Keynesianisches Totalmodell

Das keynesianische Totalmodell , auch kurz IS-LM-Modell, befasst sich mit den Gesamtgrößen einer Volkswirtschaft. Dabei sind Gleichgewichte auf dem Gütermarkt (IS-Kurve) sowie auf dem Geldmarkt (LM-Kurve) entscheidend. Keynes sagt voraus, dass sich eine Volkswirtschaft immer auf einen Gleichgewichtspunkt zu bewegt - tatsächlich wird dieser nie erreicht, da es ständige Veränderungen gibt.

Das IS-LM-Modell wird im neoklassischen Zusammenhang betrachtet, d.h. es wird von flexiblen Löhnen ausgegangen.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen und Voraussetzungen

thumb|IS-Kurve und LM-Kurve [1]IS_LM-Modell aus der engl. Wikipedia

Kapitalmarkt (IS-Kurve)

Die IS-Kurve ("Investieren-gleich-Sparen-Kurve") stellt all jene Kombinationen von Einkommen und Zins dar, bei denen es ein Gleichgewicht zwischen Investition und Sparen auf dem Gütermarkt gibt. Dies ist wichtig, da Investitionen im Modell zu 100% über den Markt finanziert werden - das Geld muss aus den Sparleistungen der Haushalte kommen.

Keynesianischer Geldmarkt (LM-Kurve)

Die LM-Kurve ("Geldnachfrage-gleich-Geldangebot-Kurve")stellt all jene Kombinationen aus Einkommen und Zins dar, bei denen es ein Gleichgewicht aus Geldnachfrage (Liquidity) und Geldangebot (Money supply) auf dem Geldmarkt gibt.

Einfluss des Staates

Erhöhung der Staatsausgaben

[[Bild:Crowding-Out.png|thumb|right|Verdrängungseffekt im ]]

Wenn der Staat auf dem Gütermarkt selbst als Nachfrager auftaucht, dann verschiebt sich die IS-Kurve nach rechts. Je nach Lage der LM-Kurve kann dies eine Steigerung des Volkseinkommen Y bedeuten. Diese Art von expansiver Fiskalpolitik nennt man auch deficit spending.

Halten die Haushalte vermehrt Spekulationskasse (das ist die Geldhaltung, um bei günstigen Zins und Wertpapierkurs auf diese zurückgreifen zu können), dann wirkt das deficit spending wie eine Initialzündung der Wirtschaft. Das ist damit begründet, dass der Multiplikator (in diesem Fall Staatsausgabenmultiplikator) in Gang gesetzt wird.

Die Wirkungsweise des Multiplikators ist simpel: Erhöht sich die Nachfrage (in diesem Fall vom Staat) auf dem Gütermarkt, dann steigt natürlich auch die Produktion. Wenn die Produktion steigt, dann benötigen die Unternehmer mehr Arbeitnehmer. Diese bekommen ein Gehalt, was sie teilweise verkonsumieren (abhängig von der marginalen Konsumneigung). Der dadurch zusätzliche Konsum initiiert eine weitere Ausweitung der Produktion, was bedeutet, dass wiederum erneut Arbeitskräfte benötigt werden, die ihrerseits wieder ein zu verkonsumierendes Gehalt beziehen....

Da deficit spending (die Rechtsverschiebung der IS-Kurve) eine Verschuldung des Staates darstellt, sollte dieser, wenn die Wirtschaft blüht, durch die vermehrten Steuereinnahmen, die Schulden wieder zurückzahlen (Surplus saving). Der Staat betreibt somit eine antizyklische Wirtschaftspolitik zur Glättung der Konjunkturschwankungen. Halten die Haushalte allerdings ausschließlich Transaktionskasse (das ist die Geldmenge, die zum Kauf von Gütern gebraucht wird), dann hat, aufgrund der vertikalen Lage der LM-Kurve, diese Politik zur Folge, dass nur der Zins steigt und das Volkseinkommen gleich bleibt. Diesen Zustand nennt man Verdrängungseffekt (Verdrängung der privaten Investitionen durch staatliche Nachfrage).

Kritik

Ein steigendes Volkseinkommen, verursacht durch staatliche Nachfragepolitik, führt nicht unbedingt im erwünschten Maße zu mehr Wirtschaftswachstum und Senkung der Arbeitslosigkeit. Dies ist der Fall, wenn zumindest Teile des Geldes von den Haushalten gespart wird, oder wenn Güter konsumiert werden, durch die kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Dieses Problem erkannte auch Keynes schon und propagierte deshalb die Steigerung des staatlichen Konsums, der in arbeitsintensive Bereiche gelenkt werden kann.

Da es sich politisch nicht vermitteln lässt, dass in Boom-Zeiten gespart werden muss, um die aufgenommenen Schulden zurückzuzahlen, führt dieses Modell in der Praxis häufig zu stetig wachsender Staatsverschuldung, was man Keynes selbst jedoch nicht anlasten kann.

Wohl aber die von Milton Friedman entwickelte Theorie des so genannten Time lags, für welche er 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekam. Nach Friedman vergeht so viel Zeit, zwischen dem Rückgang des Konsums und dem Wirken der staatlichen Nachfrageprogramme, dass sich die Konjunktur meist eh schon von alleine erholt hat und sich in einer Boom-Phase befindet. Durch den zusätzlichen staatlichen Konsum wird die Konjunktur überhitzt und es kommt zur Inflation.

Weblinks

See also: Keynesianisches Totalmodell, Deficit spending, Geldnachfrage, IS-LM-Modell, Inflation, Investition, John Maynard Keynes, Milton Friedman, Multiplikator, Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften