php3?id_article=183
- http://staff-www.uni-marburg.de/~multimed/theorie/moderne/keynes/keynes.html
- http://www.sffo.de/darity.htm
- The General Theory of Employment, Interest and Money
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Keynes, John Maynard |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Mathematiker und Ökonom |
| GEBURTSDATUM | 5. Juni 1883 |
| GEBURTSORT | Cambridge |
| STERBEDATUM | 21. April 1946 |
| STERBEORT | Firle, East Sussex |
