Kirchenmusiker
Ein(e) Kirchenmusiker/-in (im Folgenden der besseren Übersicht wegen nur männliche Schreibweise) ist ein Musiker, der in einer Kirche als Organist und/oder Chorleiter arbeitet. Das kann hauptamtlich, nebenberuflich oder auch ehrenamtlich sein. Gebräuchlich ist als kirchliche Berufsbezeichnung auch Kantor bzw. in älterer Schreibweise Cantor. Diese Bezeichnung stammt aus der älteren Kirchentradition einschließlich der jüdischen Synagogen und leitet sich von (lat. cantare, singen) lat./ital. "Singen" bzw. Sänger ab. Kantor war und ist Sänger bzw. Vorsänger mit besonderen liturgischen Aufgaben innerhalb des Gottesdienstes bzw. der Messe, etwa dem Psalmgesang. Hieraus entstand dann die Chorleitung mit allen Aufgaben der Chorpädagogik wie Stimmbildung, Probentechnik und Dirigat, zuweilen einschließlich der Orchesterleitung. In der Zusammenlegung aller Tätigkeiten (Organist und Chorleiter, bzw. in der Musikpädagogik) ist der Beruf Kirchenmusiker entstanden. Eine Trennung beider Ämter "Organist" und "Kantor", wie sie zum Beispiel in größeren Kirchen Frankreichs üblich ist, ist in Deutschland eher selten.
Die berufliche Qualifizierung gliedert sich in "D-", (ehrenamtlicher Kirchenmusiker mit Ausbildung im Kirchenkreis und Prüfung) für den Nebenberuf, "C-" (etwa einjähriger Besuch eines C-Seminars oder Studium an einer Kirchenmusikschule mit nachfolgendem C-Abschluß), und in "B-" (B-Prüfung an einer Kirchenmusikschule, Musikhochschule oder Akademie), für den hauptberuflichen Dienst und in "A-" (A-Prüfung an einer Musikhochschule) für die Begleitung der Funktion des Kirchenmusikdirektors eines Kirchenkreises sowie den hauptberuflichen Dienst an Hauptkirchen mit besonderen künstlerischen Schwerpunkten etwa in der Chorarbeit und/oder dem Orgelspiel.
Heute ist der Kirchenmusiker in zunehmendem Maße auch Musikpädagoge in der Gemeinde. Neben liturgischen und künstlerischen Aufgaben (zum Beispiel Leitung von Konzerten für Chor und Orchester oder Durchführung von Orgelkonzerten) nimmt die musikpädagogische Betreuung für Laien in Chören und Gruppen einen breiten Raum ein, zum Teil bis hin zur musikalischen Früherziehung in Kirchgemeinde und Kindergarten. Die jeweiligen Schwerpunkte kirchenmusikalischer Arbeit werden durch den Kirchenvorstand und durch das Budget für Kirchenmusik seitens der Landeskirchen bestimmt.
Während es seit etwa 1950 besonders in Deutschland zu einem breit gefächerten Ausbau des Studiums kam (aus Organistenschulen wurden "Kirchenmusikschulen", aus Kirchenmusikschulen wurden Akademien und Hochschulen mit entsprechend qualifizierten Studienabschlüssen), etablierten sich die oben genannten Stellenbezeichnungen als feste Anstellungsverhältnisse mit entsprechendem Etat für Kirchenmusik. Diese Entwicklung etablierte somit den Beruf in Deutschland gegenüber vielen anderen Ländern als (geschützten) Berufsstand in allen künstlerischen, liturgischen und musikpädagogischen Bereichen. Diese Praxis ist seit vielen Jahren rückläufig. Zwar gibt es in Deutschland weiterhin jährlich professionelle Studienabgänger, die Stellenbesetzungen jedoch gehen vermehrt zu Honorarverträgen und prozentualen Stellenvergaben und/oder Herabstufungen von A-Stellen zu B- oder C-Stellen bzw. von C- zu ehrenamtlichen D-Stellen über.
Kirchenmusiker im Internet:
Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen beraten sich gegenseitig im Internet durch die Mailingliste "Kirchenmusikliste". Die dazugehörige Website bietet viele zuätzliche Features, wie zum Beispiel kostenloser Download von Noten oder anderes.
Man diskutiert über alle Fragen des beruflichen Alltags, z.B.:
- Vorschläge für Konzertprogramme und Musik im Gottesdienst
- Probentechnik im Chor
- Orgelbegleitung bei Chorälen und neuen geistlichen Liedern
- Noten
- Arbeitszeitregelungen und Vertretungssätze
Jeder kann durch eigene Kommentare anderen mit seinen Tipps helfen und auch selbst Fragen stellen. Natürlich kann man auch schweigend mitlesen und sich von den Ideen der anderen Teilnehmer anregen lassen.
Besonderer Bonus: Viele Listenmitglieder stellen kostenlos Noten zum Download zur Verfügung oder verleihen Chor- u. Orchesternoten (Notenbibliothek auf Gegenseitigkeit).
Inzwischen hat die Liste mehr als 300 Mitglieder aus vielen Konfessionen (Stand: November 2003)
