Katholische Reform
Katholische Reform meint im Unterschied zur Gegenreformation die innerkirchliche Erneuerungsbewegung innerhalb der Katholischen Kirche, wie sie seit dem Konzil von Trient einsetzt. Dabei bleiben die Auseinandersetzungen mit Martin Luther und der von ihm ausgehenden Reformation und dem Protestantismus auf die Theologie begrenzt. Es wird hierbei auch von Kirchenreform gesprochen. Ziel ist dabei die deutliche Abgrenzung vom Protestantismus. Weiterhin ging es um die Eindämmung des auf dem Vormarsch befindlichen Protestantismus. Dazu mußten die schon seit langen bereits aus der spätmittelalterlichen Kirchenverfassung herrührenden Mißstände in der katholischen Kirche abgeschafft werden.
Ein Hauptgegenstand der katholischen Reform war die Verbesserung der Priesterausbildung durch die Gründung von Priesterseminaren und die Bekämpfung von Simonie und Ämterhäufung. Für weitere Inhalte sei auf die Beschlüsse des Konzils von Trient verwiesen. Auch der Handel mit dem Ablass wurde abgeschafft, der ja ein wesentlicher Reibungspunkt bei Luther war, und für die Auslösung der Reformation mit verantwortlich war.
Begriffsgeschichte
Diese innerkirchliche Reformbewegung hat als erster der protestantische Historiker Wilhelm Maurenbrecher in seinem Buch: Geschichte der katholischen Reformation, Bd. I, Nördlingen 1880 beschrieben. Der Begriff "Katholische Reformation" war jedoch bereits durch die Lutherische Reformation besetzt, so dass der Begriff von Maurenbrecher ersetzt werden musste. Bereits der protestantische Historiker Hermann Baumgarten kritisierte das. Nicht nur aus dem protestantischen Spektrum der Geschichtswissenschaft wurde der Begriff kritisiert, sondern auch von katholischer Seite wie z.B. von Franz Dittrich und Alfons Bellesheim. Der katholische Historiker Ludwig von Pastor reagierte darauf und führte den Begriff Katholische Restauration in seiner Geschichte des Papsttums ein.
Die Kritik von Baumgarten an Maurenbrecher war die Basis für die durch den Kirchenhistoriker Hubert Jedin eingeführten Begriff der Katholischen Reform. Dieser wiederum führt somit die Begriffstrias zur Beschreibung der Kirchengeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts ein: "Reformation-katholische Reform-Gegenreformation". Das Begriffspaar "Reformation-Gegenreformation" wird also erweitert. Jedins Begriffsschema orientiert sich dabei an der Kirchengeschichte. Trotz der erwiesenen Unhaltbarkeit von Maurenbrechers Begriffsschöpfung "katholische Reformation" ist doch seine Erkenntnis, dass Reformation, katholische Reform und schließlich Gegenreformation in den Zuständen der spätmittelalterlichen Kirche ihre gemeinsamen Wurzeln haben, unbestritten.
siehe: Konfessionalisierung, Kirchenverfassung
Literatur
- Hubert Jedin, Katholische Reformation oder Gegenreformation. Ein Versuch zur Klärung der Begriffe nebst einer Jubiläumsbetrachtung über das Trienter Konzil, Luzern 1946.
