Kinderbetreuung
Unter Kinderbetreuung versteht man die Maßnahmen der Beaufsichtigung und Erziehung von Kindern zwischen wenigen Wochen und 10-12 Jahren. Sie lässt sich grob in drei Phasen einteilen:
- Die Kleinkindbetreuung, die in Deutschland oft ein Elternteil, meist die Mutter, übernimmt. Zusätzlich ist die Betreuung in einer Kinderkrippe oder bei einer Tagesmutter möglich.
- Die Kindergartenzeit vom 3. Lebensjahr an bis zum Schulbeginn. Viele Kinder besuchen den Kindergarten nur halbtags und werden nachmittags in ihrer Familie betreut.
- Schulkinder können nachmittags im Hort betreut werden.
(siehe auch Kindertagesbetreuung
Pro und Contra Kleinkindbetreuung
Während die Betreuung durch Erzieher im Kindergarten ab dem 3. Lebensjahr nachweislich wichtige Anstöße für die soziale Entwicklung des Kindes liefert und allgemein akzeptiert wird, herrscht über die Vor- und Nachteile der Fremdbetreuung von Kleinkindern unter 3 Jahren Uneinigkeit. Gegner der Fremdbetreuung argumentieren, dass nur Betreuungspersonen wie die eigenen Eltern, zu denen eine lange und vertrauensvolle Bindung aufgebaut werden kann, die geistige und soziale Entwicklung des Kindes zu fördern. Unterstützt wird diese Ansicht durch eine Studie des us-amerikanischen National Institute of Child Health and Development (NICHD), die feststellt, dass Kinder, die früh und lange fremdbetreut wurden, oft aggressiver sind als solche, die hauptsächlich von engen Bezugspersonen betreut wurden. Allerdings ist der Unterschied minimal. In Bezug auf die Sprachentwicklung sind Kinder, die in Gruppen betreut wurden, oft weiter als Gleichaltrige, die bisher nur wenig Kontakt zu anderen Kindern hatten. Insgesamt, so das Ergebnis der Studie, ist die Qualität der Betreuung sehr wichtig. Schlechte Betreuung durch die eigenen Eltern schadet einem Kleinkind ebenso oder sogar noch mehr als schlechte Betreuung in einer Kinderkrippe. Gute, qualifizierte Gruppenbetreuung dagegen in Ergänzung zu einer liebevollen und nicht zu kurzen regelmäßigen Betreuung durch die Eltern schadet dem Kind nach diesen Erkenntnissen nicht.
Für Eltern und insbesondere Mütter, die ihren Beruf nicht durch längere Erziehungspausen unterbrechen können oder wollen, ist die Möglichkeit der Kleinkindbetreuung ein wichtiger Aspekt in der Familienplanung. Der Mangel an solchen Betreuungsplätzen in Deutschland wird als eine der Ursachen für die niedrige Geburtenrate, besonders unter Akademikerinnen, angesehen. Befürworter der Betreuung in Krippen oder bei Tagesmüttern verweisen darauf, dass die ausschließliche Betreuung eines Kleinkindes durch die Mutter evolutionär gesehen etwas unnatürliches sei, da Kinder bis vor wenigen hundert Jahren normalerweise in einer Großfamilie aufwuchsen und dadurch soziale Kontakte mit verschiedenen, auch gleichaltrigen, Menschen hatten. Die Anregung der kindlichen Wahrnehmung sei dadurch vielfältiger gewesen, als sie auf Dauer gesehen durch die Mutter allein sein könne. Gute Krippen, die ein kindgerechtes Umfeld mit Spielmöglichkeiten und anderen Anregungen, aber auch Gelegenheit zum Rückzug bieten, können daher eine gute Ergänzung zur elterlichen Erziehung darstellen.
In vielen Ländern, etwa Schweden und Frankreich, gibt es seit Jahren erfolgreiche Angebote zur Kleinkindbetreuung.
Literatur
Steve Biddulph: Wer erzieht Ihr Kind?, Wilhelm Heyne Verlag, München 2005, ISBN 3-453-67000-0
Weblinks
- http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=6987&CategoryID=60 eine kritische Betrachtung der NICHD-Studie
- http://www.liga-kind.de/pages/dorn398.htm Kommentar zur NICHD-Studie von Dr. Martin Dornes, Institut für medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Frankfurt/Main
