Kirchenjahr

Das Kirchenjahr (auch Festjahr, liturgisches Jahr oder Herrenjahr genannt) prägt und gestaltet die Zeitstruktur des vom Christentum beeinflussten Kulturkreises. Der Begriff entstand im 16. Jh. und soll die Gläubigen an wichtige Ereignisse im Leben und Wirken Jesu und an zentrale Glaubensinhalte erinnern.

Die Woche, die sich vom jüdischen Siebentageschema herleitet, beginnt mit dem Sonntag als dem ursprünglichen Auferstehungsgedenken.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung des Kirchenjahres

Das Kirchenjahr enthält zwei große Festkreise, die in der katholischen und evangelischen Kirche weitgehend übereinstimmen. Es beginnt am 1. Advent. Das orthodoxe Kirchenjahr ist ähnlich aufgebaut, beginnt jedoch am 1. September.

Vor dem Ende des Kirchenjahres wird gemäß der Jahreszeit Erntedank gefeiert und der Toten des letzten Jahres gedacht. Während in der katholischen Kirche das Totengedenken an Allerseelen (2. November) stattfindet, findet dieser Gedenktag in der evangelischen Kirche am Totensonntag statt, der gleichzeitig der letzte Sonntag im Jahreskreis ist. In der katholischen Kirche wird dieser letzte Sonntag nicht als Totengedenktag, sondern als Fest der Königsherrschaft Jesu Christi (Christkönig) begangen.

Darüber hinaus sind die einzelnen Kalendertage historischen Persönlichkeiten, Heiligen oder bestimmten Ereignissen gewidmet (Reformation, Kirchweihfeste), die sich zwischen den Konfessionen jedoch stark unterscheiden.

Den einzelnen Festen und Festzeiten sind spezifische liturgische Farben zugeordnet.

Das liturgische Jahr (katholisch)

Der liturgische Kalender der katholischen Kirche setzt sich aus den geprägten Zeiten (Weihnachts- und Osterfestkreis) und der Zeit im Jahreskreis zusammen, deren Sonntage als Tage des Herrn begangen werden. In dieses Schema eingeordnet werden zahlreiche Feste des Herrn, der Mutter Gottes und der Heiligen.

Die liturgischen Texte für alle Tage des Kirchenjahres sind in einer Leseordnung festgelegt, so dass die wichtigsten Schrifttexte in einem dreijährigen Rhythmus gelesen werden.

Weihnachtsfestkreis

Der Weihnachtsfestkreis beginnt am 1. Advent und endet mit dem Fest der Taufe des Herrn.

Mit der weihnachtlichen Zeit wird auch das Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, volkstümlich „Mariä (oder sprachfauler: Maria) Lichtmeß“ genannt (früher die offizielle Bezeichnung), das am 2. Februar gefeiert wird, verbunden.

Osterfestkreis

Der Osterfestkreis beginnt am Aschermittwoch und endet Pfingsten.

Zeit im Jahreskreis

Die Zeit im Jahreskreis umfasst die Sonn- und Werktage außerhalb der geprägten Zeiten.

Die Sonntage werden durchgezählt vom 2. (die 1. Woche im Jahreskreis beginnt erst am Montag nach dem Fest der Taufe des Herrn) bis zum 33. Sonntag im Jahreskreis (der 34. Sonntag wird regelmäßig vom Christkönigssonntag verdrängt).

Die Reihe wird (im Jahr 2004 nach dem 7. Sonntag) vom Osterfestkreis und dem Dreifaltigkeitssonntag unterbrochen, wodurch in der Zählung zwei bis drei Sonntage entfallen. Fallen Hochfeste oder Herrenfeste auf einen zufällig auf einen Sonntag im Jahreskreis, so wird hingegen die Zählung nicht unterbrochen, sondern der betreffende Sonntag entfällt.

Herrenfeste im Jahreskreis

Feste und Gedenktage im Laufe des Jahres (Proprium)

In dieses Schema eingeordnet werden zahlreiche Hochfeste, Feste und Gedenktage, die teilweise weltweit, teilweise nur in einzelnen Regionen, Diözesen oder Ordensgemeinschaften oder gar nur in einzelnen Kirchen gefeiert werden.

Siehe: Allgemeiner Römischer Kalender, Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet, Nicht gebotener Feiertag

Das Kirchenjahr (evangelisch)

Der Weihnachtsfestkreis

4 Adventssonntage, beginnend mit dem 4. Sonntag vor dem 25. Dezember (der 4. Sonntag im Advent kann auf den 24. Dezember fallen, denn Heiligabend ist nur der Vorabend des Christfestes). Der Advent ist eine Vorbereitungszeit, ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern.
24. Dezember Heiliger Abend
25. Dezember 1. Weihnachtsfeiertag
26. Dezember 2. Weihnachtsfeiertag
6. Januar Epiphanias
bis zu 6 Sonntage nach Epiphanias (in Abhängigkeit von Ostern; bei einem frühen Ostertermin entfallen ein oder mehrere Sonntage nach Epiphanias, jedoch nicht der erste und der letzte.)

Der Osterfestkreis

Septuagesimae
Sexagesimae
Estomihi oder Quinquagesimae
Aschermittwoch
Invocavit
Reminiscere
Oculi
Laetare
Judica
Palmarum (Palmsonntag): Einzug Jesu in Jerusalem
Gründonnerstag : Gedenktag der Einsetzung des Abendmahls
Karfreitag: Leiden und Sterben Jesu
Ostersonntag (Sonntag der dem Frühlingsvollmond folgt, d.h. 14 Tage nach Neumond)
Ostermontag
Quasimodogeniti
Misericordias Domini
Jubilate
Kantate
Rogate
Christi Himmelfahrt (Donnerstag)
Exaudi
Pfingstsonntag
Pfingstmontag

Trinitatiszeit

Trinitatis (Dreifaltigkeitssonntag)
bis zu 24 Trinitatis-Sonntage (in Abhängigkeit von Ostern) vom 1. bis zum 24. Sonntag nach Trinitatis
Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag (Schweiz, dritter Sonntag im September)
31. Oktober Reformationstag

Kirchenjahresende

Die drei Sonntage vor dem 1. Advent

Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr
Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr (An diesem Sonntag wird der Volkstrauertag begangen, der allerdings kein kirchlicher Feiertag ist)
Buß- und Bettag (Deutschland, Mittwoch vor letztem Sonntag des Kirchenjahres, in Deutschland nicht überall Feiertag)
Ewigkeitssonntag (auch als Totensonntag gefeiert, aber dann mit anderem Inhalt)

Das Kirchenjahr in der Geschichte

Ein Beispiel für die Veränderungen im Kirchenjahr im Laufe der Zeit sind Kirchliche Festtage im Leipzig Johann Sebastian Bachs (1723-1750). Dort wurden als evangelische Festtage gefeiert:

Johannis am 24.6.
Mariä Heimsuchung am 2.7.
Michaelis am 29. 9.
Mariä Reinigung am 2.2.
Mariä Verkündigung am 25.3.

Alle diese Tage stehen auch heute noch im Liturgischen Kalender des Evangelischen Gesangbuchs (1993), werden von den meisten evangelischen Christen aber eher als "katholisch" empfunden.

Das orthodoxe Kirchenjahr

FASTENZEITEN

Weblinks

See also: Kirchenjahr, 14. September, 15. August, 1993, 2. Februar, 21. November, 24. Dezember, 25. Dezember, 25. März, 26. Dezember