Kinder- und Jugendliteratur
Das literarische Genre der Kinder- und Jugendliteratur umfasst die im Wesentlichen für Kinder oder Jugendliche geschriebenen Bücher. Es gilt die Faustregel, dass der gedachte Leser ein bis drei Jahre jünger als der Protagonist ist.
Sie sollen eine altersgerechte Wahrnehmung ihrer Umgebung (allgemein: der Welt) ermöglichen.Typischerweise enthalten sie an das Verständnis von Kindern angepassten Inhalt, zahlreiche Illustrationen, und lebendige Dialoge.
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Allgemeines
Die Grenzen zur (Erwachsenen-) Literatur sind beim Kinder- und Jugendbuch zunehmend fließend. Richteten die Werke von Jules Verne, Karl May oder Jonathan Swifts Gullivers Reisen sich zur Zeit ihres Entstehens an Erwachsene, gelten sie heute als Jugendliteratur.<p> Die früher gebräuchlichen strikten Differenzierungen der verschiedenen Zielgruppen, für die ein Roman als geeignet angesehen wird, verschwimmen immer mehr. Dies liegt zum einem daran, dass Kinder immer früher die Reife vorausgehender Generationen erreichen, aber auch daran, dass immer mehr Autoren wie Joanne K. Rowling, Cornelia Funke oder Walter Moers mit ihren vor allem an Jugendliche gerichteten Geschichten zunehmend auch Erwachsene als Leser erreichen. Daneben schreiben renommierte Autoren wie Per Olov Enquist, Isabel Allende, Henning Mankell , Paula Fox oder Joyce Carol Oates für eine jugendliche Leserschaft. <p> Ein bedeutender Zweig der (Erwachsenen-) Literatur sind des Weiteren Schilderungen von (autobiographischen) Jugenderlebnissen, in denen Literaten sich selber oder fiktive Charaktere beschreiben, um eine zurückliegende Zeit und den dahinter stehenden Reifeprozess zu behandeln. Dieses ist für gleichaltrige Leser aus nahe liegenden Gründen auch interessant, auch wenn Handlung und Stil nicht an jugendliche Lesebedürfnisse angepasst sind. Reale Beispiele hierfür Imre Kertesz’ Roman eines Schicksallosen und Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque, literarische Darstellungen fiktiver Coming of Age- Geschichten sind William Goldings Herr der Fliegen oder Sven Regeners Neue Vahr Süd. <p>
Entstehung
Auch wenn eine genaue Angabe der Geburt des Kinder- und Jugendbuches nicht mehr möglich ist, gilt das 1658 von dem Tschechen Jan Ámos Komenský publizierte Buch Orbis Pictus als eines der ersten spezeill für Kinder veröffentliche Billderbücher.<p> Historisch spielten die englischen Schriftsteller einer Vorreiterrrolle bei der Entstehung der Kinder- und Jugendliteratur als eigener Gattung. Auch heute werden noch gerne Bücher gelesen die vom Anfang des 20. Jahrhunderts oder davor stammen: Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865), Peter Pan von James M. Barrie (1911), Der Wind in den Weiden von Kenneth Grahame (1908).
Bei den deutschen Kinderbüchern stand lange der erzieherische Aspekt im Vordergrund, wie etwa - humorvoll aufbereitet - im 1844 geschriebenen Struwwelpeter, das zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinderbücher überhaupt wurde, oder in den satirischen Bildergeschichten Wilhelm Buschs (z.B. Max und Moritz). Der Unterhaltung dienende Kinderbücher erschienen im deutschsprachigen Raum erst im 20. Jahrhundert mit Gerdt von Bassewitz' Peterchens Mondfahrt.
Als erstes international erfolgreiches amerikanisches Kinderbuch gilt Der Zauberer von Oz von L. Frank Baum aus dem Jahr 1900.
Entwicklung
Überholt ist die Ansicht, Kinder- und Jugendbücher hätten auf bestimmte Themen zu verzichten, da sie sich nicht altersgerechten darstellen ließen. Vielmehr umfasst die Spanne dieselbe Bandbreite wie in der Literatur für Erwachsene. Auch besteht ein immer größeres Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen danach, in Büchern all die gesellschaftlichen und sozialen Themen wieder zu finden, mit denen sie selber konfrontiert sind. Sie möchten auch als Leser erst genommen werden. Deshalb finden sich in der Literatur Themen wie Obdachlosigkeit (Morton Rhue Asphalt Tribe), Tod (Jutta Bauer Opas Engel; Jutta Richter Hechtsommer), Selbstmord (Johann Wolfgang von Goethe Die Leiden des jungen Werther), Ausländerfeindlichkeit (Taher Ben Jelloun Papa, was ist ein Fremder?), Behinderungen (Rodman Philbreak Freak) oder den Kampf um Selbstbestimmung (Bali Rai, Bloß (k)eine Hochzeit).
Buchtypen
Immer noch gibt verschiedene Buchreihen, die sich ganz speziell an Mädchen wenden. Pferdebücher etwa sind sehr beliebt bei Mädchen im frühen Teenager-Alter. In diesen Büchern geht es hauptsächlich um Mädchenfreundschaften. Dagegen existiert keine Literatur speziell für Jungs. Die erfolgreiche Reihe Die Wilden Fußballkerle wird auch von Mädchen gelesen. <p> Generell ist in Untersuchen zum Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen festgestellt worden, dass Mädchen eher bereit sind, Bücher zu lesen, in denen Jungs die Hauptpersonen sind, während diese sich schwer damit tun, Geschichten zu lesen, deren Heldin ein Mädchen ist (so Dorothee Markert, "Momo, Pippi, Rote Zora... was dann?").
Buchpreise
In Deutschland ist der Deutsche Jugendliteraturpreis der renommierteste Preis. Daneben gibt es etwa den LUCHS, La vache qui lit oder den Buxtehuder Bullen. Vergleichbar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ist in Amerika die Newberry Medal. Im Commonwealth wird die Carnegie Medal verliehen für Werke, die auf Englisch geschrieben wurden.<p> Die bedeutendste internationale Auszeichnung ist der Hans Christian Andersen Award.
Sonstige Genres
Subgenres im Kinderbuch sind vor allem das Märchen, Bilderbuch und der Comic.
Siehe auch
Autoren von Kinder- und Jugendliteratur, Liste deutschsprachiger Kinder- und Jugendbücher, Liste internationaler Kinder- und Jugendbücher, Deutscher Jugendliteraturpreis, Kinderfilm, Jugendfilm, Kinder- und Jugendliteratur der DDR
Weblinks
- [1] Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
- [2] Wienerzeitung
- [3] Verzeichnis Kinderliteratur
- [4] Lesen in der Grundschule
Kinderbuchlisten:
- [5] Deutschlandradio
- [6] Radio Bremen
- [7] Jugendbuchtipps.de - Buchbesprechungen aktueller Jugendbücher
