Kleie

Die Kleie (lat. furfur) ist ein Nachprodukt beim Mahlen des Getreides. Es sind die Schalen der Getreidekörner. thumb|150px|"Kleiekotzer" aus dem 18. Jahrhundert - am Auslauf der Kleie aus dem Beutelkasten einer Mühle waren oft solche fratzenhaften Masken angebracht Kleie besteht aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin und wird vorwiegend als Futtermittel verwendet. Auch in der menschlichen Ernährung wird sie als Ballaststofflieferant eingesetzt (z.B. in Müsli).Sie fördert die Verdauung. Regelmäßiger Verzehr von Haferkleie kann den Cholesterinspiegel des Körpers senken.

Für eine vollwertige Ernährung ist Kleie jedoch wenig geeignet. Der menschliche Körper hat sich über Jahrtausende an das Verhältnis zwischen Stärke, Vitaminen und Mineralien im Getreidekorn angepasst. Zur optimalen Verwertung der Stärke und zur Umwandlung dieser in Energie benötigt der Körper Vitamine und Mineralien, und genau diese sind in der richtigen Menge in den Randschichten des Korns enthalten. Nimmt man Auszugsmehl und Kleie nun also getrennt voneinander zu sich, ist es unmöglich genau diese Ausgewogenheit zu treffen. Dem Körper fehlen also Vitamine und Mineralien zum Abbau der Stärke, oder er hat zu viel davon, welche in Fettreserven im Körper angelagert werden.

Inhaltsstoffe (Durchschnittswerte)

Brennwert von 100 g Kleie: ca. 600 Kilojoule (~143 Kilokalorien)

Gesundheitliche Bedeutung

Ende des 19. Jahrhunderts drohte nach der Einführung europäischer Reisschälmaschinen in Japan und Java eine neue Krankheit, Beri-Beri, die dortige Bevölkerung zu vernichten. Der von Holland entsandte Christiaan Eijkman beobachtete, daß Hühner, die mit weißem statt mit braunem Reis gefüttert wurden nach kurzer Zeit die Symptome von Beri-Beri zeigten. Es wurde eine Mangelkrankheit vermutet. Als Wirkstoff gegen diese Krankheit isolierte Casimir Funk das Vitamin B1 aus Reiskleie und wurde zum Begründer der Vitaminlehre. Auch das Vitamin B6 wurde zuerst aus Reiskleie isoliert. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse verhinderten nicht den Siegeszug des weißen Reises und damit einhergehende Krankheiten bei den Menschen und Völkern, deren Hauptnahrungsmittel der Reis ist.

In Indien galt ein Brei aus frischer Reiskleie als gängiges Heilmittel bei zahlreichen Erkrankungen. Heute werden durch Fermentation von Reis- oder Weizenkleie hoch wirksame Antioxidantien gewonnen, was die Heilwirkung des traditionellen indischen Mittels bestätigt.

Durch mehrere Studien wurde die gesundheitliche Bedeutung speziell von Hafer-Kleie nachgewiesen: Regelmäßig verzehrt, kann sie den Cholesterinspiegel im Blut senken.

See also: Kleie, Antioxidantien, Auszugsmehl, Ballaststoff, Beri-Beri, Casimir Funk, Cellulose, Cholesterin, Fermentation, Futtermittel